Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hartz IV: Stütze für alle
ALN - Robot
04.06.2006, 23:26
http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/palmversion/Faz_Logo_klein.gif (http://www.faz.net)
04. Juni 2006
Als ihr Vater sie nicht mehr finanzierte, übernahm Vater Staat.
Ihre Schneiderlehre lag ein paar Jahre zurück, und sie war mittlerweile dreißig.
Der Versuch, sich als Kostümbildnerin beim Fernsehen zu etablieren, bedeutete, sich von Projekt zu Projekt zu hangeln.
Zwischendrin:
Durststrecken und fast kein Geld.
Die private Krankenversicherung, die sie als Selbständige brauchte, trieb sie in den Ruin.
„Von selbst hätte ich das nie gemacht, weil ich mich nicht getraut hätte“, sagt Anna Busche (Name geändert).
Aber eine Bekannte drängte, das Geld stehe ihr zu, man brauche sich nicht zu scheuen. Monatelang schob die Kölnerin die Entscheidung vor sich her, dann holte sie sich einen Antrag. Heute lebt Anna Busche von Hartz IV. Und empfiehlt mittellosen Freunden, es ihr gleichzutun.
„Das Geld reicht nicht“, sagt sie. „Aber es gibt Sicherheit. Ich habe keine Panik, daß ich meine Miete nicht bezahlen kann.“
Der Artikel zur Meldung hier... (http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~EEE569249FDD84F93A47E746C5F71DE39~ATpl~Ecommon ~Scontent.html)
Gab es da nicht einen Artikel wo die Autorin feststellte sie würde keine Erwerbslosen für ein Interview bekommen, weil die so scheu sind? Hätte sie wohl heftiger mit den Scheinchen winken müssen?
Na jetzt wird der Herbst eingeläutet!
:twisted:
Betroffener
05.06.2006, 01:33
Wenn Miegel, INSM und IW zitiert werden, weiss Mensch woher der Wind weht.
Der Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (Meinhard Miegel) in Bonn sagt: „Damit habe ich eine Bevölkerung, die seit langem, langem konditioniert ist auf die Vorstellung, jemand sorgt für mich.“ Problematisch sei diese Haltung aber vor allem, weil sich mit der Struktur der Gesellschaft auch die allgemeine Ethik verändert habe, die gängige Vorstellung von Sittlichkeit und Anstand. Zu Bismarcks Zeiten sprang im Notfall der Familienverband ein, Enkel sorgten für Großeltern, Großeltern für Enkel, und jeder sorgte für sich selbst, solange es irgend ging - quer durch alle Schichten. Noch vor dreißig, vierzig Jahren sei niemandem in den Sinn gekommen, sich arbeitslos zu melden, nur weil zwischen dem Ende eines Arbeitsverhältnisses und einer neuen Stelle zwei Monate Pause gelegen hätten. Mal mindestens die Kegelbrüder hätten sonst pikiert geguckt. Heute hingegen laute die Devise: mitnehmen, was geht. „Wenn jeder mit letzter Konsequenz seinen Vorteil sucht, wird das eine sehr ungemütliche Gesellschaft“, warnt Miegel: „Dann kann das System nicht mehr funktionieren.“
Versicherungsvertreter Miegels Welt: Zu Bismarcks Zeiten war vieles anders und auch vor dreissig Jahren anders als jetzt. Und ich kenne durchaus Leute, die sich vor dreissig Jahren für 2 Monate arbeitslos gemeldet hätten - weil sie es mussten.
Wenn die Wirtschaft den letzten Steuercent und jede Subvention aufsaugt, den Staat über Jahrzehnte Steuererleichterungen und passend zugeschnittene Gesetze abfordert, Arbeitsplätz exportiert, Arbeitnehmer bei gleichzeitiger Verkündigung vom Milliardengewinnen rausschmeisst - das ist alles in Ordnung - nur wenn die Ärmsten der Armen Rechte wahrnehmen, dann ist das Schmarotzertum. Es ist zum :kotz:
Interessant auch die Lesermeinungen zu den diversen anderen Publikationen - insbesondere auf dieses Interview mit Herrn Hund.
„ALG II ist Etikettenschwindel“ (http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EE39FA135C6504B168964A7798545FB08~ATpl~Ecommon ~Scontent.html)
Glaubt der Kerl eigentlich, was er da alles so erzählt?
Ach ja - ganz frisch:
Dicke Luft in der Großen Koalition (http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/29/0,3672,3941021,00.html)
In der Großen Koalition brodelt es. Der Grund: Die Diskussion um Erneuerungen bei Hartz IV. Während die Sozialdemokraten sich gegen weiteren Sozialabbau einsetzen, gehen die Maßnahmen der Union nicht weit genug - vor allem die Ministerpräsidenten wehren sich. Doch die Proteste auf der Straße gegen die Änderungen richten sich vor allem gegen die SPD - weitere Verschärfungen bei Hartz IV könnten die Sozialdemokraten empfindlich schwächen.
Mehr über den Link in der Überschrift.
Das nun gerade Peter Clever, Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und BA-Vorstand sich äussern darf in der ARD spricht wieder mal Bände für unseren Staatsrundfunk.
Ich darf mich ja gar nicht nicht arbeitslos melden, weil ich sonst meiner Meldepflicht nicht nachkomme und eine Sperre bekomme.
Betroffener
05.06.2006, 16:08
Sorry,
aber hier habe ich den Kontext nicht verstanden.
Hallo Betroffener,
der Kontext ist:
Zitat: "Noch vor dreißig, vierzig Jahren sei niemandem in den Sinn gekommen, sich arbeitslos zu melden, nur weil zwischen dem Ende eines Arbeitsverhältnisses und einer neuen Stelle zwei Monate Pause gelegen hätten. Mal mindestens die Kegelbrüder hätten sonst pikiert geguckt. Heute hingegen laute die Devise: mitnehmen, was geht. „Wenn jeder mit letzter Konsequenz seinen Vorteil sucht, wird das eine sehr ungemütliche Gesellschaft“, warnt Miegel: „Dann kann das System nicht mehr funktionieren.“
Mag schon sein, dass viel Menschen oft "mit letzter Konsequenz seinen Vorteil sucht". Dass jedoch speziell Arbeitslose dies tun und andere gesellschaftliche Gruppen (auch solche, die weit mehr finanzielle Mittel zur Verfügung haben) weniger, ist nach meiner Kenntnis nicht belegt. Somit erfüllt der "Arbeitslose" hier die Funktion des Sündenbocks - ein Phänomen, dass ich immer öfter beobachte. Gerade ein "Wissenschaftler" sollte sich vor Projektionen, die er nicht belegen kann, hüten, da ihm in weit größerem Umfang aufgrund seiner wissenschaftlichen Bildung unterstellt werden darf, eine subjektive Meinung(smache) von wissenschaftlich belegten Tatsachen unterscheiden zu können!
Dazu ein Beispiele aus meinem eigenen Leben:
1. In den 90er Jahren war ich auch schon arbeitslos. Dies war eine Gelegenheit, nach Jahren des Schuftens erst mal eine Auszeit nehmen zu können und ich nach einiger Zeit arbeitslos zu melden. 2006 kann ich zwar bei der Meldepflicht (musste mich im August 2005 binnen einer Woche nach der erhaltenen Kündigung arbeitssuchend melden, um keine Sperre zu erhalten - Arbeitslos bin ich seit 1.03.06) festlegen, ab wann ich Leistungen erhalten will, jedoch ist mir das oben beschriebene Stück Freiheit verloren gegangen. :-x
P.S: Dazu gehört auch die Freiheit, sich nicht primär auf den Staat zu verlassen, sondern auf eigene Faust erst mal loszuziehen und sich auf dem Arbeitsmarkt umzuschauen...
Statt die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, sehe ich nur, dass der Staat die Arbeitslosen bekämpft mit immer mehr Repressalien, Auflagen, Änderungen usw.
Betroffener
05.06.2006, 22:30
Dieses Stück Freiheit ist Dir nicht verlorengegangen.
Trotz der Verpflichtung Dich rechtzeitig arbeitslos zu melden, besteht keine Verpflichtung, auch die Leistung daraus in Anspruch zu nehmen. Wann das erfolgt, kannst Du selbst bestimmen.
Aber ich verstehe schon, was Du meinst.
Im Frühjahr war irgendwie der Job zu Ende, man hat den Sommer irgendwo verbracht wo es schön war und hat sich dann im Herbst beim Arbeitsamt gemeldet und wieder einen Job gesucht und meist auch schnell gefunden. Schöne Geschichten aus der Zeit, als es noch genügend Jobs gab.
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