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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Job loswerden wegen "Selbstverleugnung"


Sardaukar
18.02.2008, 13:15
Erstmal guten Tag zusammen.
Ich bin über google auf euch gestoßen und dachte mir, ich könnte mein Problem hier einmal schildern, in der Hoffnung, dass mir hier Rat zuteil wird.

Ich bin seit ca. 4 Monaten, nach zweijähriger Arbeitslosigkeit, wieder in Brot und Lohn. Ich habe diesen Job mit einem gewissen Idealismus angenommen (Level 1-4 Kundensupport für eine Online Rollenspiel), weil ich hinter dem Supportgedanken mit aller Hingabe stehe. Um das zu erläutern: ich habe keine abgeschlossene Ausbildung (musste damals wegen einer schweren Allergie abbrechen), aber aufgrund meines Hobbies recht viel Ahnung von Computer Hard- und Software. Ich bin recht gut darin, PC-Probleme zu erkennen und zu lösen. Ausserdem spiele ich mit großer Hingabe Onlinerollenspiele. Deswegen habe ich mich auf einen Posten als "Game Master" beworben und diese Stelle auch erhalten.
Nun musste ich allerdings feststellen, dass dieser Job keinesfalls den Kunden (Spielern) hilft, sondern es vielmehr meine Hauptaufgabe ist, den Spielern Vertröstungen zukommen zu lassen in Form von beispielsweise: "Das Problem ist uns bekannt und wir arbeiten an einer Lösung."
Der Haken ist: wir wären durchaus in der Lage die meisten Probleme mit wenigen Mausklicks zu beheben, nur DÜRFEN wir es nicht. Will heissen: wir DÜRFEN den Spielern nicht helfen, obwohl wir es ohne Probleme könnten.

Dies trifft nun nicht mal ansatzweise den Supportgedanken und geht zu 100% gegen meine Prinzipien. Quasi verrate ich mich selber.
Als Spieler habe ich natürlich gewisse Vorstellungen vom Support im Spiel, aber jetzt wo ich weiss wie das aussieht, könnte ich mich in den A**** beissen, mich auf diesen Posten beworben zu haben.

Nun ist mein nächstes Problem, dass ich unweigerlich wieder ins Hartz4 rutschen würde wenn ich den Job aufgebe, was aber nicht das eigentliche Problem darstellt.
Vielmehr stellt sich mir die Frage, wie ich den Job wieder loswerde ohne eine Sperre befürchten zu müssen? Ich habe die vage Vermutung, dass die Arge nicht mit meiner Meinug konform geht.

Ich bin nun nicht der Mensch der hingeht und absichtlich mieserable Arbeit leistet um eine Kündigung zu erhalten. Leider ist mein Arbeitgeber von meiner Arbeitsleistung sehr überzeugt, so dass es für ihn kaum in Frage kommt, mir freiwillig eine Kündigung zu überreichen.

Ich hoffe, es hat hier jemand einen Rat für mich :)

liebe Grüße, Martin

Hartzbeat
18.02.2008, 13:47
Hallo Sardaukar und willkommen in diesem Forum,

[...] vielmehr meine Hauptaufgabe ist, den Spielern Vertröstungen zukommen zu lassen in Form von beispielsweise: "Das Problem ist uns bekannt und wir arbeiten an einer Lösung."
Der Haken ist: wir wären durchaus in der Lage die meisten Probleme mit wenigen Mausklicks zu beheben, nur DÜRFEN wir es nicht. Will heissen: wir DÜRFEN den Spielern nicht helfen, obwohl wir es ohne Probleme könnten.
Dies trifft nun nicht mal ansatzweise den Supportgedanken und geht zu 100% gegen meine Prinzipien[...]

Deiner Schilderung nach würde ich Dir vorab erst einmal raten, die oben angeführte Kernaussage mit Deinem Arbeitgeber bzw. im Team sachlich zu besprechen. Auch der Grund, warum den Spielern nicht geholfen werden darf, sollte in einem Gespräch zu klären sein.

Allein schon die offene Ansprache könnte unter Umständen herausbringen, dass es Deiner Meinung nach erhebliche Probleme mit Deiner Arbeitsauffassung hinsichtich eines Supports gibt und wie diese zu lösen sind. Jedenfalls weiß Dein Arbeitgeber über Deine Bedenken Bescheid und kann weitere Vorschläge
a) hinsichtlich veränderter Modalitäten zum Supportgedanken oder
b) hinsichtlich evt. Auflösung des Arbeitsverhältnisses.

Gruß von Hartzbeat

Sardaukar
18.02.2008, 14:37
Hallo Sardaukar und willkommen in diesem Forum,



Deiner Schilderung nach würde ich Dir vorab erst einmal raten, die oben angeführte Kernaussage mit Deinem Arbeitgeber bzw. im Team sachlich zu besprechen. Auch der Grund, warum den Spielern nicht geholfen werden darf, sollte in einem Gespräch zu klären sein.

Allein schon die offene Ansprache könnte unter Umständen herausbringen, dass es Deiner Meinung nach erhebliche Probleme mit Deiner Arbeitsauffassung hinsichtich eines Supports gibt und wie diese zu lösen sind. Jedenfalls weiß Dein Arbeitgeber über Deine Bedenken Bescheid und kann weitere Vorschläge
a) hinsichtlich veränderter Modalitäten zum Supportgedanken oder
b) hinsichtlich evt. Auflösung des Arbeitsverhältnisses.

Gruß von Hartzbeat


Hallo Hartzbeat, vielen Dank für deine zügige Antwort.
Ein Gespräch mit meinem AG habe ich bereits geführt. Er beruft sich darauf, dass er seine Anweisungen selbst "von oben" bekommt und wir mit der Situation leben müssten.

Hartzbeat
18.02.2008, 15:02
@ Sardaukar,
hast Du auch genügend zum Ausdruck gebracht, dass dies für Dich eine nicht zu übersehende Erschwernis hinsichtlich Deines Verständnisses für eine Support-Arbeit bedeutet? Ein optimales Arbeiten könnte dadurch sehr beeinflusst werden und da ich aus Deinen Schilderungen ein gutes Verhältnis zu Deinem Arbeitgeber schließe, halte ich es für möglich, das Gespräch wieder aufzunehmen und das eindrücklicher zu schildern. Möglicherweise entlässt er Dich sogar für diese Haltung freiwillig aus dem Arbeitsverhältnis...

meint Hartzbeat

Sardaukar
18.02.2008, 15:58
@ Hartzbeat:

Gute Idee im Grunde genommen. Allerdings habe ich die von dir beschriebenen Schritte längst hinter mir. Ich bin ein Mensch, der in Konfliktsituationen dazu neigt ruhig zu bleiben und sachlich zu argumentieren. Das habe ich auch gegenüber meines Chefs getan. Leider konnte ich aus ihm nicht mehr als ein Blabla über die "Anweisungen von Oben" herausbringen.

Ich würde sicherlich nicht in einem Forum um Rat fragen, wenn ich nicht bereits alle Möglichkeiten, die logischer und vernünftiger Menschenverstand mit sich bringt ausgeschöpft hätte. :seufz:

Um es noch einmal klar zu stellen:
Ich pfeife derzeit moralisch auf dem letzten Loch.
Alles was mir auf zwischenmenschlicher Ebene Möglichem eingefallen ist habe ich gemacht. Eine erneute Gesprächsaufnahme mit meinem Chef würde lediglich dazu führen, dass er seine offenbar einstudierte Schallplatte erneut ablaufen lässt.;-)

Liebe Grüße, Martin

Hartzbeat
18.02.2008, 16:32
Okay, Sardaukar, offensichtlich ist mit Chefgesprächen hier nicht mehr viel auszurichten. ;-)bwohl mir dazu einfällt, dass man nicht nur Dir mit Langspielplatten auf die Nerven gehen kann - umgekehrt ist es auch möglich!

Hierin hast Du...
[...]Vielmehr stellt sich mir die Frage, wie ich den Job wieder loswerde ohne eine Sperre befürchten zu müssen? Ich habe die vage Vermutung, dass die Arge nicht mit meiner Meinug konform geht.
völlig Recht. Eine Selbstkündigung ist nur aus wichtigem Grund ohne Sperrzeit möglich. Deine prinzipiellen Bedenken zur Art Deiner derzeitigen Arbeit gelten da eher nicht.

Allerdings sind bspw. gesundheitliche Einschränkungen wichtige Gründe für eine Kündigung. Vielleicht könnte Dir ja etwas aufgefallen sein? Aber auch hier, das Pfeifen auf letzten "Loch" der Moral zählt ebenfalls nicht dazu. Es sei denn, es würde sich zu einer Depression auswachsen.

Sardaukar
18.02.2008, 16:44
Nunja...
Es könnte sich der Gedanke breit machen depressiv zu werden darüber, dass das Prinzip des Kundensupports dermaßen mit Füßen getreten wird ;-)
Ich vermute jedoch, dass kein Arzt mir deswegen ein Attest ausstellen wird :mrgreen:
Sollte mir nichts anderes übrigbleiben, als mich immer weiter krank schreiben zu lassen, bis meinem Boss die Hutschnur platzt und er mich feuert? Immerhin befinde ich mich noch in der Probezeit, was eine Kündigung ohne Grund ermöglicht.

StephanK
18.02.2008, 16:57
"In die Arbeitslosigkeit hinein kündigen" ist natürlich die schlechteste aller Möglichkeiten und wenn Du das irgendwie vermeiden kannst solltest Du es tun.
Mir ist ein wenig aufgefallen, dass Du nichts darüber schriebst, wie es denn mit für Dich adäquaten Jobangeboten aussieht. Es ist immer noch so, dass Du am schnellsten und einfachsten einen neuen Job findest, wenn Du Dich aus einer ungekündigten Stellung heraus bewirbst. Deswegen denke ich, dass es klug wäre, wenn Du Deine Anstrengungen auf die Jobsuche konzentrierst.

In diesem Zusammenhang könntest Du auch Deinen Arbeitgeber um ein Zwischenzeugnis bitten. Er ist zwar nicht dazu verpflichtet, Dir eines auszustellen, aber das wird selten ernsthaft verweigert.
Damit schlägst Du zwei Fliegen mit einer Klappe:
1) Du hast für Bewerbungen was aktuelles in der Hand, das auch gut aussehen müsste, wenn Dein Arbeitgeber Deine Arbeit wirklich gut findet.
2) Für Deinen Arbeitgeber ist es eine Art Warnschuss, denn er erfährt dadurch natürlich, dass Du gehen willst. Optimalerweise führt das dazu, dass er mal mit "weiter oben" redet und die von Dir zurecht kritisierten Praktiken zur Diskussion stellt. Vielleicht ändert sich ja doch was, wenn er "nach oben" meldet, dass ihm seine besten Leute abwandern, weil sie diese Praktiken nicht mitzumachen bereit sind...

Sardaukar
18.02.2008, 17:07
"In die Arbeitslosigkeit hinein kündigen" ist natürlich die schlechteste aller Möglichkeiten und wenn Du das irgendwie vermeiden kannst solltest Du es tun.
Mir ist ein wenig aufgefallen, dass Du nichts darüber schriebst, wie es denn mit für Dich adäquaten Jobangeboten aussieht. Es ist immer noch so, dass Du am schnellsten und einfachsten einen neuen Job findest, wenn Du Dich aus einer ungekündigten Stellung heraus bewirbst. Deswegen denke ich, dass es klug wäre, wenn Du Deine Anstrengungen auf die Jobsuche konzentrierst.

In diesem Zusammenhang könntest Du auch Deinen Arbeitgeber um ein Zwischenzeugnis bitten. Er ist zwar nicht dazu verpflichtet, Dir eines auszustellen, aber das wird selten ernsthaft verweigert.
Damit schlägst Du zwei Fliegen mit einer Klappe:
1) Du hast für Bewerbungen was aktuelles in der Hand, das auch gut aussehen müsste, wenn Dein Arbeitgeber Deine Arbeit wirklich gut findet.
2) Für Deinen Arbeitgeber ist es eine Art Warnschuss, denn er erfährt dadurch natürlich, dass Du gehen willst. Optimalerweise führt das dazu, dass er mal mit "weiter oben" redet und die von Dir zurecht kritisierten Praktiken zur Diskussion stellt. Vielleicht ändert sich ja doch was, wenn er "nach oben" meldet, dass ihm seine besten Leute abwandern, weil sie diese Praktiken nicht mitzumachen bereit sind...

Hallo StephanK,
danke für deine Antwort.
In der Tat schreibe ich derzeit wieder Bewerbungen und habe auch schon einige Vorstellungsgespräche terminiert, vorzugsweise im Supportbereich.
Auf die Idee mit dem Zwischenzeugnis bin ich gar nicht gekommen, bzw. wusste nicht dass es sowas gibt! Werde ich einmal machen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es an der Gesamtsituation etwas ändern wird, aber so ein "Schuss vor den Bug" ist vielleicht eine gute Idee um meinem Chef zu zeigen dass, ich so nicht weitermachen will.

Besten Dank sagt Sardaukar

ratsuchende
18.02.2008, 17:12
Hallo!
Bezüglich der Arbeitsethik und der daraus folgenden Gewissenskonflikte, kann ich Dir sagen, daß man so ein System, das dort vermutlich herrscht, nicht verändern kann. Man kann es aussitzen oder Rücksicht auf die eigene Selbstachtung nahmen und sich was anderes suchen.

Mir persönlich ist meine Selbstachtung viel wert, ich kann es aber auch verstehen, daß man sich temporär einfach nicht wehren kann.

Viel Glück bei der Jobsuche...

Sardaukar
18.02.2008, 17:43
Hallo!
Bezüglich der Arbeitsethik und der daraus folgenden Gewissenskonflikte, kann ich Dir sagen, daß man so ein System, das dort vermutlich herrscht, nicht verändern kann. Man kann es aussitzen oder Rücksicht auf die eigene Selbstachtung nahmen und sich was anderes suchen.

Mir persönlich ist meine Selbstachtung viel wert, ich kann es aber auch verstehen, daß man sich temporär einfach nicht wehren kann.

Viel Glück bei der Jobsuche...

Vielen Dank, ratsuchende.
Glück kann ich in meinem Bundesland in der Tat brauchen und meine Selbstachtung ist eine meiner wichtigsten Dinge.
Wie schauts eigentlich im sonnigen Freistaat mit der Arbeit aus? :)

ratsuchende
21.02.2008, 08:13
Hallo!

Im sonnigen Freistaat schaut es so aus, daß die ZA's sich gegenseitig mit Prämien und überbieten der Stundenlöhne sich die Arbeiter abjagen und die Seiten des stellenmarktes in der Presse noch nie so umfangreich waren, wie im letzten Jahr. Je nach Landkreis bis zu unter 4,5 % Arbeitslosigkeit, also fast Vollbeschäftigung...

Für ausgebildete Facharbeiter im handwerklichen Bereich werden mind. 11,50 EUR geboten. Manche ZA's haben Bildungsprogramme aufgelegt, wo man aufbauend auf einer Grundlage eine 3-Monatige CNC-Ausbildung bekommt usw.

Es schaut eigentlich recht gut aus...

Sardaukar
23.02.2008, 00:10
Oh mein Gott!
Das bringt mich ja fast dazu in die Heimat meines Lieblingsbieres zu ziehen ;-)

Da können wir in NRW mit über 30% Arbeitslosen nicht anstinken. Meinen Glückwunsch zu dieser Bilanz.

Sardaukar
25.02.2008, 18:45
Mal zurück zum eigentlichen Thema mit einem kleinen Update.
Ich habe mit meinem Chef telefoniert und er legte nachdem ich ihn zum Gespräch bat mit den Worten "ich erwarte ihre schriftliche Kündigung" auf.
Wenn ich mich recht entsinne, bin ich nicht verpflichtet selber zu kündigen. Was kann ich nun machen? Krank bis Kündigung?
Erscheint mir auch nicht als die beste Möglichkeit.

Jemand eine Idee?

MfG

Roady
25.02.2008, 19:24
Warten bis er Dich rauswirft, entweder bei der Arbeit mit eventuellem Mobbing, oder gar anderen Spielchen, oder eben KzH bis DzE.
Aber mal was anderes, mich würde das ganze Thema generell von der Verdienstseite her genauer interessieren, weil alles was ich bisher in Sachen GM-Job mitbekommen habe, war eher so die brotlose Kunst ohne Schotter.

Sardaukar
26.02.2008, 09:51
Brotlose Kunst ist sehr zutreffend. In der Tat verdiene ich im Job ca. 80€ mehr als unter Harz 4 in die Familienkasse fliesst, also ca. 1000€ bei 42,5 Stunden die Woche, einige Überstunden zuzüglich. Das heisst die ca. 1000€ kommen zusammen bei etwa 50 Stunden die Woche.
So gesehen in der Tat sehr mies bezahlt, weil in Deutschland der Beruf Gamemaster unter die Call-Center Sparte fällt, in der das Grundgehalt ja eh sehr niedrig ist.

MfG

Roady
26.02.2008, 10:59
Naja was ich meinte waren eher die tollen Angebote wie "Du darfst derjenige sein, der sich für die Devs von den Usern auf die Nase kloppen lassen darf und bekommst dafür nix außer nem kostenlosen Account um Deinen GM-Tätigkeiten nachzugehen".
Aber da hast Du es ja schon deutlich besser getroffen.

Zur Arbeit, erledigst Du die von daheim, oder mußt dazu irgendwo hin ?

Kannst mir ja gerne mal per PM mitteilen was fürn Game das ist und was die für Anforderungen an nen GM stellen - vielleicht wärs ja was für mich, ich hab weniger Skrupel hab schließlich früher Versicherungen verkauft *lach*

Sardaukar
26.02.2008, 11:05
vielleicht wärs ja was für mich, ich hab weniger Skrupel hab schließlich früher Versicherungen verkauft *lach*

Naja, ich hab 3 Jahre lang für große Lotterien Lose verkauft ;-) Abgebrüht bin ich also auch, behaupte ich mal. Über das Spiel darf ich per Schweigeklausel natürlich nicht reden, aber ich kann dir vorschlagen, dir mal die Codemasters Produktpalette genauer anzusehen :crash2:
Die Stelle ist nicht von zu hause aus, sondern findet in einem Büro statt.

MfG

Roady
26.02.2008, 12:27
Danke reicht schon, kenn den Laden allerdings als Kunde von den alten Games her noch.