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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Durch BG Mitgliedschaft automatisch arbeitssuchend ?


dumpfbacke
03.03.2008, 18:50
Hallo Leute,

ich bräuchte mal dringend Euren Rat zu nachfolgendem Fall...

Also, eine Nachbarin hat 13 Jahre lang gearbeitet, dann die Firma verlassen, weil sie ein Kind erwartete und sich fortan als Hausfrau darum kümmern wollte.

Nach dem Ausscheiden aus der Firma bekam sie für den ihr zustehenden Zeitraum Arbeitslosen-Geld und als das dann auslief, ein Schreiben vom Arbeitsamt, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass das Arbeitslosen-Geld nun ausgelaufen sei.

Seitdem sind 14 Jahre vergangen, ohne das sich jemals wieder irgendein Amt bei ihr gemeldet hat.

Nun ist ihr Mann vor 4 Jahren arbeitslos geworden und sie bildet mit ihm und dem gemeinsamen Kind eine Bedarfsgemeinschaft.

Und letzte Woche hat die Frau von der Arge ein dickes Schreiben bekommen, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass man angeblich festgestellt hat, dass ihre Daten nicht vollständig sein sollen.
Ein 6seitiger grüner Fragebogen war dem Brief beigefügt und natürlich auch gleich eine Drohung:

"Sollten die von Ihnen getätigten Angaben widersprüchlich oder lückenhaft sein, werden Sie kurzfristig zu einem persönlichen Beratungsgespräch eingeladen."

Mit diesem Fragebogen wird alles, aber auch wirklich alles abgefragt, unter anderem hat sie dort die Wahl, ob sie einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz sucht, was für eine Tätigkeit sie ausüben möchte, mit Maximalentfernung vom Wohnort (bundesweit einsatzbereit kann man natürlich auch ankreuzen).

Kurzum gilt sie auf einmal wieder als arbeitssuchend und kann dies in dem Fragebogen auch nicht ablehnen, denn dafür gibt's dort "merkwürdigerweise" kein Kästchen zum ankreuzen.

Ist das denn eigentlich rechtens ???

Einerseits bezieht sie ja vom Staat automatisch jeden Monat ihren Hass 4 Regelsatz, weil sie mit ihrem Mann in einer Bedarfsgemeinschaft lebt.

Andererseits galt sie aber die ganzen 14 Jahre nicht als arbeitslos und auch nicht als arbeitssuchend, hat auch niemals etwas beim Arbeitsamt beantragt und auch nie Sozialhilfe oder anderweitiges Geld bekommen, da sie als Hausfrau vom Einkommen ihres Mannes gelebt hat, bis der dann arbeitslos wurde.


Im Voraus schonmal herzlichen Dank für Eure Hilfe !!!

Betroffener
03.03.2008, 19:26
Jeder der Hartz IV bezieht, muss alles dafür tun, das sich dieser Zustand schnellstmöglich ändert - auch wenn man seit 14 Jahren nicht mehr arbeiten war, weil man es nicht musste und möglicherweise auch nicht wollte.

Wenn in der Bedarfsgemeinschaft der Mann nun keinen Job findet, dann kann vielleicht die Frau des Hauses als Mitglied der Bedarfsgemeinschaft ihr Scherflein dazu beitragen, die Lasten des Sozialstaates zu verringern durch putzen, 400 € Jobs und dergleichen mehr oder gar beide - so der Gedanke der dahinter steht.

Insoweit ist das also alles ganz normal bei der Sozialhilfe - die Hartz IV eigentlich ist. Darin wird jeder arbeitssuchend, der Leistung bezieht und gefordert und gefördert, damit diese Leistung in möglichst geringem Umfang erbracht werden muss.

Inwieweit aber diese Formulare dem gültigen Standard entsprechen, wäre wieder ein anderes Thema.

Roady
03.03.2008, 21:47
@ dumpfbacke,

der Punkt - ihr könnt Euch Eure Leistungen sonst wohin stecken weil ich bleibe weiterhin Mutter und Hausfrau - wurde im Gesetzesentwurf scheinbar vergessen.
Die Herrschaften waren eben mit der Versklavung des Volkes und dem Aufbau von Zwangsarbeitsgelegenheiten zu sehr beschäftigt um alle Eventualitäten zu berücksichtigen.
Ist schon ein Witz, man wird gezwungen Dinge anzunehmen, die man nicht will nur weil es der Partner für sich beantragt - seit Hartz IV gibt es keine einzelnen Menschen mehr, es gibt nur noch Bedarfsgemeinschaften.

Da gehen sie hin die guten alten Werte.....

Betroffener
03.03.2008, 22:26
Dieser Gedankengang würde aber bedeuten, dass die Hausfrau gar kein ALG2 und keinen halben Mietanteil bekommt.

Ich glaube kaum, das es die Intention der Hausfrau ist, das der gesamte Haushalt vom ALG2 des EX-Verdieners (312 € + halben Kosten der Unterkunft) leben zu wollen.

StephanK
03.03.2008, 23:00
Da gehen sie hin die guten alten Werte.....Da ist insofern schon was dran, als es "eigentlich" Sache der Eheleute ist, untereinander und ohne dass ihnen jemand dabei rein redet auszumachen, ob eine/r auswärts arbeitet und das Geld herbeischafft und eine/r den Haushalt versorgt oder ob sich beide in diese Aufgabe teilen. Jedenfalls sieht das das Eherecht im Bürgerlichen Gesetzbuch so vor. Das ist insofern wirklich "bürgerlich" als es eben stillschweigend davon ausgeht, dass man seinen Lebensunterhalt als "guter Bürger" selbst verdient.

Dieses Recht der Eheleute wird ein Stück weit ausgehebelt, wenn sie auf Alg II angewiesen sind. Aus dem vom BGB gewährten Recht beider Ehepartner, erwerbstätig zu sein, wird dann flugs eine Pflicht und die aus einer bestimmten politischen Richtung gerne betonte Gleichwertigkeit von Hausarbeit und auswärtiger Erwerbsarbeit wird nicht mehr so gesehen.

Roady
04.03.2008, 08:47
Dieser Gedankengang würde aber bedeuten, dass die Hausfrau gar kein ALG2 und keinen halben Mietanteil bekommt.

Ich glaube kaum, das es die Intention der Hausfrau ist, das der gesamte Haushalt vom ALG2 des EX-Verdieners (312 € + halben Kosten der Unterkunft) leben zu wollen.
Tja was soll ich sagen, wollte hier überhaupt wer Hartz-Blöd haben ?

Mir hats mit ALO-Hilfe auch ganz gut gefallen.

Mann kann doch nicht erst einen Umstand schaffen, der bei normaler Partnerschafts- oder Eheführung die Leute in die Armut treibt mit dem Hintergrund Familien auseinander sprengen zu wollen, sprich die Eltern haben beide zu arbeiten, damit der Staat sich die Kids so erziehen kann, wie er es gerne hätte.
Sorry, aber die Zeiten um Erich H. sind in Deutschland seit der Wende um, oder sollte ich da was falsch verstanden haben und der Westen wurde der SED geschenkt ?
Dann würde auch das Geheule um die Fernreisen unter dem Deckmantel des Umweltschutzes einen Sinn machen, wann kommt der Zaun an unseren Außengrenzen ?

Aber irgendwann wird sich alles rächen, war schon immer so und wird auch weiterhin immer so sein - man muß das Volk nur lange genug treten.

StephanK
04.03.2008, 09:24
Tja was soll ich sagen, wollte hier überhaupt wer Hartz-Blöd haben ?Ja, fast alle. Man erinnere sich: die SPD, die CDU/CSU, die Grünen - eigentlich nur die FDP nicht. Die wollte schon damals die Arbeitsämter abschaffen, alles privatisieren und die Leute direkt in die Sozialhilfe schicken. Insofern ist es schon berechtigt, diese Parteien die "Hartz-Parteien" zu nennen.

Mir hats mit ALO-Hilfe auch ganz gut gefallen.Na ja, ich denke, man sollte das nicht im Rückblick mit rosaroter Brille betrachten und verklären. Die Arbeitslosenhilfe hatte - für die Leute, die zuvor relativ gut verdient hatten - den Vorteil, sich am vorherigen Arbeitslosengeld zu orientieren. Ich konnte damit deshalb noch recht auskömmlich leben (war bei mir etwa doppelt so viel gewesen wie jetzt Alg II). Aber in Hinsicht auf Arbeitsvermittlung ist rein gar nix passiert.
Das Versprechen der Hartz-Reformen war: Ihr kriegt weniger Geld, aber eine deutlich bessere Vermittlung. Dieses Versprechen ist aus meiner Sicht gebrochen worden.

Mann kann doch nicht erst einen Umstand schaffen, der bei normaler Partnerschafts- oder Eheführung die Leute in die Armut treibt mit dem Hintergrund Familien auseinander sprengen zu wollen, sprich die Eltern haben beide zu arbeiten, damit der Staat sich die Kids so erziehen kann, wie er es gerne hätte.Das ist nicht neu. Für die Menschen, die neben Niedriglohn, Arbeitslosengeld oder früherer Arbeitslosenhilfe auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen waren, war das schon immer so. Es ist nur nicht so aufgefallen, weil es nicht so viele waren.
Deswegen ist Dein DDR-Vergleich - sorry - billige Polemik.

Trotzdem steckt natürlich ein ernstzunehmendes Problem dahinter. Für viele Kinder ist/wäre es besser, wenn in ihren ersten Lebensjahren ein Elternteil sich ihnen "hauptberuflich" widmen könnte (wobei man nicht übersehen sollte, dass es leider auch Eltern gibt, denen für diese Aufgabe jede Begabung fehlt...). Ob es ausreicht, wenn das wirtschaftlich bis zum dritten Geburtstag des Kindes sichergestellt ist (so die Zumutbarkeitsregelung beim Alg II) oder ob diese "Freistellung" länger währen müsste ist eine Frage, über die man sicherlich streiten kann.

Roady
04.03.2008, 09:50
Ja, fast alle. Man erinnere sich: die SPD, die CDU/CSU, die Grünen - eigentlich nur die FDP nicht. Die wollte schon damals die Arbeitsämter abschaffen, alles privatisieren und die Leute direkt in die Sozialhilfe schicken. Insofern ist es schon berechtigt, diese Parteien die "Hartz-Parteien" zu nennen.

Na ja, ich denke, man sollte das nicht im Rückblick mit rosaroter Brille betrachten und verklären. Die Arbeitslosenhilfe hatte - für die Leute, die zuvor relativ gut verdient hatten - den Vorteil, sich am vorherigen Arbeitslosengeld zu orientieren. Ich konnte damit deshalb noch recht auskömmlich leben (war bei mir etwa doppelt so viel gewesen wie jetzt Alg II). Aber in Hinsicht auf Arbeitsvermittlung ist rein gar nix passiert.
Das Versprechen der Hartz-Reformen war: Ihr kriegt weniger Geld, aber eine deutlich bessere Vermittlung. Dieses Versprechen ist aus meiner Sicht gebrochen worden.



Moment Stephan, ich sprach bei denen die Hartz IV wollten nicht von der Parteienlandschaft Deutschlands, sondern von denen, die heute davon leben müssen.

Und mit ALO-Hilfe hatte ich auch ca. das doppelte vom jetzigen, deshalb gefiel mir das ja auch so und aus freiem Willen hätte ich es nie gegen ALG II eingetauscht.
Was die Änderungen in Sachen Vermittlungsvorschläge angeht, sehe ich keinerlei Unterschiede zwischen ALG II und ALO-Hilfe - mir hat man damals keine Vorscläge unterbreitet und tut es heute auch nicht.

StephanK
04.03.2008, 11:29
Moment Stephan, ich sprach bei denen die Hartz IV wollten nicht von der Parteienlandschaft Deutschlands, sondern von denen, die heute davon leben müssen.OK, da war ich vielleicht etwas zu sehr auf die "Politik-Schiene" geraten. Aber so, wie "Hartz IV" der breiten Öffentlichkeit verkauft wurde, gab es schon eine ganze Menge (nicht betroffener) Menschen, die das gut fanden und wahrscheinlich immer noch finden. Es gibt immer noch eine relativ breite Zustimmung zu der Behauptung, man müsse Arbeitslose "nur mal richtig ran nehmen", dann fänden sie schon einen Job... Erinnere Dich mal an die regierungseigene Propaganda, die damals von Schröder, Clement und Co. gemacht wurde: die hat ganz genau an diese Haltung appelliert.

Was die Änderungen in Sachen Vermittlungsvorschläge angeht, sehe ich keinerlei Unterschiede zwischen ALG II und ALO-Hilfe - mir hat man damals keine Vorscläge unterbreitet und tut es heute auch nicht.Diese Erfahrung machst nicht nur Du... :shock:

Roady
04.03.2008, 13:06
Aber machen wir uns mal nichts vor - den ALG II Empfängern und Rentnern in Deutschland geht es noch viel zu gut - wäre es nicht so, würde es in Deutschland schon richtig an jeder Ecke brennen.

Zu Schröder, Clement und Co. braucht man nichts sagen, die haben alle selbst noch nie nen Finger krumm gemacht und sprechern von Dingen, von denen sie keine Ahnung haben.

dumpfbacke
04.03.2008, 19:58
Tja, dann sage ich mal vielen Dank für Eure engagierte Diskussion !!!

Der geballte grüne Fragebogen hat übrigends die Bezeichnung "Arbeitspaket V15" und es müßen neben sämtlichen jemals erhaltenen Arbeitsnachweisen und Zeugnissen sogar vollständige Bewerbungsunterlagen (worauf auch immer...) beigefügt werden; sonst winkt 'ne angedrohte Einladung zu einem netten persönlichen "Beratungsgespräch".

Hat einer von Euch schonmal so'n Ding ausgefüllt?

Wenn das wirklich so okay ist, dann finde ich es schon 'ne Sauerei den Heranwachsenden gegenüber !!!

Vater wird zu 'nem schlecht bezahlten Job verdonnert, Mutter dann auch, aber am Monatsende kommt nur unwesentlich mehr als der Hass 4 Satz dabei raus.

So wird man immer schön an der Armutsgrenze gehalten und der Nachwuchs verkommt zum Schlüsselkind, denn der sieht seine Eltern nur noch am Abend.

Aber wichtig ist ja eigentlich nur, dass durch solch unterbezahlte Jobs die Staatskasse enlastet wird, wenn man sich seinen Hass 4 Satz selber verdient.

Denn dann können sich unsere verlogenen Politiker, egal welcher Coleur, wenigstens guten Gewissens ihre schmalen Diäten auf einen Schlag um 700 Euro monatlich erhöhen.

Bei denen wohnen mit Sicherheit keine Arbeitslosen in der Nachbarschaft, die können sich in unsere Lage nichtmal annähernd reinversetzen und wollen das auch überhaupt nicht, weil sie abgehoben und völlig weltfremd sind.

Wenn man als Politiker selber schon in jungen Jahren finanziell ausgesorgt hat und die Rente gesichert ist, läßt es sich leicht über andere entscheiden, die tagtäglich sehen müßen, wie sie über die Runden kommen.

Es ist schon eine Schande was da abläuft !!!

Nicht nur das wir Arbeitslosen in den Augen der Politiker und der meisten Mitbürger pauschal als arbeitsunwillig und stinkefaul angesehen werden, wir tragen auch noch den Namen des hochkriminellen, korrupten und rechtskräftig verurteilten Peter Hartz, der sich sogar vor Gericht noch aus einer vernünftigen Strafe rauskaufen konnte !!!

Und das zieht doch unser Image noch mehr runter !!!

Allerdings würde sich "Angie I" auch nicht besser anhören...