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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Projekt über 6 Monate, was ist das? 0-Euro-Job?


Juergen1958
01.03.2008, 17:18
Hallo,
ich soll von der ARGE an einer "beruflichen Weiterbildung durch Teilnahme am Profiling" über 17 Tage teilnehmen,

was mich aber hier interessiert ist:

"das Projekt wird im Anschluß an das Profiling weitere 6 Monate fortgeführt"

Als ich meine Vermittlerin fragte, was das Projekt sei, bekam ich hierauf direkt keine Antwort, sondern nur, falls ich innerhalb des Projektes krank werden sollte, verlängert sich das Projekt entsprechend.

Dadurch bin ich noch verwirrter, ein Projekt hat doch ein Ende, welches nicht vom Gesundheitszustandes eines einzelnen ALG II-Empfängers abhängen würde.

Auch durch den Projektträger erfahre ich nichts wesentliches:

Das Profiling besteht aus einer Theorie und Praxisphase
"Am Ende der Theorie-und Praxisphase erfolgt eine Auswertung aller Ergebnisse, die über die vorangegangenen 17 Tage gesammelt werden. Diese dienen schließlich der Empfehlung über eine weitere Betreuung in verschiedenen Anschlußprojekten mit assisierter Vermittlung."

Ich werde am Montag mal den Projektträger anrufen, vielleicht erhalte ich ja ein paar Informationen, befürchte aber, daß diese einseitig sind, daher frage ich euch mal euch nach euren Erfahrungen/Meinungen.

Betroffener
01.03.2008, 22:44
Darf man fragen, um welche ArGe es sich handelt in Thüringen? Denn da gibt es doch eine ganze Menge.

Üblicherweise dauert ein sogenanntes "Profiling" keine 17 Tage sondern nur einige Stunden - und das ist dann schon sehr ausführlich.

Siehe auch: Wikipedia: Berufliches Profiling (http://de.wikipedia.org/wiki/Berufliches_Profiling)
Und das bei Wikipedia beschriebene ist schon sehr hochgestochen eher in Richtung Managementpositionen ausgerichtet für das, was bei der großen Masse der ALG II Empfänger zu "profilen" ist:

- was hast Du gelernt
- was kannst Du sonst noch
- könnte man ein Hobby als Beruf ausbauen
- welche Stärken können ausgebaut werden
- Welche Schwächen bestehen
- gibt es Vermittlungshemmnisse

Es dürfte sich um eine Kombination aus profilierender Bestandsaufnahme, fragwürdigen psychologischen Tests, Bewerbungstraining usw. handeln, die angeblich darüber entscheiden, wie und wohin Du anschliessen weitergebildet bzw. vermittelt wirst.

Hier wird in Thüringen z.B. für Gymnasiasten ein 5 tägiger Kurs mit Unterstützung des Arbeitsamtes vergleichbares angeboten (jedenfalls für den ersten Teil). Für ALG II Empfänger wird wohl die dreifache Zeit veranschlagt:
LVV-Thüringen: Profiling - Assessment Center - Bewerbungstraining (http://www.lvv-bildung.de/thueringen-kurssuche-1275_profiling--assessment-center--berwerbungstraining.html)

Zur Erläuterung hier nachlesen: Wikipedia: Assessment Center (http://de.wikipedia.org/wiki/Assessment-Center)

Ein Profiling (nicht wie das oben beschriebene) ist nach den Vorgaben der Bundesanstalt jedenfalls die zwingende Voraussetzung für die Vorlage einer Eingliederungsvereinbarung (soll ein zweiseitiger Vertrag sein, wird aber zu 99% als ein sehr einseitiges Druck- und Repressionsmittel eingesetzt).

Momentan scheinen solche unbestimmte Maßnahmen wieder in zu sein, wie sie auch der User "marienstein" hier beschreibt:
Wie in einem schlechten Film (http://www.arbeitslosennetz.de/forum/showthread.php?t=78303&highlight=Massnahme)

Du solltest Dir also definitiv Mobilitätshilfen (Fahrgeld) zusichern lassen und vor allem darauf bestehen, dass Dir Sinn, Zweck und Inhalte der Maßnahme vor dem Antritt der Maßnahme bekanntzugeben sind (falls Du nicht schon per unterschriebener EGV zwangsverpflichtet bist - aber selbst dann muss Dir eröffnet werden, worum es tatsächlich geht).

Denn alles andere ist ein Unding und ähnelt der Behandlung wie einem Stück Vieh und soll offensichtlich mehr der Förderung des Maßnahmeträgers als der Arbeitslosen und natürlich der Hübschung der Arbeitslosenstatistik dienen - wie die meisten solcher Maßnahmen.

Ich hoffe, in Deinem Alter besteht ausreichend Lebenserfahrung und die nötige Skepsis, sich nicht einfach aufs Kreuz legen zu lassen.
Vor "zwingend notwendigen" und "sofort erforderlichen" Unterschriften immer erst das Gehirn zu 100% einschalten und mindestens 1 Tag Bedenkzeit vereinbaren - und wird der Druck auch noch so groß aufgebaut.
Eventuelle Probleme hast Du dann ggf. auf Jahre an der Backe.

Juergen1958
02.03.2008, 02:05
@Betroffener: Es handelt sich um die ARGE in Erfurt.

Profiling sagt mir etwas und dies möchte ich auch mitmachen.

Eine EGV wurde mir vorgelegt, habe ich aber nicht unterschrieben, da ich mir alles gründlich überlege.

Was mich aber am meisten interessiert, was ist das für eine Art von "Arbeit" in diesem Projekt? Hat jemand Erfahrung damit, schon mal was davon gehört? Ist es Verschleierungstaktik für Arbeit, wo der Arbeitgeber Geld für geleistete Arbeit (von der Arge) erhält?
Grüße und noch einen schönen Sonntag!