Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ausbildung Eigeninitiative - Unterstützung durch das Amt ?
Hallo zusammen,
ich wußte nicht so recht, in welchem Forum ich hiermit richtig bin, deshalb unter "sonstiges".
Folgende Situation: Familie (Eltern: 35 Jahre, Kind 8 Jahre alt).
Die beiden Erwachsenen sind Landschaftsarchitekten, die Frau zus. gelernte Schreinerin. Beide schon länger arbeitslos. Der Mann hat zwischendurch als Lagerarbeiter mit niedrigem Verdienst gearbeitet. Nun hat er eine Ausbildung begonnen als Garten- und Landschaftsbauer, mit der Perspektive nach der (verkürzten) Ausbildung als Bauleiter übernommen zu werden. Er erhält ca. 400 Euro Ausbildungsvergütung und ist zusätzlich noch als Mini-Job gemeldet (aufgrund seines "Lehrlingsmehrwertes"), das bringt nochmal 400 Euro im Monat. Dazu das Kindergeld, 135 Euro.
Einkommen also 935 Euro, das reicht natürlich nicht zum Leben. Das war auch vor Ausbildungsbeginn eigentlich klar, aber es ist wenigstens eine Perspektive diese Situatio nach der Hungerstrecke hinter sich zu lassen. Im Gegensatz zur Vermittlung an eine Leiharbeitsfirma, die der gelernten Schreinerin und Architektin 5.80 Euro Stundenlohn angeboten hat. "Den Rest stockt dann das Arbeitsamt auf".
Nun meine Frage: Sieht jemand eine Möglichkeit, wie die Familie evtl. Unterstützung bekommen könnte? Oder ist das in dieser Lage grundsätzlich ausgeschlossen?
Die Besuche bei der Arge sind immer sehr deprimierend und man wird auch oft nur abgefertigt, deshalb wüsste ich gern vorher, ob und was dort zu erwarten ist.
Für Tipps wäre ich deshalb sehr dankbar
Grüße
kernig
StephanK
18.02.2008, 16:12
Grüß Gott kernig,
ja, es könnte ein "Zubrot" geben in Gestalt von Alg II, vorausgesetzt die (ich nehme an: Deine) Frau ist bereit und in der Lage, zu arbeiten, was wegen der notwendigen Kindesbetreuung möglicherweise problematisch ist.
Vom Gesetz zugebilligter Bedarf nach Alg II-Maßtstäben ist € 625 für die Erwachsenen + € 208 für das Kind, zusammen also € 833 + Miete und Heizkosten, letztere in den Grenzen dessen, was nach örtlichen Maßstäben als angemessen anerkannt wird.
Dem gegenüber steht anzurechnendes Einkommen in Höhe von max. € 560, so dass - je nach Höhe von Miete und Heizkosten - eine "Deckungslücke" von ca. € 400 - 500 besteht, die es als Alg II geben müsste, wenn auch nicht vollständig (dazu weiter unten).
Allerdings bedeutet Alg II-Bezug, dass man jeden Job annehmen muss, auch einen krass unterbezahlten Job bei einer Leiharbeitsfirma. Insofern trifft deren zynische Aussage, dass der Rest aufgestockt werde, zu.
Deswegen sollte möglichst bald Alg II beantragt werden; möglichst bald deswegen, weil Alg II nie für Zeiten vor der Antragstellung geleistet wird.
Es ist in Eurem Fall die Besonderheit, dass der "spätberufene Azubi" selbst nicht Alg II-berechtigt ist; das gilt für alle Azubis. Deswegen wird die tatsächlich Berechnung etwas anders aussehen als die, die ich weiter oben überschlägig angestellt habe. Der Azubi sollte darauf achten, seine Werbungskosten vollständig geltend zu machen.
Die Antragsformulare sind auf der website der Arbeitsagentur (http://www.arbeitsagentur.de/nn_26642/zentraler-Content/Vordrucke/A07-Geldleistung/Allgemein/Formulare-Arbeitslosengeld-II.html) verfügbar.
Hallo
und danke für die ausführliche Antwort.
Die Frau, das bin ich, der andere, das ist quasi mein Mann. :-)
Ich würde gern arbeiten, wär mir auch inzwischen fast egal, was. Studiere schon immer die Stellenanzeigen, die sind immer sehr speziell und an mir vorbei. Wir wohnen noch nicht so lange in der Gegend, das Netzwerk ist also noch nicht ausgebaut, akuter Vitamin-B-Mangel.
Allerdings geht das nur halbtags, die Kinderbetreuung ist hier sonst nicht möglich. Wenn ich nicht ganztags zur Verfügung stünde, heißt das ja auch, dass nur ein Teilanspruch besteht?
Da werd ich mal den schweren Gang antreten. Ganz im Ernst, das geht mir sehr an die Nieren, ich habe ernsthaft Sorge, dass das meine Depressionen wieder aufblühen läßt. Ich muss mich im Arbeitsamt immer mit Ausbildung, Abi und Ingenieur zusammen mit den "Hilfsschülern" ohne Abschluß vermitteln lassen, das ist einfach superfrustrierend, wenn man das Gefühl vermittelt bekommt, man könne gar nichts.
Was nützen mir die evtl. paar hundert Euro, wenn ich psychisch völlig runter bin. Ist ja zeitlich begrenzt. Gebt mir mal einen Tritt, damit ich mich auf die Socken mache...
kernig
StephanK
18.02.2008, 22:46
Allerdings geht das nur halbtags, die Kinderbetreuung ist hier sonst nicht möglich. Wenn ich nicht ganztags zur Verfügung stünde, heißt das ja auch, dass nur ein Teilanspruch besteht?Nein, aber Du wirst schon nachweisen müssen, dass keine Halbtagsbetreuung möglich ist. Ich will ja nicht lästern, aber Bayern betreibt ja auch die entsprechende Politik...
Ganz im Ernst, das geht mir sehr an die Nieren, ich habe ernsthaft Sorge, dass das meine Depressionen wieder aufblühen läßt. Ich muss mich im Arbeitsamt immer mit Ausbildung, Abi und Ingenieur zusammen mit den "Hilfsschülern" ohne Abschluß vermitteln lassen, das ist einfach superfrustrierend, wenn man das Gefühl vermittelt bekommt, man könne gar nichts.Nicht unterkriegen lassen! Ich weiss recht gut, dass es keinen Spaß macht, erworbenes Wissen nicht anwenden zu können. Das Problem "Überqualifikation" gibt es leider, und es ist nicht ohne weiteres dadurch lösbar, das man sich auf Jobs bewirbt, für die man überqualifiziert ist, denn das ist oft ebenso ein Einstellungshindernis wie eine Unterqualifikation.
Was nützen mir die evtl. paar hundert Euro, wenn ich psychisch völlig runter bin. Ist ja zeitlich begrenzt. Gebt mir mal einen Tritt, damit ich mich auf die Socken mache...Nee, treten tu ich niemand! Aber vielleicht hilft's Dir ein bisschen weiter, wenn Du mal versuchst, Dir über berufliche Zielvorstellungen Klarheit zu verschaffen, welche Wertigkeit sie im Vergleich zu Deinen Aufgaben als Mutter haben und ob Du nach so was wie "beruflicher Erfüllung" (großes Wort, ich weiss!) suchst oder schlicht 'nen Job, um die Familienkasse aufzubessern. Das kann u.U. auch schmerzlich sein, aber eine solche Klarheit kann auch dabei helfen, sich nicht als Objekt einer ARGE herumschubsen zu lassen.
Nur mal so 'ne Überlegung...
Morgen,
na das schaff ich mit dem Nachweis. Freitags schließt der Hort z.B. um 14:30. Vielleicht bekomme ich ja dann einen Job im Amt angeboten (Freitag um Eins macht jeder seins)...
Aber vielleicht hilft's Dir ein bisschen weiter, wenn Du mal versuchst, Dir über berufliche Zielvorstellungen Klarheit zu verschaffen, welche Wertigkeit sie im Vergleich zu Deinen Aufgaben als Mutter haben und ob Du nach so was wie "beruflicher Erfüllung" (großes Wort, ich weiss!) suchst oder schlicht 'nen Job, um die Familienkasse aufzubessern. Das kann u.U. auch schmerzlich sein, aber eine solche Klarheit kann auch dabei helfen, sich nicht als Objekt einer ARGE herumschubsen zu lassen.
Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass meine Zielvorstellungen überhaupt keine Rolle spielen, in keiner Hinsicht! Es gab eine Reihe von (im Nachinein) falschen Entscheidungen, mit der Wahl des Studienfachs beginnend, gefolgt von Umzügen (wegen befristeten Jobs meines Mannes) und der ganz klassischen Familienfalle für mich, die zu dieser Situation geführt haben.
Meine Wertigkeit als Mutter möchte ich gar nicht ausweiten, wie das endet sehe ich an den Kampfmüttern hier im Dorf, die ihre gesamte Erfüllung über die Kinder ausleben.*grusel*
Ich möchte einfach einen Job, an dem irgendwas stimmt, muss ja gar nicht alles sein. Entweder die Arbeit an sich, oder das Geld oder die Einpassung in unseren Alltag oder die Perspektive, dass richtig was draus werden kann.
Das soll ja hier nicht in eine psychotherapeutische Beratung ausarten, aber danke für die gute Worte.
Ich werd mein Glück übergangsweise auf dem Amt versuchen und hoffen, dass ich nebenher irgendwo einen Job bekomme, der meinen Bedürfnissen entspricht. Bis dahin versuche ich mir "von der Hand in den Mund" ein wenig dazuzuverdienen.
Schöne Grüße aus dem familienfreundlichen Bayern (Wo eine Frau, die sich selbständig machen wollte auf der Handwerkskammer gefragt wurde "Ja müssen Sie denn arbeiten, Ihr Mann verdient doch?" und "Mit 2 Kindern, das können Sie gleich vergessen...")
kernig
StephanK
19.02.2008, 10:40
na das schaff ich mit dem Nachweis. Freitags schließt der Hort z.B. um 14:30. Vielleicht bekomme ich ja dann einen Job im Amt angebotenWenn Dir Ladenkasse bei <Name eines beliebigen Discounters einsetzen> nix ausmacht sollte das kein Problem sein... Aber das wäre eben nur Stress und keinerlei Anregung.
(Freitag um Eins macht jeder seins)...War das nicht so 'n geflügeltes Wort in der DDR?
Es gab eine Reihe von (im Nachinein) falschen Entscheidungen, mit der Wahl des Studienfachs beginnend, gefolgt von Umzügen (wegen befristeten Jobs meines Mannes) und der ganz klassischen Familienfalle für mich, die zu dieser Situation geführt haben.Das ist eigentlich die ebenso "klassische" Situation, in der Weiterbildungen dazu verhelfen sollen, wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. Ich darf mir keinen Überblick über den weit verzweigten Weiterbildungsmarkt zutrauen, allerdings habe ich den Eindruck, dass Teilzeit-Angebote für Weiterbildungen (1) dünn gesät sind und (2) soweit es sie gibt auf "typische Frauenberufe" zielen, also z.B. den Sekretariats-/Assistenz-Bereich. Das ist alles nicht die "harte" Diskrimierung, aber Diskriminierung kann auch darin liegen, dass man in eine Schublade gesteckt wird, in die man eigentlich nicht hineinpasst...
Trotzdem: vielleicht könnte eine Weiterbildung ja den Weg in Deinen erlernten Beruf bereiten. Wenn Dir das denkbar erscheint, kannst Du ja mal in der sehr umfangreichen Weiterbildungsdatenbank KURSNET (http://infobub.arbeitsagentur.de/kurs/index.jsp) der Arbeitsagentur stöbern.
Das soll ja hier nicht in eine psychotherapeutische Beratung ausarten, (...).Keine Sorge, dafür fehlen mir sowohl Anspruch als auch Kompetenz. :wink: Ich kann mit den begrenzten Mitteln dieses Mediums allenfalls versuchen, ein bisschen Mut zu machen, u.a. dazu, sich seiner eigenen Fähigkeiten zu besinnen.
Schöne Grüße aus dem familienfreundlichen Bayern (Wo eine Frau, die sich selbständig machen wollte auf der Handwerkskammer gefragt wurde "Ja müssen Sie denn arbeiten, Ihr Mann verdient doch?" und "Mit 2 Kindern, das können Sie gleich vergessen...")Dein Beispiel zeigt die ganze Doppelbödigkeit des Begriffes "familienfreundlich". Wenn man traditionelle Rollenaufteilungen gut findet mag das sogar stimmen - aber wehe, man schickt sich nicht in diese Rollenmuster... :shock:
Guten Morgen nochmal,
jetzt dachte ich, ich rufe mal an beim Arbeitsamt (heißt ja nicht mehr so, das habe ich schon mitbekommen), um evtl. einen Termin bei der richtigen Person zu bekommen um nicht vergeblich 15km in die Stadt fahren zu müssen.
Sind ja alles Hotlines mit Ansage. Ich hab's ja gar nicht verstanden, wo muss ich mich denn melden? Die Arbeitsagentur teilt mit, sie sei für HartzIV nicht zuständig, also hab ich die ARGE angerufen, dort teilte mir eine Ansage mit, ich soll für Fragen zu Leistungen die eine, für Fragen zur Vermittlung eine andere Nummer anrufen. Beide sind dauerbesetzt.
Ich dachte ja, ich mach da einen Termin und lasse mich erstmal beraten, was überhaupt für mich möglich und nötig ist. Ist das überhaupt vorgesehen? Oder kennt man dort nur Schema F. Antrag ausfüllen und fertig? Meine Ämterkompetenz läßt sehr zu wünschen übrig, aber ich bin ja durchaus willig...
Bin jetzt schon ratlos und war noch gar nicht da
kernig
StephanK
20.02.2008, 11:19
GIch hab's ja gar nicht verstanden, wo muss ich mich denn melden? Die Arbeitsagentur teilt mit, sie sei für HartzIV nicht zuständig, also hab ich die ARGE angerufen, dort teilte mir eine Ansage mit, ich soll für Fragen zu Leistungen die eine, für Fragen zur Vermittlung eine andere Nummer anrufen. Beide sind dauerbesetzt.Da hilft wohl leider nur Geduld und Zähigkeit.
Im Prinzip sind das "Hingeh-Behörden", also per Telefon würde ich da nicht viel erwarten. Aber ich bin selbst natürlich Großstädter und kinderlos, muss also weder über Land fahren noch darauf achten, dass mein Kind beaufsichtigt wird... Zumindest eine Terminabsprache sollte telefonisch jedenfalls möglich sein.
Ich dachte ja, ich mach da einen Termin und lasse mich erstmal beraten, was überhaupt für mich möglich und nötig ist. Ist das überhaupt vorgesehen? Oder kennt man dort nur Schema F. Antrag ausfüllen und fertig?Natürlich ist das vorgesehen, und die Behörden sind dazu auch verpflichtet. Im Gesetzblatt stehen viele schön Dinge, aber die Praxis vor Ort lässt leider trotzdem oft zu wünschen über; deswegen kann es schon sein, dass man selbst eine Beratung regelrecht einfordern muss. Also nicht beirren lassen - Geduld und Zähigkeit, s.o.! :)
...das wollte ich Dir doch nicht vorenthalten.
Bin ich also (mit dem Rad, schadet ja nicht, das Wetter war kalt aber schön) reingefahren zur ARGE. Melde mich am Schalter, schildere kurz meinen Fall, Antwort: "Da gehen Sie doch bitte zu unserem Leistungsberater Herr XY, Zimmer 44" Ich dackel da hin, klopfe, keine Antwort, spricht mich jemand an: "Wollen Sie wohl zu Herrn XY?", was ich bejahte. Der sei in einer Schulung, "das kann noch ein wenig dauern". Das wußte die Dame am Empfang offensichtlich nicht? Fand ich schon merkwürdig.
Ich also zurück, frage nach jemand anderem, der mir weiterhelfen kann (ich war ja während der Öffnungszeiten von 8 bis 13 Uhr da). Nö, ich soll doch morgen nochmal probieren. Sag ich "Wie bitte?". Gibt Sie mir einen orangefarbenen DIN A4-Zettel, auf dem riesengroß eine Telefonnummer (0180 er ) steht, da könne ich ja einen Termin ausmachen. Sag ich "Hab ich heute angerufen, stundenlang, war immer besetzt". Darauf sie: "Heute ist Bearbeitungstag, da geht niemand ans Telefon" Vorwurfsvoll, weil ich das nicht wußte. Kein Wunder stand ja auch nirgends. Ich hab dann nochmal nachgehakt und ihr gesagt, dass ich ja extra reinfahren muss, mit dem Auto wären das ja auch Kosten etc. Hat ihr ein müdes Schulterzucken abverlangt.
Meine Energie zum Ämterbesuch ist somit schon fast aufgebraucht. Ganz schön geschickt, einen weiteren evtl. Antragsteller sind die damit schon fast losgeworden, ohne viel Arbeit.
Ich frag mich immer: Geht das nur mir so? Bin ich so ungeschickt? Stell ich mich blöd an? Was hätte ich anders machen können, um mehr Erfolg zu haben?
kernig
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