Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Existengrenze
Hallo, Ihr Lieben
Erst einmal hallo - ich bin neu hier und freue mich, Eure Seite gefunden zu haben und eröffne ganz mutig mal ein neues Thema, nachdem mich die Suchfunktion nicht weitergebracht hat (sollte ich dennoch nicht gut genug recherchiert haben, so bitte ich um Schliessung des Themas)
Folgende Problemstellung:
Ich beziehe in den nächsten Monaten folgende Hartz IV-Werte:
Juli 2005 - August 2005 = 665,00 Euro
September 2005 = 657,67 Euro
Oktober 2005 - November 2005 = 621,00 Euro
Bezahlt werden müssen hierbei folgende Dinge:
1.Miete 235 Euro (205 "normal" sowie monatlich 30 Euro Abzahlung aus Mietschuld)
2. Stadtwerke (Gas/Strom) 117 Euro
Somit bleiben letztendlich in den oben genannten Zeiträumen zwischen 330 und 269 Euro zum leben (d.h. Lebensmittel, Telefon/Internet, Handy)
Meine konkrete Frage= Wo ist bei oben genannten Zahlen die Existenzgrenze, d.h. auf wieviel Geld habe ich, was das reine (Über)leben angeht Anspruch?
Des Weiteren würde ich mich auch sehr über Zahlen freuen, was ich dazu verdienen darf und was davon überbleiben würde. (In diesem Punkt werde ich allerdings noch einmal die Suchfunktion genau studieren).
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die eine oder andere Hilfe hier erhalten würde.
Mit freundlichem Gruss aus Neumünster
Sascha
StephanK
08.06.2005, 15:05
Hallo Sascha und :welcome:
Du bist nicht der erste und wirst nicht der letzte sein, den der Schrecken packt, nachdem er seine monatlichen Ausgaben mit seinem ALG II-Satz verglichen hat.
Wie der Gesetzgeber sich die Bedarfsdeckung in einem ALG II-Haushalt vorstellt, kannst Du an dieser Grafik hier ablesen:
http://www.arbeitslosennetz.de/forum/images/mod/Regelsatzschluessel.gif
Natürlich wird das genau so in keinem konkreten Haushalt aussehen und niemand muss sich an diese Verteilung halten, aber Du bekommst immerhin eine Vorstellung, welche Ausgabenposten bei Dir relativ hoch sind. Mir scheinen z.B. Deine Heizkosten recht hoch, allerdings komme ich auch aus einer etwas wärmeren Gegend und kann es nicht wirklich einschätzen.
Was ich nicht recht verstehe ist, dass Du unterschiedliche Beträge angegeben hast, mit einer deutlichen Absenkung ab Oktober. Vielleicht hat das mit den Mietschulden zu tun? Wenn Du die abgetragen hast, gibt's ja wenigstens ein bisschen Luft. Aber auch so wird Dir nix über bleiben als ziemlich eisern sparen... Denn mehr als diese Existenzgrenze, die eben durch Sozialhilfe und ALG II markiert wird, gibt es nicht.
Ansonsten kann ich Dir leider auch nur sagen: Das Elend ist so elend :cry:
Hallo Stephan,
vielen Dank für Deine Antwort und Deine Willkommensgrüsse...hab mich sehr gefreut.
Wäre es so, dass ich das in der "Bedarfsbedeckung" ausgeschriebene Geld bekommen würde, so wäre ja alles okay, leider ist dem nicht so (im November wären es nur 269 Euro - und das ist genau das, was ich nicht verstehe und wa mich ehrlich gesagt mehr als nervös macht. Der Gedanke, dass man davon dann auch noch Telefon/Internet, das Handy und monatliche Raten zur Abzahlung seines Dispositionskredits auf den Tisch legen kann würde wohl den grössten Optimisten zu einem mitleidigen Lächeln animieren).
Nun ist die grosse Frage - was soll man machen? Noch mal zum Dienstleistunszentrum? Einen Nebenjob herbekommen, egal wie...?
Bezüglich der hohen Betriebskosten hast Du vollkommen recht - in meinem 32m² Haushalt war es leider so, dass der Durchlauferhitzer falsch eingestellt war und nun erneuert wird. Langfristig gesehen wird dieses sicher zu einer Kostenersparnis führen - aber das sowas niemanden wirklich interessiert merkte ich, als ich mit meinem Mietunternehmen darüber sprach ("Herr B. - unsere Mitarbeiterin wird ihnen sicherlich die korrekte Einstellung erklärt haben." Hat sie nicht...aber darüber weiter zu philosophieren wäre Eulen nach Athen tragen).
Natürlich ist es vollkommen klar (und ich will es auch nicht), dass andere für meine Schulden aufkommen - trotzdem bin ich auch hier für jeden Rat dankbar (Schuldnerberatung?).
Was die rapide Senkung ab Oktober angeht so könnte eine mögliche Erklärung eine "Minderverdienstausgleichszahlung" meiner Berufsgenossenschaft sein, welche aber schon eine ganze Weile zurückliegt - und ich denke, dass es niemanden verwundert, wenn ich sage, dass ich dieses Geld dazu genutzt habe, um andere Schulden zu begleichen...
Ferner drängt sich mir die Frage auf, wie sich das Dienstleistungszentrum mit längerfristigen Krankschreibungen befassen würde - sind dort weitere Kürzungen zu erwarten? Obwohl ich längere Zeit aufgrund von psychosomatischen Problemen erkrankt war steht es für mich ausser Frage, dass ich sofort arbeiten würde, wenn es den finanziell auch nur 100 Euro mehr wären, leider stellt sich das auch schon als schwer genug heraus.
Ich freue mich wie immer über jede Idee und jeden Rat.
"Nothing is hard if you dare to scale the heights"
Sascha
StephanK
08.06.2005, 23:42
Hallo Sascha,
die Frage mit dem "schwankenden" ALG II erschließt sich mir auch jetzt noch nicht so richtig. Mit einer bereits geleisteten Zahlung von der BG kann das eigentlich nichts zu tun haben, denn die wäre in der amtlichen Annahme, dass Du das sofort verbrauchst, so angerechnet worden, dass zu Beginn des Bewilligungszeitraum die ALG II-Leistung abgesenkt worden wäre und nicht erst Monate später. Den Grund solltest Du schon aufklären, und wenn der ALG II-Bescheid Dir keine plausible Erklärung bietet, bei der ARGE nachfragen. Wenn da was nicht stimmt und die Widerspruchsfrist noch nicht abgelaufen ist, solltest Du natürlich Widerspruch einlegen.
Was diese Heizkosten-Sache angeht, kann man natürlich auf die Idee kommen, dass eine (von Dir nicht zu beeinflussende?) falsche Einstellung des Durchlauferhitzers Sache des Vermieters ist und er folglich für die Mehrkosten aufkommen sollte. Aber einen Streit darüber anfangen kostet natürlich Nerven, von denen ich nicht weiss, ob Du sie hast - es liest sich nicht so. Trotzdem: das Thema ist wohl eines der wenigen, wo Du Kosten reduzieren könntest....
Zu Deinen übrigen Fragen muss ich ehrlicherweise sagen, dass dieses Forum dann an die Grenzen seiner Möglichkeiten stößt, wenn man eigentlich neben dem Fragesteller sitzen, mit ihm allerlei Unterlagen durchgehen müsste und die Chance bräuchte, zu sagen: "Du, guck doch mal in Deinem Ordner mit den ...xyz-Unterlagen, vielleicht können wir das so zusammenpuzzlen." Das gilt gerade auch bei Themen, die Krankheit berühren: Das ist so individuell, dass man hier auch beim besten Willen nicht viel gebacken kriegt. Deswegen kann ich Dir jetzt nur sehr bruchstückhaft Tipps geben und Dich auf zwei Adressen aufmerksam machen, wenn Du sie nicht sowieso schon kennst:
Erwerbsloseninitiative ELIA e.V., Carlstr. 7, Tel. 187413
Schuldnerberatung, Am Alten Kirchhof 16 , Tel. 250565, eMail: schuldnerberatung@diakonie-nms.de
Ich hoffe/denke, dass Du dort Leute findest, die Dir in der angedeuteten Weise weiterhelfen können.
StephanK
09.06.2005, 07:46
SOGA - Sozialinitiative gegen Armut und Ausgrenzung - Neumünster e.V.
http://www.soga-nms.de/
Hallo zu Dir nach Köln@stephan,
wieder vielen Dank für Deine Gedanken und die Zeit, die Du aufgebracht hast. Merci :-)
Die Soga-Seite finde ich sehr interessant, auch wenn es erst einmal einschüchterte ("Nehmen Sie einen Zeugen mit, es könnte eine Falle sein..."). Aber ich werde mich auf jeden Fall darum kümmern.
Bezüglich einer Auseinandersetzung mit den Stadtwerken hast Du vollkommen richtig geahnt, aufgrund meiner psychosomatischen Probleme (u.a. Borderline) ist diese Aufwendung und Standhaftikeit für mich momentan sehr schwer zu realisieren - leider. Allerdings war ein schnippischer Brief seitens der Vermieter, welchen ich heute in der Post hatte ("Unser Mitarbeiter hat Ihnen ja nun gezeigt, wie die Einstellung korrekt ist..in den Sommermonaten sollten sie demzufolge die Heizung nicht in Betrieb haben...), Anlass für mich über Möglichkeiten nachzudenken, die Sache doch irgendwie in Angriff zu nehmen...
Aber das nur am Rande....
Ich werde -kurzfristig- nicht daran vorbeikommen, meine Sachbearbeiterin im DLZ aufzusuchen, da diese existenziellen Dinge eben geklärt werden müssen, damit man zur Ruhe kommen kann und auch der Weg über die Schuldnerberatung ist unumgänglich.
Vielen Dank erst einmal,
Gruss aus Neumünster
Sascha
StephanK
15.06.2005, 12:57
Hallo Sascha,
Anlass für mich über Möglichkeiten nachzudenken, die Sache doch irgendwie in Angriff zu nehmen...
Ich werde -kurzfristig- nicht daran vorbeikommen, meine Sachbearbeiterin im DLZ aufzusuchen
...mir ist jetzt klar, dass das vor dem Hintergrund, den Du erklärt hast, riesige Brocken sind. Von hier aus kann ich Dir dazu nur kühle Ruhe wünschen und Dich ermuntern, Kontakte mit anderen Betroffenen vor Ort zu knüpfen.
Wär' schön, wenn Du bald sagen könntest: nee, diese (Deine) Forum-Signatur passt nicht mehr! :-)
Hi Stephan,
na, wegen den Kontakten bin ich ja u.a. auch hier :D
Den Gang zur Schuldnerberatung habe ich mich hinter mich gebracht (siehe dazu auch das neue Posting zum Thema Bank) und die eineinhalb Stunden, die ich dort sass waren auch okay so. ("Och, Herr B., bleiben Sie erstmal locker, das sind doch Peanuts, die sich da angesammelt haben...") - dennoch ist es mit der Bank natürlich so eine Sache und ich würde mich sehr freuen, wenn diesbezüglich hier (oder im von mir mutig eröffneten neuen Thread noch Gedankenansätze anderer Betroffener auftauchen würden).
In Punkto DLZ/Arge sieht die Rechnung ab November dann so aus:
An Leistungen bekomme ich 621 Euro (345 Lebensunterhalt, 276 Heizung/Miete)
Zu zahlen habe ich:
1.Miete 235 Euro (205 Euro normal plus 30 Euro Mietschuld abzahlen)
2.Betriebskosten: 117 Euro
Bleiben dann also unter dem Strich 269 Euro...von denen Telefon und ggf. Handy auch zu zahlen sind.
Das sind letztendlich die aktuellen Zahlen, würde mich freuen, wenn jemand dazu etwas sagen kann. (Ob diese Zahlen seitens des DLZs korrekt sind oder ob ich da evetnuelle Anprüche noch melden kann).
DENN würde ich die 30 Euro Mietschuld pro Monat nicht zahlen und auf den Lebensunterhalt wieder aufrechnen käme ich auch "nur" auf 299 Euro.
So...nun hab ich mal wieder einiges an Webspace gemopst...aber sollten sich neue Erkenntnisse ergeben oder/und Denkfehler gemeinsam lösen lassen sollte das doch legitim sein :-)
Einen schönen Tag erst einmal,
Sascha
Biberzahn
15.06.2005, 15:03
Hallo Sascha,
auch von mir ein herzliches :welcome: . Was mir bei deinem Bericht über Deine Situation noch fehlt ist die Frage was hast Du vor dem ALG II bekommen? Warst Du arbeitslos? Wenn ja, bis wann hast Du ALG I bekommen? Es ist nämlich so, das wenn Du vor dem Antrag auf ALG II "normales" Arbeitslosengeld bezogen hast, so hast Du einen Anspruch auf einen Übergangszuschuß der im ersten Jahr bis 160 Euro beträgt, und im zweiten Jahr bis zu 80 Euro.
Ich denke mit diesem Zuschuss wär Dir sicher etwas geholfen. Leider vergisst das Amt die Berücksichtigung dieses Zuschusses dann und wann einmal. Man muss sie mitunter freundlich darauf hinweisen.
Was doch aber schon einmal sehr positiv klingt ist die Sache mit der Schuldnerberatung. Wenn Du da wirklich kompetente Leute sitzen hast, dann lösen sich viele Dinge wesentlich leichter.
Viele Grüße
Biberzahn
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