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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ALG I - Sperre nach eigener Kündigung?


astra
05.01.2008, 10:44
Hallo Miteinander,

nach etlichen schlaflosen Nächten und Gesprächen in der Familie habe ich mich im Prinzip entschlossen, meinen derzeitigen Arbeitsplatz nach nur 4 Monaten noch während der Probezeit zu kündigen.

Interessant wäre es für mich zu wissen, ob mir - trotz eigener Kündigung - in meinem Fall doch ALG I zustehen würde. Dazu muß ich noch einiges aus der Vorgeschichte erzählen:

Ich war bereits im letzten Jahr für 4 Monate arbeitslos nach unberechtigter Kündigung durch den AG - den Prozeß vor dem Arbeitsgericht habe ich gewonnen. Zum 01.10. bekam ich dann ziemlich hoppla-hopp noch während des Vorstellungsgespräches die Zusage eines Arbeitgebers für eine neue Stelle.

Während der drei Monate, die ich jetzt dort tätig bin, haben sich einige Sachen herauskristallisiert, die mir in keinster Weise gefallen bzw. auch meines Wissens nach gegen das Arbeitsschutzgesetz verstoßen. All das wußte ich aber vorher nicht und bin brav zur Arbeit gegangen, welche mir auch Spaß macht. Ich bin im Einzelhandel als Bäckereiverkäuferin in Teilzeit tätig. Das ist aber nicht mein erlernter Beruf - ich bin eigentl. Sekretärin bzw. Bürokauffrau.

Nun die "Mängel" die mir bisher so aufgefallen sind - leider kommt jede Woche etwas Neues hinzu:

Zum einen ist unser Geschäft in einer Art Container. Wir haben keine eigene Toilette, sondern müssen, wenn wir mal müssen sollten, nebenan in den Supermarkt düsen. Dafür müssen wir natürlich unseren Laden erstmal absperren usw.

Die Arbeitszeiten sind 6,5 bzw. 7 Stunden am Stück - je nachdem, welche Schicht wir haben. D. h. es kann keine Pause gemacht werden, weil wir alleine im Geschäft stehen. Es gibt auch keine Möglichkeit, sich mal kurz hinzusetzen, da das Geschäft incl. der angeschlossenen "Küche" so klein ist, das gar kein Platz für einen Stuhl wäre.

Der Lohn entspricht ebenfalls nicht dem Tarif für den Einzelhandel, wobei ich noch nicht mal weiß, ob mein derzeitiger AG überhaupt an einen Tarifvertrag angeschlossen ist, bzw. ob es überhaupt einen Betriebsrat gibt. Bisher habe ich in unserem Geschäft noch keinen Aushang gefunden, weder über den Tarif, noch über BR, erst recht nicht über die Arbeitsschutzgesetze. Urlaub gibt es 28 Tage/Jahr auf 6 Tage-Woche gerechnet.

Dazu kommen noch einige andere "Kleinigkeiten", die unser Arbeitsleben nicht gerade versüßen, wie z. B. daß unsere Anregungen nicht angekommen werden uns sich von Seiten des AG sogar darüber lustig gemacht wird, daß wir uns so sehr eine Toilette wünschen, auf die wir gehen können, wenn wir müssen und nicht wenn wir gerade Zeit dafür hätten, mal den Laden für 5 - 10 Minuten zuzusperren.

Außerdem sind einige Arbeitsanweisungen derart unappetitlich, daß ich mir schon überlege, überhaupt noch etwas in dem Geschäft zu kaufen. Z. B. sollen wir auch Vortagsware verkaufen - ok, vieles dann 40 % billiger, aber einiges auch zum gleichen Preis. Das wäre dann nicht alt, sondern nur "durchgezogen" etc. Da gibt es aber noch "bessere" Ideen der Geschäftsleitung.

Das wäre nur das Grobe, was uns in dem Geschäft alle betrifft. Das ich als "Newbie" am Anfang von einer Kollegin bei der Einarbeitung ziemlich ver.... wurde, möchte ich hier gar nicht mehr aufzählen.

Würde ich, wenn ich diese Gründe nenne, trotz eigener Kündigung ALG bekommen oder nicht? Ich wäre auch bereit, die angebotene Weiterbildungsmaßname, die ich eigentlich hätte antreten sollen, sofort aufzunehmen, um "am Ball" zu bleiben. Da mir meine Arbeitsvermittlerin damals sagte, daß ich trotzdem verpflichtet bin, eine Arbeitsstelle anzunehmen, wenn ich eine bekäme, mußte ich ja die Arbeitsstelle anstatt der Weiterbildungsmaßnahme antreten.

Ich danke Euch jetzt schonmal für Eure Hilfe. Ihr würdet mir wirklich eine große Last nehmen. Bin langsam psychisch und pysisch wirklich am Ende. Zumal ich auch noch 2 Kinder von 4 Kindern zu Hause wohnen habe, wovon der Jüngste erst neun ist und er eigentlich auch am Nachmittag noch Unterstützung oder wenigstens "Mamas Händchen" bräuchte, da sich der Große (16 Jahre) in der Hinsicht der Kinderbetreuung nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Unsere Arbeitszeit ist am Nachmittag bis 20.30 Uhr.

Danke
Astra

Thekla
05.01.2008, 11:12
Hallo

Meines Wissens hast erst Recht auf einer Pause nach 6 Std arbeit - vorher hast du kein Recht darauf.

Wegen die Toilette weiß ich nicht - ist auf jeden Fall nicht angenehme! Ich habe gehört das eine Drogerie Markt (Deutschland weit bekannt) hat auch in manche Filiae keine Toiletten - ob es stimmt weiß ich auch nicht. Mag ja hart klingen - ist aber nicht dein Problem wenn du den 'Laden' schließen muss, weil du auf's Klo gehst, es ist das Problem deinen AG!

Ich glaube du bekommst eine Sperre vom AlgI wenn du kündigst. Ich werde dir raten, es erstmals abzuklären und schriftlich bekommen von der AfA zuvor du den Tuch hinwirfst!

Was du machen könntest: krankschreiben lassen bis dein AG dich kündigt! Sicherlich wird er es irgendwann tun ;)

Gruß
Thekla

astra
05.01.2008, 11:35
Hallo Thekla,

mit den 6 Stunden, daß weiß ich. Aber wir arbeiten ja 7 Stunden ohne Pause im Stehen. Lt. ArbZG § 4 stehen ja nach 6 Stunden Arbeitszeit 30 Min. Pause zu. Aber das geht ja gar nicht. Eigentl. wäre das doch ein Verstoß gegen verbindliche Arbeitsplatzregelungen.

Krank schreiben.. hm.... ob mein Hausdoc das mitmacht. Der ist ja schließlich auch "Arbeitgeber". Übrigens... diese Drogeriemarktkette hat Toiletten. Ich habe selber eine gute Bekannte die dort arbeitet. Mit der habe ich schonmal über das Thema geredet. Bei denen arbeiten möchte ich aber auch nicht....

Bin wirklich hin- und hergerissen. Aber bleiben kann ich da nicht. Meine Vorgängerin ist auch aus den gleichen Gründen gegangen. Hatte aber schon einen neuen Arbeitsplatz. Aber so leicht findet man hier keine neue Stelle. Bin wirklich nicht wählerisch. Sonst hätte ich diese Stelle ja auch nicht angenommen. Diese Arbeitsbedingungen hat man mir auch nicht während des Vorstellungsgespräches genannt, sondern die habe ich erst nach und nach erfahren. Als ich schon da gearbeitet habe.

LG
Astra

StephanK
05.01.2008, 13:20
mit den 6 Stunden, daß weiß ich. Aber wir arbeiten ja 7 Stunden ohne Pause im Stehen. Lt. ArbZG § 4 stehen ja nach 6 Stunden Arbeitszeit 30 Min. Pause zu. Aber das geht ja gar nicht. Eigentl. wäre das doch ein Verstoß gegen verbindliche Arbeitsplatzregelungen.Das WÄRE nicht, sondern das ist eindeutig so. Wahrscheinlich liegt - wegen der Toiletten-Problematik - auch ein Verstoß gegen die Arbeitsstättenverordnung (http://bundesrecht.juris.de/arbst_ttv_2004/) vor.

Wenn Du dort weg willst, aber keine Sperrzeit in Kauf nehmen möchtest, mach den Arbeitgeber schriftlich und nachweisbar darauf aufmerksam und verlange Abhilfe. Wenn nach einem Monat nichts passiert ist (und Du nicht gekündigt wurdest) kündige selbst. Eine Sperrzeit dürfte Dir erspart bleiben, wenn Du die Mängel und Dein vergebliches Bemühen um Abhilfe nachweisen kannst.

Codeman
05.01.2008, 16:12
Stephan hat ja dazu schon etwas gesagt,ich versuche das alles nochmal etwas zu zerpflücken

Die Arbeitszeiten sind 6,5 bzw. 7 Stunden am Stück - je nachdem, welche Schicht wir haben. D. h. es kann keine Pause gemacht werden, weil wir alleine im Geschäft stehen. Es gibt auch keine Möglichkeit, sich mal kurz hinzusetzen, da das Geschäft incl. der angeschlossenen "Küche" so klein ist, das gar kein Platz für einen Stuhl wäre.

Wie Thekla schon schrieb,steht dir nach 6 std. eine halbe stunde pause gesetzlich zu.Das heisst dann einfach,wohl oder übel,den laden schliessen.Die Richtlinie dazu findest du im Arbeitszeitgesetz,hier (http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/arbzg/gesamt.pdf) (§4).

Der Lohn entspricht ebenfalls nicht dem Tarif für den Einzelhandel, wobei ich noch nicht mal weiß, ob mein derzeitiger AG überhaupt an einen Tarifvertrag angeschlossen ist, bzw. ob es überhaupt einen Betriebsrat gibt. Bisher habe ich in unserem Geschäft noch keinen Aushang gefunden, weder über den Tarif, noch über BR, erst recht nicht über die Arbeitsschutzgesetze. Urlaub gibt es 28 Tage/Jahr auf 6 Tage-Woche gerechnet.

Der Lohn entspricht auch nicht dem Einzelhandel,sondern dem Lohn der Beschäftigten in Nahrungsmittelbetrieben.Ein AG hat nicht die Pflicht einen Tarifvertrag anzuwenden.Betriebsräte müssen immer von Beschäftigtenseite gewählt werden - wenn es keinen gibt,gründe einen.Frei nach Motto ->

Betriebsrat - hast du keinen,wähl dir einen !

Deine zuständige Branchengewerkschaft hilt dir dabei.Das ist in diesem Fall die NGG (http://www.ngg.net).Wobei ich aus eigener erfahrung weiss,bin selber Bäcker und Konditor,dass es in den wenigsten Betrieben eine Interessensvertretung gibt.Das ist allerdings nicht deinen AG anzulasten,sondern dem Desinteresse deiner Arbeitskollegen.Das mit dem Urlaub ist allerdings ok -> dir stehen 24 Urlaubstage bei einer 6-tage woche laut Bundesurlaubsgesetz zu.

Dazu kommen noch einige andere "Kleinigkeiten", die unser Arbeitsleben nicht gerade versüßen, wie z. B. daß unsere Anregungen nicht angekommen werden uns sich von Seiten des AG sogar darüber lustig gemacht wird, daß wir uns so sehr eine Toilette wünschen, auf die wir gehen können, wenn wir müssen und nicht wenn wir gerade Zeit dafür hätten, mal den Laden für 5 - 10 Minuten zuzusperren.

Das eure Anregungen nicht angenommen werden oder Gehör finden,habt ihr auch teilweise selber verschuldet.Ebend weil ihr keinen Betriebsrat habt,der ist dafür da,vor ort den AG auf den Finger zu hauen.Trotzdem verstehe ich dich,es sind keine zumutbaren Umstände.Müsst ihr denn für den Toilettengang im Supermarkt etwas bezahlen ? Laden zusperren = Unternehmerrisiko , würde ich mir keine gedanken machen,oder wird euch das vom lohn abgezogen ?

Außerdem sind einige Arbeitsanweisungen derart unappetitlich, daß ich mir schon überlege, überhaupt noch etwas in dem Geschäft zu kaufen. Z. B. sollen wir auch Vortagsware verkaufen - ok, vieles dann 40 % billiger, aber einiges auch zum gleichen Preis. Das wäre dann nicht alt, sondern nur "durchgezogen" etc. Da gibt es aber noch "bessere" Ideen der Geschäftsleitung.

Ja das kenne ich auch - finde ich persönlich auch widerlich.Auf der anderen seite musst du aber auch den AG sehen.der kann es sich halt nicht leisten nen halbes Blech Kirschkuchen wegzuwerfen.Daher auch dieses verbilligte.Aber es 1:1 zu verkaufen,wie beim vortag,finde ich auch unter aller sau , kenne das aber auch selber aus eigener Erfahrung.


Ich danke Euch jetzt schonmal für Eure Hilfe. Ihr würdet mir wirklich eine große Last nehmen. Bin langsam psychisch und pysisch wirklich am Ende.

Lasse dich krankschreiben.Psychische Erschöpfung.Gehe zu deinen Hausarzt und erzähle ihn das mal alles.Dazu vielleicht noch der miserable lohn von 5-7 euro brutto und die zukunftsängste die man hat,gepaart mit den kindern und du weisst nicht wie es weitergeht.

Ich denke hier sind durchaus 6 wochen drin - aber bis dahin bist du dann sicherlich gekündigt und hast den ganzen ärger wegen dem amt nicht.

MfG
Codeman

Thekla
06.01.2008, 09:51
Zitat:
Ich danke Euch jetzt schonmal für Eure Hilfe. Ihr würdet mir wirklich eine große Last nehmen. Bin langsam psychisch und pysisch wirklich am Ende.
Lasse dich krankschreiben.Psychische Erschöpfung.Gehe zu deinen Hausarzt und erzähle ihn das mal alles.Dazu vielleicht noch der miserable lohn von 5-7 euro brutto und die zukunftsängste die man hat,gepaart mit den kindern und du weisst nicht wie es weitergeht.

Ich denke hier sind durchaus 6 wochen drin - aber bis dahin bist du dann sicherlich gekündigt und hast den ganzen ärger wegen dem amt nicht.Hier Stimme ich Codeman zu!
Wenn dein Hausarzt dich nicht als Arbeitsunfähig schreibt - geh dann zum Psychiater, die schreiben die leute gerne krank.

Aber pass auf bei der Krankschreibungen wenn du noch Urlaub hast: Nur Krankschreiben lassen bis ende der Kündigung NICHT hinüberaus - sonst ist dein AG nicht verpflichtet deine Urlaubstage auszuzahlen! Am besten jeder Woche eine neue Krankschreibung holen bis du die Kündigung erhälst. So bald du sie hast - nur krankschreiben lassen bis ende die Kündigungszeit. Dein AG ist dann verpflichtet dir die Urlaubstage auszuzahlen.

Gruss
Thekla

astra
06.01.2008, 10:04
Hallo Ihr Beiden,

vielen Dank für Eure Hilfe. Das waren mal klare Ansagen.

Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: "Weglaufen" und kündigen oder es darauf ankommen lassen, daß in diese Firma auch mal Gerechtigkeiten (Betriebsrat, Tarifvertrag) und vernünftige Arbeitsbedingungen einziehen werden.

Für die Toilettenbenutzung müssen wir in dem Supermarkt nichts bezahlen. Es ist aber keine sog. Kundentoilette, sondern wir müssen zur Kasse gehen, dort Bescheid sagen. Die Kassiererin klingelt dann im Büro und wir werden eingelassen. Damit wir dann auch keinen Unfug dort treiben und herumspionieren könnten, steht uns dann jemand zur Seite, damit wir auch wirklich nur die Toilette benutzen.

Mit dem Einzelhandel kam ich drauf, da die Firma, in der ich vorher gearbeitet habe (ebenfalls eine Bäckerei) der Gewerkschaft verdi zugeordnet war - also die organisierten Mitarbeiter. Da war auch alles ordnungsgemäß. Aber die wollten mich ja nicht mehr. :( Das die den Einzelhandelstarifvertrag hatten, lag wahrscheinlich auch daran, daß diese Bäckereikette zu einem großen Lebensmittelkonzern hier in Bayern gehörte.

Was wir Damen aus dem Laden uns auch fragen ist, wie es möglich ist, daß unser Container damals so vom Amt abgenommen wurde. Wir haben kein richtiges Gebäude so aus Stein usw., sondern sind in so einer Art "BigBrother-Container" untergebracht, d. h. ringsherum - zum Parkplatz des Supermarktes hin - Scheiben. Wir haben schon sehr, sehr oft mit unseren Filialbetreuer und auch mit dem Firmenleiter über das Thema gesprochen, aber die machen sich nur lustig darüber. Ich selber bin ja erst seit 01.10. dort, aber ich kann mich erinnern, daß alleine in dieser Zeit, daß Thema mindestens 7 Mal aufgegriffen wurde. Nur traut sich halt keiner, denen die Pistole auf die Brust zu setzen und zu sagen, wir gehen, wenn Ihr das nicht ändert. Es ist ja heute jeder froh, einen Arbeitsplatz zu haben und man nimmt dafür auch vieles in Kauf.

Ich gehöre auch nicht zu denjenigen, die bei der kleinsten Kleinigkeit wieder kündigen. Hatte bisher eigentlich immer längerfristige Arbeitsverhältnisse. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Ich muß noch ca. 20 Jahre arbeiten (lt. Gesetzgeber) und die will ich mir nicht so gestalten, daß ich dann nach dem letzten Arbeitstag gleich mein "letztes Bett" kaufen kann oder evtl. schwer krank bin. Ich denke, Ihr wißt, was ich meine. Ich laufe auch nicht vor schwerer Arbeit weg, aber die Bedingungen müssen stimmen. Daß das nicht immer 100 % sein kann, weiß ich auch. Habe in meinem Berufsleben auch schon so manche dicke Kröte geschluckt, aber das ging, weil die anderen Bedingungen ok waren. Den Arbeitgeber, wo alles paßt, gibt es nicht.

@Codeman, da Du ja auch aus der Branche bist: Wenn wir weniger bestellen dürften, müßten wir auch nicht so viel für den nächsten Tag aufheben und dann 40 % billiger verkaufen oder, z. B. Kornbrote oder bestimmte Kuchen, zum regulären Preis. Das ist bei uns auch ein Thema: Wir kriegen sozusagen vorgekaut, was wir für Mengen bestellen müssen. Die sind teilweise sehr hoch angesetzt. Auch da haben wir uns schon versucht zu wehren. Wenn die Retouren dann zu hoch sind, kriegen wir eins auf die Mütze, obwohl wir ja eigentlich nichts dafür können. Wir verkaufen nunmal keine 160 Brote am Tag - müssen die aber bestellen. Es würden 110 Brote reichen, auch da würde oft noch etwas übrig bleiben. Sogar genug. Manchmal kommen wir uns vor, wie kleine Kinder, die auf Mama und Papa zu hören haben, dabei sind wir doch an der Basis und haben Erfahrungen, was bei Kunden ankommt und was nicht.

Ich denke mal, ein Betriebsrat würde diesem Unternehmen nicht schlecht stehen. Ist nur die Sache, die anderen 190 Mitarbeiter davon zu überzeugen, daß es auch ihnen guttun würde. Ich glaube nicht, daß ich die Fähigkeit dazu habe. Da ich in Bayern lebe - aber nicht hier geboren bin - sehen die mich sowieso als "komischen Vogel" an, der sich irgendwie verflogen hat. Hier ist die Welt halt noch ein bißchen anders, als in Köln, Düsseldorf oder Hamburg.

Werde mich jedenfalls mal im Internet (NGG und BetrVG) weiter informieren und auch beim AfA mal nachhorchen.

Nochmals ein herzliches Dankeschön
Astra

Codeman
06.01.2008, 10:38
Hallo astra,

Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: "Weglaufen" und kündigen oder es darauf ankommen lassen, daß in diese Firma auch mal Gerechtigkeiten (Betriebsrat, Tarifvertrag) und vernünftige Arbeitsbedingungen einziehen werden.

Es gibt auch noch die Möglichkeit sich krank schreiben zu lassen und gekündigt zu werden.Das ist der stressfreiste Weg und erspart dir auch jede Menge Ärger.

Nur traut sich halt keiner, denen die Pistole auf die Brust zu setzen und zu sagen, wir gehen, wenn Ihr das nicht ändert. Es ist ja heute jeder froh, einen Arbeitsplatz zu haben und man nimmt dafür auch vieles in Kauf.

Ja,nur das ist falsch.Im Grunde trägt jeder individuell so dazu bei,dass die Abwärtsspirale der Arbeitsbedingungen und Vergütung weiter anhält.Ebend weil es immer mehr Leute mitmachen."Hauptsache Arbeit" - völlig falsche Einstellung.Ich lebe ja nicht um zu Arbeiten,sondern ich Arbeite um zu Leben.Arbeit ist für mich nur die vorübergehende Abwesenheit von zu Hause.Aber wahrscheinlich bin ich,was das betrifft schon in meinen zugegebenermasen jungen Jahren schon zu sehr abgestumpft.

Ich gehöre auch nicht zu denjenigen, die bei der kleinsten Kleinigkeit wieder kündigen. Hatte bisher eigentlich immer längerfristige Arbeitsverhältnisse. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Ich muß noch ca. 20 Jahre arbeiten (lt. Gesetzgeber) und die will ich mir nicht so gestalten, daß ich dann nach dem letzten Arbeitstag gleich mein "letztes Bett" kaufen kann oder evtl. schwer krank bin. Ich denke, Ihr wißt, was ich meine. Ich laufe auch nicht vor schwerer Arbeit weg, aber die Bedingungen müssen stimmen. Daß das nicht immer 100 % sein kann, weiß ich auch. Habe in meinem Berufsleben auch schon so manche dicke Kröte geschluckt, aber das ging, weil die anderen Bedingungen ok waren. Den Arbeitgeber, wo alles paßt, gibt es nicht.

Nen ehem. Kollege sagte mal zu mir,man hat nur eins im Leben zu verkaufen und das ist seine Arbeitskraft,die sollte man allerdings so teuer wie möglich verkaufen.Ich will gar nicht wissen was in 45Jahren ist,wenn ich auf die 70 zugehe.Rente gibs da nicht mehr.Und wenn ich Arbeitslos bin,ist das für mich auch kein Problem.Dann bin ich es halt,na und ?


Du kennst nicht die Blumen die duften
Du kennst nur arbeiten und schuften
so gehen sie hin die schönen Jahre
und endlich liegst du auf der Bahre
und hinter dir da lacht der Tod
kaputtgeschuftet - Du alter Idiot

Ich weiss selber Arbeitslosigkeit ist nicht schön.Aber man sollte sein Leben nicht nur nach Arbeit ausrichten.Klar,jeder hat Wünsche und Vorstellungen und auch nen Standard,den er haben möchte und halten will.

Ich wohne z.b. in ner kleinen 30qm Wohnung.Ich kann auch gar nicht hier ausziehen.Wenn ich in eine 2 zimmer wohnung ziehe und irgendwann wieder H4 bekomme,dann steh ich da.Also mache ich mein bestes draus.

Arbeit steht für mich nicht an erster Stelle.Ich lebe nur einmal,warum soll ich also mein Leben über Arbeit defenieren ?

Mfg
Codeman

astra
06.01.2008, 11:44
Hallo Codeman,

die Einstellung, arbeiten, um zu (über)leben habe ich auch. Leider bin ich vom Gesetzgeber her auch ein wenig verpflichtet, da ich drei Kinder aus erster Ehe habe und zwei davon nicht mehr zu Hause wohnen. Eine erhält sogar so wenig Ausbildungsvergütung, daß ich verpflichtet bin, sie finanziell zu unterstützen. Das ist die Krux. Mein erster Mann zahlt schon - aber nur das, was nötig ist.

Die Einstellung: "Dann bin ich eben arbeitslos" bekam ich im letzten Jahr auch nach folgendem Erlebnis mit der AA: Da ich weiß, wie schwer es für mich ist, mit 45 Jahren nochmal in meinem erlernten Beruf zu landen (trotz guter PC-Kenntnisse, gutem Englisch, Grundkenntnissen in Italienisch und Türkisch - nicht nur beschränkt auf Hallo und Auf Wiedersehen - bekam ich nur Absagen. Irgendwie kam ich dann bei einem Gespräch mit zwei Freundinnen auf die Idee, meinen eigentlichen Berufswunsch jetzt zu erfüllen. Ich bewarb mich bei zwei Altenpflegeschulen hier in der Ecke und bekam auch bei beiden prompt die Zusage. Außerdem hatte ich einen Praktikumsplatz und sogar eine Teilzeitstelle ab September 2008. Freudig und in Erwartung eines Lobes vom AA für mein Engagement, teilte ich dies meiner SB mit. Ergebnis war, daß die Umschulung nicht bezahlt würde, da ich noch kein Hartz IV bekäme. :confused: Ich weiß, die haben ihre Regelungen. Aber da rennt man rum, macht selber und dann das. Die Frau meinte dann zu mir: "Wenn ich Ihnen diesen Vorschlag gemacht hätte, würden sie das ALG weiter bekommen. Da Sie sich aber selber bemüht haben, gibt es dann nichts mehr." :confused: Da hatte ich dann wirklich die Einstellung LmaA.

Ich muß dazu sagen, daß ich in einer stark landwirtschaftlich geprägten Gegend wohne. Die Arbeitsplätze also hier wirklich nicht an jeder Straßenecke herumliegen (wie woanders wohl auch nicht). Aber hier ist es gerade in Büroberufen wahnsinnig schwer. Am liebsten wäre allen AG eine 25jährige, mit 30 Jahren Berufserfahrung, Ausbildung als Bürokauffrau, Steuerfachgehilfin, PC-Techniker, Restaurantfachfrau etc. Also, das, was absolut nicht geht.

Ob die mich, wenn ich lange genug krank geschrieben bin, wirklich kündigen, wage ich zu bezweifeln. Zur Zeit ist eine Kollegin krank - schon seit Anfang November - da rührt sich nichts. Ich denke mal, die nehmen das lieber in Kauf, als jemand Neuen zu suchen und einarbeiten zu müssen. Zur Not würde ich evtl. dem AA ein Attest vorlegen, daß aufgrund bereits bestandener gesundheitlicher Zustände eine Weiterbeschäftigung zu diesen Bedingungen nicht möglich ist. Ich habe durch einen Skiunfall einen Wirbelsäulenschaden. Es lebt sich damit, aber es gibt an und ab doch Probleme. Da würde mir noch einiges einfallen. Ich glaube nämlich nicht, daß mein Doc mich so krank schreibt, dafür kenne ich den gut genug. Der hat schon Probleme nach meiner Kündigung gemacht - und da war ich psychisch wirklich absolut am Ende. Bin damals im Laden zusammen gebrochen, weil es wirklich unerwartet kam und mit einer Begründung, die selbst den Arbeitsrichter fast vom Stuhl gehauen hat - war ein Verstoß gegen das Antidiskriminierungsetz. Habe eine leichte Behinderung durch einen Geburtsfehler (Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - aber gut operiert).

Ich werde mir noch etwas überlegen... mir fällt bestimmt etwas ein.

LG
Astra