Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : HARTZ IV: Die unterschätzte Reform
ALN - Robot
05.06.2006, 12:15
Die Forderungen nach einer Generalüberholung des Hartz-IV-Arbeitsmarktgesetzes werden lauter.
Doch die Reform ist besser als ihr Ruf
Der Artikel zur Meldung hier... (http://www.wams.de/data/2006/06/04/902310.html)
Betroffener
05.06.2006, 16:32
Ein insgesamt in sich sehr widersprüchlicher Artikel der Welt am Sonntag, der wie immer auf den falschen Behauptungen des IW und auch den manchmal fragwürdigen der BA nahestehenden IAB, das berühmte Beispiel der vielen Zuschläge einer vierköpfigen Familie heranzieht mit 1600 €
Auch gibt es eine Vielzahl von Zuschlägen, die den Anreiz, eine echte Arbeit aufzunehmen, verringert haben. In Modellrechnungen hat der Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung festgestellt, daß eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren mit Hartz IV monatlich 1596 Euro im Westen und 1539 Euro im Osten erhält. Zuviel, um einen Job anzunehmen.
Das diese Familie nach einem Job in der früher bezhalten Höhe sucht, dürfte verständlich sein, denn es wurde mit Sicherheit früher mindestens das dreifache verdient und die Familie ist gerade auf dem noch durch den befristeten Zuschlag abgefederten Weg. Das wird geflissentlich verschwiegen).
Die Vielzahl von Zuschlägen müsste vielleicht mal jemand erklären!
Da kenne ich nur den Elternbedarf von 622 €, den Kinderbedarf von jeweils 207 € von dem das Kindergeld von jeweils 154 € wieder abgezogen wird + möglicherweise den befristeten Zuschlag, der auf einem vorher hohen Verdienst und damit hohen Lebsstandard beruht, der etwas sanfter abzubauen ist.
Am Schluß die Krönung: Hartz IV zeigt Wirkung - die Arbeitslosenzahlen fallen.
Daß Hartz IV doch funktionieren könnte, wurde in der vergangenen Woche allen wieder in Erinnerung gerufen: Die Bundesagentur für Arbeit meldete in ihren Mai-Zahlen einen Rückgang der Arbeitslosenquote von 12,1 auf 11,8 Prozent - auch wegen der besseren Vermittlung im Rahmen von Hartz IV. Das sagt zumindest Arbeitsagentur-Chef Frank-Jürgen Weise.
Glatte Lüge - das hat der Herr Weise nie gesagt, sondern sich der schnelleren und besseren Vermittlung der ALG1 Empfänger gerühmt.
Die Ägypter
05.06.2006, 16:51
Hi Betroffener,
naja und die KdU (München erstes halbes Jahr)....
und.... natürlich ist die Mutter zufällig schwanger = Mehrbedarf...
und.... er hat Zöllakie = Mehrbedarf....
und... die Kinder haben Diabetes... = Mehrbedarf....
und... Sie macht einen 300 Euro-Job = Freibetrag....
usw.
Das hatte ich hier doch schon mal irgendwo ausgerechnet - waren vier Berechnungen - leider finde ich es nicht mehr...
Betroffener
05.06.2006, 18:15
Nefertari,
ich weiss - an der Berechnung hatten wir uns ziemlich gemeinsam betätigt.
Die Miete hatte ich explizit draussen gelassen - weil alleine die die Differenz schon abdecken könnte. Die Arbeitslosenhilfe mit Kindergeld wäre vermutlich ebenso ausgefallen für diese Familie.
Also sozusagen eine ganz normale freundliche Familie. :-x
Nur kann ich nicht nachvollziehen, was daran schlimm ist.
Stichwort: KdU München
Ja Kristin! Du hast vollkommen recht. Für das erste halbe Jahr können das für einen ehemals gutverdienenden Familienvater auch noch sehr viel mehr sein. Auch ohne Mehrbedarfe können da durch die KdU Summen jenseits von Gut und Böse zusammenkommen. Aber die werden direkt an den Vermieter abgedrückt. Diesem Mietwucher sollte der Ude mal Einhalt gebieten und gegebenenfalls Unwillige enteignen. Würde er mehr sparen. Der Bezieher von ALG II steht also Netto überall gleich da. Und ich glaube Effge war es der dazu treffend die einheitlichen Discounterpreise heranzog.
Seebarsch
05.06.2006, 18:37
Warum errechnet man nicht einmal den durchschnittlichen Satz des Alg 2 aus allen Alg 2 Empfängern, oder den durchschnittlichen Satz einer Standard-BG ?
Ganz einfach weil das nicht das entsprechende Interesse des Publikums bringt !
Hier geht es einfach darum, den Alg 2 Satz zu hoch erscheinen zu lassen,
Alg 2 und damit einhergehend die Löhne in der Wirtschaft zu senken !
Dann wird der von der Wirtschaft ersehnte Kombilohn auf dem kalten Wege eingeführt !
Mit dem ehemaligen "Mainzer Modell" klappte das nicht , jetzt versucht man es anders !
:evil: :evil: :evil:
Betroffener
05.06.2006, 19:16
@Stupido,
Diesem Mietwucher sollte der Ude mal Einhalt gebieten und gegebenenfalls Unwillige enteignen.
Psst. Genau das hat der Herr Ude mit seinen Gesinnungsgenossen doch vor - aber leider genau anders herum wie Du denkst.
Mietkosten- und Heizkostenpauschale heissen sicher bald die neuen Zauberwörter. Enteignet wird auch. Der Alg2-Empfänger nämlich, der die Differenz aus dem Regelsatz bezahlen soll oder sich bitteschön aufs flache Land verziehen möge (wo er dann garantiert ein Auto braucht, das er nicht bezahlen kann - und sowas wie DSL oder Sonderwünsche wie auskömmliche Arbeit gibt es da noch weniger - dafür lange, teure Wege und teures ISDN.
Alternativ könnten wir auch den Gedanken der Kasernierung mal wieder aufwärmen. Dazu hatte ich mich ja schon mal glossierend geäussert.
@Betroffener
Kasernierung? Prima! Kommen endlich mal alle zusammen und können sich per rostiger Wasserleitung (rWl bei Pink T statt DSL zum Flatter-Tarif) austauchen. kurzKlopf, langKlopf, kurzKlopf!
Für den Bau einer Gefängniszelle werden rund 100.000 Euro veranschlagt. Die durchschnittlichen Kosten für den tägl. „Unterhalt“ eines Gefangenen belaufen sich auf etwa 120 Euro (inkl. Betreuung). Bei den Kosten sehe ich nur die Alternative: In die Wüste schicken!
:sad:
Betroffener
06.06.2006, 00:11
Ja,
Betreuung ist teuer. Die könnte man bei kasernierten ALG2 Empfängern aber einsparen (das waren doch so 150 bis 300 € pro Bedarfsgesellschaft - ohne Vermittlungsversuche = 3,5 Milliarden jährlich).
Das macht die Lagerselbstverwaltung. Das sind doch bestimmt ein paar geeignete ältere BWLer und ausgesonderte Manager dabei.
Das ist ja das gute. Der Querspiegel der ausgesonderten Bevölkerung wird in sich autark sein mit Ärzten, Rechtsanwälte (braucht wohl keiner im Lager), Krankenschwestern, Pfleger, Lehrer, Bäcker, Fleischer, Landwirte, Journalisten - also aus wirklich allen Berufsgruppen etwas (Ex-Politiker bleiben ausgeschlossen). Die gründen dann Kooperativen und Firmen in dieser zweiten Nebenwelt und die Regierung muss nur noch Nahrungsmittel und Basismaterial und Werkzeuge abliefern bis sich das ganze irgendwann selber trägt.
Betroffener
06.06.2006, 00:45
Gerade gefunden - jetzt wissen wir, warum es mit der Vermittlung nicht klappt.
Die Rheinische Post (http://www.presseportal.de/story_rss.htx?nr=831766) vom 05.06.06 berichtet:
Düsseldorf (ots) - Rund 15 Prozent aller Beratungsgespräche für
Arbeitslose muss die Bundesagentur für Arbeit aufgrund der Erkrankung
von Mitarbeitern verschieben. Das berichtet die in Düsseldorf
erscheinende Rheinische Post, Dienstagausgabe). Der
CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel kritisiert in dieser
Zusammenhang den hohen Krankenstand der Bundesagentur von
durchschnittlich 14,7 Prozent. "Wenn von 90 000 Mitarbeitern
permanent 17 000 aus Krankheitsgründen nicht zur Arbeit erscheinen,
dann hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Kernaufgaben der BA",
sagte Fuchtel der Zeitung. Die BA müsse jetzt die Gründe für die hohe
Zahl der Krankheitsfälle erforschen. Der Krankenstand in der
bundesdeutschen Wirtschaft hatte im vergangenen Jahr mit 3,3 Prozent
einen historischen Tiefstand erreicht.
Tja - Amt und freie Wirtschaft ist schoin was anderes. Die Frage wäre auch, welche Angestellten sich da in den ArGen krank melden: die von der BA oder de von der Kommune oder beide Gruppen paritätisch
Dann forscht man schön nach den Gründen.
Hier meine Liste:
1. Extrem hoher Stresspegel (nicht nur für öffentlichen Dienst)
2. Eigene Existenzängste (insbesondere komunale Mitarbeiter)
3. Hohe Dauer-Arbeitsbelastung
4. Schlechte Motivation (täglich Menschen wissentlich Leistungen vorenthalten zu müssen und sie damit ins Elend zu schicken)
5. Auswirkung der neuen Arbeitsverträge?
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