Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitslose Akademiker....
Hallo, ich bin neu hier...
habe über eine Suchmaschine dieses Forum entdeckt.
Ich bin 30 jahre alt und Diplom-Sozialpädagogin. Habe nach dem Studium Okt.2004 keine Stelle gefunden und bin seitdem arbeitslos.
Vielleicht könnt ihr mir Tipps geben, wie ich gute Stellenangebote finde etc. Ich suche seit 1 1/2 Jahren. Vom AfA kam bisher ein Angebot und dafür fehlte mir die Berufserfahrung. Auf den Internetseiten habe ich mich schon zig mal auf Angebote beworben, wurde aber noch nichtmal eingeladen.
Da waren teilweise 500 Bewerber pro Stelle.
Wofür habe ich eigentlich studiert???
Der Bedarf an Sozialpädagogen ist da, aber wo sind die Stellen?
Wo werden sie ausgeschrieben? Kommt man da nur mit Beziehungen rein?
Ich hatte mir vom Arbeitsamt mehr versprochen; man hat den Eindruck, sie interessieren sich nicht für die Arbeitsuchenden.
Jedesmal, wenn sie mich eingeladen haben, waren angeblich keine Angebote da.
Ich habe auch schon auf Seiten der Wohlfahrtsverbände (Diakonie, Caritas) gesucht, die Stellenanzeigen waren zum größten Teil monatelang abgelaufen.
Ich möchte endlich arbeiten, habe mich jahrelang darauf gefreut...
cya, mt
StephanK
14.07.2006, 07:33
:welcome: cefi91,
mit dem Arbeitsmarkt für Deinen Beruf kenne ich mich nicht gut aus, um es gleich vorauszuschicken, also sind meine Überlegungen "auf dem Trockenen" angestellt.
Generell dürfte das Problem bestehen, dass für Dich vor allem öffentliche Einrichtungen als Arbeitgeber in Betracht kommen - und dort wird überall gekürzt und werden Stellen eingespart oder nicht wiederbesetzt :cry:
Stellenangebote lassen sich evtl. auch noch über Einrichtungen wie den Landschaftsverband (http://www.lwl.org/LWL/Der_LWL/Jobs) oder die Caritas (http://www.caritas.de/2353.asp) fniden; bei den kirchlichen Trägern ist natürlich das Problem, dass man oft der jeweiligen Kirche angehören muss...
Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit, überhaupt mal einen Zugang zum Berufsfeld zu bekommen, wenn Du einen reinen Verwaltungsjob in diesem Bereich übernähmest, denn die dürften etwas häufiger angeboten werden. Das ist zwar nicht besonders spannend, aber Du hättest einen "Fuß in der Tür", mehr Kontakte innerhalb einer Organisation und etwas in Deinem Lebenslauf, das jedenfalls besser ist als Arbeitslosigkeit.
Weiterer Gedanke: ehrenamtliche Arbeit. Ja, ich weiss: Selbstausbeutung... :sad: - aber die gerade genannten Argumente gelten auch dafür, vor allem das mit der praktischen Erfahrung. Dafür gibt es viele Möglichkeiten - um nur ein gerade aktuelles Stichwort herauszugreifen: Zusätzliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Gerade in der Situation mit "500 Bewerbern pro Stelle" ist Praxiserfahrung, egal auf welchem Weg erworben, bestimmt ein Plus gegenüber 300 anderen Bewerbern.
hi stefan,
danke für deine tipps,
das mit der verwaltungsarbeit habe ich schon versucht- da wird sozialarbeitern der vorzug gegeben, weil sie dafür speziell ausgebildet sind.
für praktika habe ich bewerbungen laufen- da muss ich abwarten.
ciao, cefi91
Hallo cefi91,
bin Diplom-Pädagoge und habe folgende Ideen:
1. Praktikum
2. privaten Arbeitsvermittler aufsuchen (mit Vermittlungsgutschein vom AA)
3. mit Arbeitsagentur/ARGE über:
- Einarbeitungszuschuss
- Lohnkostenzuschuss
- Arbeit auf Probe
- 1€-Job, falls dies bei Dir zutrifft
- ABM (selten geworden)
verhandeln bzw. anfragen.
4. Nach "Trainingsmaßnahme" (als Teilnehmer) AA fragen. Die Träger stellen auch Soz.-päds. ein. Ich habe im Jahr 2000 den Einstieg so geschafft, da ich mich präsentieren konnte. Einstiegsgehalt: ca. 1400.-€ brutto für 42 Std./Woche + x.
5. Freiberufliche Tätigkeit anmelden, bei Bildungsträgern sich anbieten (werden gerne genommen, da billiger).
6. Ehrenamtliche Mitarbeit bei Sozialverbänden und -trägern, Mitglied werden (TvöD-Verträge gibt es fast nicht mehr, Staat und Kommunen meist pleite, Spenden bei Verbänden sinken stark).
7. Du bist noch jung - erwäge einen Umzug nach Österreich (Infos beim Europa-Dienst des AA anfordern, Zeiten der Beschäftigung werden in BRD angerechnet). Nach einigen Jahren Berufserfahrung hier evtl. besserer Einstieg möglich. Möbliertes Zimmer nehmen. Markt in Österreich noch besser - Fremdenverkehrsregionen auswählen - dort sind Leute mit Geld (Kinderbetreuung).
8. Kinderbetreuung / Animation bei Reiseveranstaltern prüfen. Interesse an Reisebegleiter?
9. Blindbewerbungen an Bildungsträger etc. (oft schnelle Fluktuation, kurzfristiger Bedarf, dann sind nicht noch 509 andere Bewerber da - ausgeschriebene Stellen sind für Anfänger aussichtslos) - so hat bei mir die letzte Stelle funktioniert.
10. Vitamin B: Deine Kontakte zu (eingestellten) Studienkollegen nutzen.
11. Staatliche Schulen fangen an, Soz.-päds. einzustellen.
12. auf 400.-€-Basis anfangen bei Trägern, evtl. auch völlig berufsfremd (Schulbus beim Roten Kreuz fahren) - so leren sie dich kennen.
Viel Glück!
Hallo cefi91,
bin Diplom-Pädagoge und habe folgende Ideen:
1. Praktikum
2. privaten Arbeitsvermittler aufsuchen (mit Vermittlungsgutschein vom AA)
3. mit Arbeitsagentur/ARGE über:
- Einarbeitungszuschuss
- Lohnkostenzuschuss
- Arbeit auf Probe
- 1€-Job, falls dies bei Dir zutrifft
- ABM (selten geworden)
verhandeln bzw. anfragen.
4. Nach "Trainingsmaßnahme" (als Teilnehmer) AA fragen. Die Träger stellen auch Soz.-päds. ein. Ich habe im Jahr 2000 den Einstieg so geschafft, da ich mich präsentieren konnte. Einstiegsgehalt: ca. 1400.-€ brutto für 42 Std./Woche + x.
5. Freiberufliche Tätigkeit anmelden, bei Bildungsträgern sich anbieten (werden gerne genommen, da billiger).
6. Ehrenamtliche Mitarbeit bei Sozialverbänden und -trägern, Mitglied werden (TvöD-Verträge gibt es fast nicht mehr, Staat und Kommunen meist pleite, Spenden bei Verbänden sinken stark).
7. Du bist noch jung - erwäge einen Umzug nach Österreich (Infos beim Europa-Dienst des AA anfordern, Zeiten der Beschäftigung werden in BRD angerechnet). Nach einigen Jahren Berufserfahrung hier evtl. besserer Einstieg möglich. Möbliertes Zimmer nehmen. Markt in Österreich noch besser - Fremdenverkehrsregionen auswählen - dort sind Leute mit Geld (Kinderbetreuung).
8. Kinderbetreuung / Animation bei Reiseveranstaltern prüfen. Interesse an Reisebegleiter?
9. Blindbewerbungen an Bildungsträger etc. (oft schnelle Fluktuation, kurzfristiger Bedarf, dann sind nicht noch 509 andere Bewerber da - ausgeschriebene Stellen sind für Anfänger aussichtslos) - so hat bei mir die letzte Stelle funktioniert.
10. Vitamin B: Deine Kontakte zu (eingestellten) Studienkollegen nutzen.
11. Staatliche Schulen fangen an, Soz.-päds. einzustellen.
12. auf 400.-€-Basis anfangen bei Trägern, evtl. auch völlig berufsfremd (Schulbus beim Roten Kreuz fahren) - so leren sie dich kennen.
Viel Glück!
es ist schon schade, dass du als "akademiker" empfiehlst, als 400 euro jobber, ein euro kraft oder ehrenamtlich zu arbeiten oder praktikum zu machen. warum nicht gleich das diplom wegwerfen? ich denke, dass es ein skandal ist, dass sinnlos pädagogen, sozialarbeiter, germanisten, historiker, ...sprich geisteswissenschaftler ausgebildet werden, die definitiv niemand benötigt. ist es fair, wenn im amt die stellen unter der hand (unbefristet) vergeben werden und in der freien wirtschaft die gmbhs einen auszubeutenden nach dem anderen suchen, der für sie tätig wird. gerade in der arbeitslosenindustrie sahnen freie träger staatliche zuschüsse ab, um billige arbeitskräfte einzustellen und, um sinnlos arbeitslose leute zu --qualifizieren--- ganz nach dem motto: wenn du nur ein formular in händen hälst bekommst du einen job. es gibt definitiv nicht genug arbeitsplätze und das sollte man endlich begreifen und nicht als arbeitsloser auf anderen arbeitslosen "herumhacken"...nach dem motto: "wenn du suchst findest du auch einen job." glaub mir, es gibt keine fairen arbeitsplätze (mehr), jedenfalls nicht für sozialarbeiter, die einen fairen lohn wünschen. die guten jobs werden unter der hand vergeben. man müßte die professoren an den pranger stellen, die dicke gehälter verdienen und sinnlos leute auf den markt werfen! arbeit? ja, aber nicht um jeden preis und meine seele verkaufe ich nicht.:engel:
Rotkäppchen
28.02.2008, 00:24
Hallo Cefi,
du erkennst er richtig: Wir haben genug Arbeit und trotzdem gibt es keine. D.h., die Arbeit ist falsch verteilt weil das gesamte System eine verfahrene Kiste ist. Es muss von Grund auf neu gemacht werden. Dazu sollte man mit neuen politischen Parteien und neuen Politikern beginnen, denn die alten machen es so weiter bis es platzt. Tragischerweise haben sie auch noch als politische Parteien ein Monopol.
Ich kann dir sonst nicht sagen, wie man das Problem Arbeitslosigkeit, Unzufriedenheit, Kriminalität, Bildung (Schulschwänzerei, Demotivation), Armut, Schulden, Gesundheitswesen uvm. in einer anderen Form lösen kann.
Ich habe mich z.B. sehr für das Grundeinkommen interessiert und eingesetzt. Das würde unsere ganze Gesellschaft verändern. Sicherlich gibt es auch andere gute Ideen. Ich habe mich mit gleichgesinnten zusammengesetzt. Es werden Vorträge gehalten, es wird diskutiert, man lässt sich etwas einfallen. Alle hoffen, dass aus dieser Hoffnung, dieser Vision, eines Tages dadurch eine gesunde Gesellschaft entsteht. Auf Wunsch setze ich dir gerne meine Berichte über so einen Vortrag mal hier rein. Ich möchte bloß niemanden damit langweilen.
Was ich hiermit sagen möchte: Wenn kein anderes System kommt, lässt sich dein Problem nicht gründlich lösen. Nutze die Zeit, die du keine Arbeit hast, um dich für Neues einzusetzen. Gehe z.B. in die Politik, da brauchen wir dringend neue Leute, damit das so nicht weitergeht. Auch wenn es ehrenamtlich ist. Solange es zumindest Hartz IV noch gibt, ist es halbwegs möglich. Lass dir z.B. ein sehr gutes soziales System einfallen und finde ein paar Anhänger. Auf Dauer kann das auch dich das in Arbeit bringen.
Auf Dauer kann das auch dich das in Arbeit bringen.
hallöchen,
ich fand deinen beitrag wirklich sehr gut, denn du hast von grundeinkommen gesprochen. ich war allerdings erschüttert, als du im letzten satz das sagtest,was oben steht!
warum muß ich unbedingt in ARBEIT kommen? es gibt doch nun einmal nicht genug faire arbeit. ich bin auch ohne arbeit zufrieden und wünsche mir eine akzeptanz, auch unter arbeitslosen, dass ein leben auch ohne arbeit lebenswert sein kann. die linkspartei zu wählen ist das einzige, was ich tun kann, aber in einem arbeitskreis sitzen, in dem träumereien gesponnen werden, ist nicht mein ding. abschaffung der arbeitsämter, abschaffung der ein-euro-mafia, einführung eines grundeinkommens...ob ich das noch erlebe? der mensch ist nun einmal von grund auf schlecht und erfreut sich daran, schwächere zu treten. wenn alle ein euro jobber sich wehren würden, sähe es schon besser aus in diesem land. nach dem motto: "stell dir vor es ist ein-euro-zeit und keiner geht hin!" aber nein, statt dessen passen sich alle an und rennen der "kohle" und der pseudo-anerkennung hinterher.:shock::shock::shock:
Rotkäppchen
08.03.2008, 22:16
In diese Arbeitskreisen, in denen Träumereien gesponnen werden, entstanden alle neuen Ideen, so auch das Grundeinkommen. Gäbe es die Spinner nicht, geht das Leben so weiter wie bisher.
Glaubst du wirklich, die Linke bringt etwas Neues? Ich meine immer, die richtige Partei ist nicht dabei und gehe schon seit Jahren nicht mehr wählen. Ich meine, nur so kann das Monopol unserer politischen Parteien gebrochen werden.
Warum erschreckt es dich, wenn dich dein Hobby, deine ehrenamtliche Arbeit, in Arbeit bringen kann? Ich finde, Arbeit sollte Spaß machen. Wenn Arbeit mit Geldverdienen verbunden ist, ist das doch die ideale Kombination.
Sag mal, glaubst du, dass mit einem Grundeinkommen keiner mehr Arbeiten geht?
In diese Arbeitskreisen, in denen Träumereien gesponnen werden, entstanden alle neuen Ideen, so auch das Grundeinkommen. Gäbe es die Spinner nicht, geht das Leben so weiter wie bisher.
Glaubst du wirklich, die Linke bringt etwas Neues? Ich meine immer, die richtige Partei ist nicht dabei und gehe schon seit Jahren nicht mehr wählen. Ich meine, nur so kann das Monopol unserer politischen Parteien gebrochen werden.
Warum erschreckt es dich, wenn dich dein Hobby, deine ehrenamtliche Arbeit, in Arbeit bringen kann? Ich finde, Arbeit sollte Spaß machen. Wenn Arbeit mit Geldverdienen verbunden ist, ist das doch die ideale Kombination.
Sag mal, glaubst du, dass mit einem Grundeinkommen keiner mehr Arbeiten geht?
sag mal, wo genau ist dein problem? das kann doch nicht wahr sein, dass du dich diesem system entgenstellen willst, indem du NICHT wählst. weil alle intelligenten (trotzigen) leute , die nicht wählen gehen, offenbar soo denken, darf sich die CDU stärkste partei nennen! ich wähle auch weiterhin links und kann dies auch nur allen arbeitslosen empfehlen. leider hast du vieles von dem, was ich gesagt habe nicht verstanden. noch einmal: warum muss ich unbedingt in Arbeit kommen ?-und dann noch über eine ehrenamtliche tätigkeit?????- informier dich mal bitte: die personen, die ehrenamtlich tätig sind, sind berechnende gymnasiaten oder verbeamtete und nun pensionierte arbeitnehmer, die in gut bezahlten stellungen waren und nun etwas an die gesellschaft zurückgeben wollen--oder in die gesellschaft hinein wollen mit einer art eintrittskarte! es ist auch gut, dass es solche menschen gibt, aber ich kann damit für mich nichts anfangen, im übrigen kenne ich auch keinen arbeitslosen mitdreißiger, der ehrenamtlich tätig ist und zudem arbeitslos ist.verabschiedet euch endlich von dem hohen gut: ARBEIT,ARBEIT über alles.noch einmal: der staat hält arbeitsplätze knapp, damit es einen kampf um die verbleibenden plätze gibt. gerade die frauen merken heutzutage leider nicht, dass der kampf ueber das äußere anfängt. wer den höchsten marktwert hat, bekommt den job. wer da mitmacht, macht sich zum sklave des kapitalismus! die medien sind eine wichtige waffe des staates, um meinungen und klischees zu transportieren.
Rotkäppchen
16.03.2008, 17:19
Tatsächlich stelle ich mich diesem System entgegen, indem ich nicht wählen gehe. Keine einzige Partei hat nämlich vor, dieses System zu ändern. Ich kann hinter keiner einzigen Partei voll dahinter stehen. Und wenn alle Leute nicht wählen gehen würden (und so langsam ist das der Fall), würde das politische Monopol gebrochen werden. Du sagst, dass ich damit die CDU unterstütze, die CDU sagt, dass ich durch das Nicht-Wählen die Linke unterstütze. Eigentlich unterstütze ich damit nur den Bruch des Monopols.
Ich erinnere mich noch, wie Herr Koch vor den Wahlen in Hessen „die jugendlichen Kriminellen härter bestrafen wollte“, anstatt die Familien und die Erziehung zu unterstützen, damit es keine jungendlichen Kriminellen mehr gibt. Damit hat er die Leute zu den Urnen gelockt. Ganz gleich welche Partei, Hauptsache wählen gehen. Für oder gegen Koch. Es ist ja sowieso alles dasselbe. Fällst du wirklich auf so etwas rein?
Der Staat, und vor allem die Betriebe, halten sich tatsächlich ein Heer von Arbeitslosen zur Inflationsbekämpfung zur Haltung der Preise. Glaubst du, dass das irgend eine Partei ändern wird?
Warum du unbedingt in Arbeit kommen solltest? Sag mal, glaubst du wirklich, dass jede Kartoffel, die du isst, nicht gepflanzt und geerntet wurde, oder dass jedes Shampoo, das du benutzt, nicht hergestellt wurde? Wer glaubst du, hat das gemacht? Das ist alles durch Arbeit entstanden. Irgendjemand muss die machen, auch wenn du im besten System lebst. Die Arbeit soll aber keine Versklavung sein. Sie sollte im erlernten und geliebten Beruf sein und – wenn es nicht so viel Arbeit gibt – nicht 40 Stunden die Woche ausgeübt werden. Trotzdem muss man davon aber leben können und jeder sollte so viel arbeiten gehen wie er möchte und wie er Geld benötigt. Jeder kann etwas, jeder hat etwas, das ihm Spaß macht. Dadurch sollte man in Arbeit kommen.
Ich mache viel ehrenamtlich, so auch die Hilfe für Erwerbslose. Das hat mir bisher keine Eintrittkarte in die höhere Gesellschaft gebracht. Im Gegenteil. Oft werde ich bei Hilfestellungen angepöbelt und aus einem Forum wurde ich schon vergrault. Das mache ich auch nicht, um in die höhere Gesellschaft zu kommen. Wo kämen wir denn hin, wenn keiner gibt und nur nimmt? Solche Leute braucht die Gesellschaft nicht; sie wird dadurch vernichtet. Ich war keine Beamte, ich bin keine berechnende Gymnasiastin und noch keine Rentnerin. Ich gebe gerne und ich nehme auch, wenn man es mir gibt. Und du wirst dich wundern: Alles, was ich bedingungslos gebe, bekomme ich auf irgend eine ganz andere Weise wieder zurück. Ich fühle mich auch sehr glücklich, obwohl ich alleinstehend bin, verwitwet und geschieden bin, die Kinder alleine groß gezogen habe, mit Ende fünfzig meine langjährige Stellung verloren habe, noch nicht in Rente gehen kann und einen riesigen Weltwirtschaftscrash auf uns zurollen sehe. Zugegeben: Als ich hart arbeiten musste und die Kinder noch kleiner waren, konnte ich auch keine ehrenamtlichen Tätigkeiten ausüben, weil es zeitlich nicht ging. Das System ließ es nicht zu.
[quote=Rotkäppchen;135157]Tatsächlich stelle ich mich diesem System entgegen, indem ich nicht wählen gehe. Keine einzige Partei hat nämlich vor, dieses System zu ändern.
Warum du unbedingt in Arbeit kommen solltest? Sag mal, glaubst du wirklich, dass jede Kartoffel, die du isst, nicht gepflanzt und geerntet wurde, oder dass jedes Shampoo, das du benutzt, nicht hergestellt wurde? Wer glaubst du, hat das gemacht? Das ist alles durch Arbeit entstanden. Irgendjemand muss die machen, auch wenn du im besten System lebst.
Die Arbeit soll aber keine Versklavung sein. Sie sollte im erlernten und geliebten Beruf sein und – wenn es nicht so viel Arbeit gibt – nicht 40 Stunden die Woche ausgeübt werden.
Ich mache viel ehrenamtlich, so auch die Hilfe für Erwerbslose. Das hat mir bisher keine Eintrittkarte in die höhere Gesellschaft gebracht.
[quote=Rotkäppchen;135157]Tatsächlich stelle ich mich diesem System entgegen, indem ich nicht wählen gehe. Keine einzige Partei hat nämlich vor, dieses System zu ändern.
Dann sieh dir mal bitte das programm der linkspartei an, dann siehst du das sie gute vorschläge haben. (besteuerung der reichen, weg mit hartzIV,..) aber stell dich ruhig "dem system entgegen", indem du nicht wählst.
Warum du unbedingt in Arbeit kommen solltest? Sag mal, glaubst du wirklich, dass jede Kartoffel, die du isst, nicht gepflanzt und geerntet wurde, oder dass jedes Shampoo, das du benutzt, nicht hergestellt wurde? Wer glaubst du, hat das gemacht? Das ist alles durch Arbeit entstanden. Irgendjemand muss die machen, auch wenn du im besten System lebst.
ich weiß nicht, was du mir damit sagen willst?? ich bin kein bauer und auch kein fabrikarbeiter. zudem gibt es maschinen, die der industrie dienlich sind und die menschliche handarbeit unnütz machen.
Die Arbeit soll aber keine Versklavung sein. Sie sollte im erlernten und geliebten Beruf sein und – wenn es nicht so viel Arbeit gibt – nicht 40 Stunden die Woche ausgeübt werden.
Ich mache viel ehrenamtlich, so auch die Hilfe für Erwerbslose. Das hat mir bisher keine Eintrittkarte in die höhere Gesellschaft gebracht.
ich sehe ein-euro jobs als moderne sklaverei an! -oder findest du es richtig, das du dem bertrieb bis zu 500 euro monatlich einbringst? wer freiwillig soziales tut, der ist ein guter mensch. sehe ich ein! in meinem erlernten beruf kann ich aber leider nicht arbeiten, weil mein marktwert leider nicht so hoch ist und weil ich keine beziehungen habe. eine unbezahlte tätigkeit würde MICH sehr unglücklich machen, weil, warum soll ich für lau arbeiten, während sich eine festangestellte die BAT -tarif in die tasche steckt. ich finde es schade, das du so argumentierst, wie es leider viele frauen machen. ich brauche mich nicht zu verstecken! deine argumentation hört sich leider etwas altmodisch an. gleiches geld für alle wäre eine gesündere forderung. :shock::shock:
ich sehe ein-euro jobs als moderne sklaverei an!
*** Ich mische mich kurz ein :) Du bist nicht allein mit dieser Meinung. Eigentlich ist die Idee dahinter gar nicht so schlecht. Wenn man schon lange Arbeitslos war, ist man eingentlich froh wenn man wieder was zu tun hat und noch besser wenn es für die Allgemeinheit ist.
Leider werden die EEJs von der ARGE total missbraucht und man findet sich wieder beim Träger und tippt alte, dämliche, nutzlose Listen ab, die schon 50 EEJobber davor schon abgetippt haben. Das ist mir nämlich passiert. Ich war sowas von sauer, dass ich mich am nächsten Tag gleich krankgemeldet habe und es so lange durchgezogen habe, bis mein SB mich darausgeholt hat.
gleiches geld für alle wäre eine gesündere forderung. :shock::shock:
*** Na ja, ich glaube nicht, dass das funktioniert. Denn bald hätten wir gar keine Ärtze, Ingenieure o.ä. mehr ... denn ich denke schon, dass Entlohnung was mit dem Grad an Verantwortung, die man auf der Arbeit hat, zu tun haben sollte.
LG,
Monika
Rotkäppchen
24.03.2008, 19:30
Die EEJobs sind moderne Sklaverei zur Bewahrung des Systems. Die Löhne müssen sinken, und die EEJobs sind dafür erfunden worden. Wenn andere Parteien sie abschaffen wollen, wird es woanders scheitern. An der Wettbewerbsfähigkeit, an der Wirtschaft, am System z.B. Auch andere Parteien werden es sich überlegen, ob sie das wirklich das tun werden, das sie versprechen.
D.h., wenn du die EEJobs abschaffst, brauchst du ein ganz neues System. Und das bringt z.Z. keine einzige politische Partei. Das ist nicht einmal im Gespräch und die meisten Einwohner laufen blind durchs Leben. Deshalb mein Protest, nicht wählen zu gehen (anstatt "irgend etwas zu wählen, Hauptsache wählen"), damit das System stürzt und etwas Neues kommen kann. Und vor allem: Befasse dich mit Neuem, denn irgendwann stürzt das System auch ganz von alleine. Dann sollte zumindest das Licht am Endes des Tunnels stehen.
Rotkäppchen
25.03.2008, 03:33
[quote=Ona007;136264]
ich sehe ein-euro jobs als moderne sklaverei an! -oder findest du es richtig, das du dem bertrieb bis zu 500 euro monatlich einbringst? wer freiwillig soziales tut, der ist ein guter mensch. sehe ich ein! in meinem erlernten beruf kann ich aber leider nicht arbeiten, weil mein marktwert leider nicht so hoch ist und weil ich keine beziehungen habe. eine unbezahlte tätigkeit würde MICH sehr unglücklich machen, weil, warum soll ich für lau arbeiten, während sich eine festangestellte die BAT -tarif in die tasche steckt. ich finde es schade, das du so argumentierst, wie es leider viele frauen machen. ich brauche mich nicht zu verstecken! deine argumentation hört sich leider etwas altmodisch an. gleiches geld für alle wäre eine gesündere forderung. :shock::shock:
Du verdrehst meine Worte. Ich bin nicht für EEJobs und ich finde nichts davon richtig! Ich bin für ein ganz neues System, weil das jetzige diese EEJobs zwecks Lohndumping erforderlich macht! Wie kommst du darauf, dass ich das richtig finde? Habe ich dir nicht auch schon mal geholfen, einen EEJ loszuwerden?
Wer freiwillig Soziales tut, muss kein guter Mensch sein. Hier verwechselst du etwas. So manch einer tut das aus Prestige. Ich hatte dir aber erklärt was ich tue. Ich leite kein Altersheim und kein Rotes Kreuz, in dem EEJobber beschäftigt werden, und auch kein Club mit Angestellten oder EEJobbern. Ehrenamtlich leiste ich hier oft Hilfe für Erwerbslose. Bin ich deshalb unbedingt ein guter Mensch? Wo kämen wir eigentlich ohne den vielen ehrenamtlichen Hilfen hin?
Sag mal, kann das sein, dass du Ehrenamt mit Trägern von öffentlichen Einrichtungen verwechselst?
StephanK
25.03.2008, 09:01
Ich bin für ein ganz neues System, weil das jetzige diese EEJobs zwecks Lohndumping erforderlich macht!Das sehe ich nicht so. 1-€-Jobs mögen da und dort vielleicht einen gewissen Druck auf den unteren Rand der Lohnskala ausüben, doch ist das meiner Meinung nach allenfalls eine Nebenwirkung, aber nicht ihr Zweck.
Der Zweck ist aus meiner Sicht ein zweifacher:
1) In rein ökonomischer Hinsicht bieten sie den Einrichtungen und Organisationen, die sich bisher stark auf Zivildienstleistende gestützt haben, einen teilweisen Ersatz dafür, dass die Zivis weniger werden und nur noch kurz dienen. Insofern wirken sie wie ein "Arbeitsdienst light":
2) Wichtiger ist der ideologische Zweck (wer mit dem Begriff ideologisch nix anfangen kann mag meinetwegen sittenbildend dazu sagen). Franz Müntefering hat das sinngemäß so beschrieben, dass Sozialleistungen nur derjenige erwarten könne, der bereit sei, dafür eine Gegenleistung zu erbringen. Darin drückt sich eine Traditionslinie aus, die von Apostel Paulus (2. Brief an die Thessaloniker (http://www.diebibel4you.de/apostel/2thess.html)) über einen der SPD-Urväter, nämlich August Bebel (http://www.mlwerke.de/beb/beaa/beaa_000.htm), bis zu Schröder, Müntefering und auch Lafontaine reicht.
Es lohnt die kleine Mühe, sich mal bewusst zu machen, woher diese "Vergötterung" von Arbeit eigentlich kommt. Ist es nicht erstaunlich, dass sie auch von Leuten kommt, die gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne gekämpft haben und daher wissen müssten, dass Arbeit kein "Wert an sich" ist?
Auf der "linken" Seite des politischen Spektrums stammt diese Vergötterung der Arbeit daher, dass es ein Misstrauen und eine grundsätzliche Kritik gegen Einkommen gibt, das ohne Arbeit erzielt wird, z.B. das Einkommen von Grundbesitzern, von Inhabern von Unternehmensbeteiligungen usw. Es wird als unfair empfunden, dass Menschen (oft hohe) Einkommen erzielen ohne nennenswerten eigenen Arbeitseinsatz. Die Skepsis gegenüber Einkommen, das nicht selbst erarbeitet wird, rührt also aus dem Gerechtigkeitsempfinden her.
Auf der "rechten" Seite des politischen Spektrums spielt eher die Überzeugung eine Rolle, dass "kleine Leute" dann "auf dumme Gedanken kommen", wenn sie nicht in eine feste Arbeitsorganisation eingebunden sind und ihr Geld "sauer verdienen" müssen (wofür man natürlich bei Grundbesitzern usw. eine Ausnahme macht).
So unterschiedlich die Ausgangspunkte sind treffen sich beide Anschauungen darin, dass Sozialleistungen ohne Gegenleistungen nicht (mehr) sein sollen.
Wer freiwillig Soziales tut, muss kein guter Mensch sein. Hier verwechselst du etwas. So manch einer tut das aus Prestige.Dieser Hinweis ist ganz richtig. Für ehrenamtliche Arbeit kann es die unterschiedlichsten Motive geben, und meistens ist auch ein Teil "egoistischer" Motivation dabei - was ich im übrigen für völlig legitim halte.
Ich denke, es besteht Anlass zu überlegen, wie sich die "1-€-Jobs" auf ehrenamtliche Arbeit auswirken. Meiner Meinung nach haben sie eine korrumpierende Wirkung. Damit meine ich keineswegs die 1-€-Jobber selbst, denn der eine Euro (oder ein klein wenig mehr) ist wirklich nichts anderes als eine Mehraufwandsentschädigung und macht diese "Jobs" nicht attraktiv. (Wenn die 1-€-Jobber selbst sie attraktiv finden, dann deswegen, weil sie ihnen das Gefühl geben, nützlich und nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein.)
Nein, korrumpierend wirken sie auf die Organisationen, die 1-€-Jobber beschäftigen. Diese Organisationen gewöhnen sich nämlich daran, für Arbeitskräfte nicht nur nichts bezahlen zu müssen, sondern zusätzlich auch noch Geld dafür zu bekommen, dass sie bei ihnen arbeiten "dürfen". Das verdirbt die Sitten und kann zumindest dazu führen, dass man ehrenamtliche Mitarbeiter links liegen lässt und sich lieber auf 1-€-Jobber stützt, die zum einen noch "Geld mitbringen" und zum anderen weisungsgebunden sind, die man sich also nicht "warm halten" muss. Darin sehe ich eine Gefahr für die ehrenamtliche Arbeit - jedenfalls in manchen Bereichen.
Rotkäppchen
26.03.2008, 01:26
Ja Stephan, da teilen sich unsere Meinungen. Bereits gleich nach Einführung der EEJobs kann ich mich erinnern, in den Nachrichten die Meldung gehört zu haben: „EEJobs vernichten unsere Arbeitsplätze, Hartz IV verursacht mehr Arbeitslosigkeit“. Das hatte irgend eine Studie ergeben. Ich kann mich auch erinnern, dass ich vor ca. 1 ½ Jahren mal die Angie in einem Vortrag hörte, wie sie sagte: „Das Konzept sollte überdacht werden“. Auch die Frage nach einem Mindestlohn ist schon lange im Gespräch und es kommt nichts. Wenn Einsichten so lange bestehen und nichts geändert wird, dann ist eine Änderung m.E. auch nicht gewünscht, weil irgend jemand einen gewaltigen Nachteil hat. Daher meine Erkenntnis: 1. Die Löhne müssen sich in Europa zwecks Wettbewerbsfähigkeit angleichen (Lohndumping durch EEJobs), und 2. Die Inflation soll bekämpft werden (ALG II verursacht Rezession – Bekämpfung der Inflation durch Rezession).
Gerne darfst du für eine Sozialleistung eine Gegenleistung bringen, aber bitte freiwillig und ehrenamtlich, wenn damit keine Arbeitsplätze gefährdet werden. Wenn ich ehrenamtlich Sterbenshilfe leiste, weil ich das gut kann, dann nehme ich niemandem den Arbeitsplatz weg. Wenn ich im Vorstand des Kulturvereines bin und Vorträge auf Spendenbasis zur Deckung der Unkosten und 2 x jährlich die Sonnenwende organisiere, dann ist das auch Arbeit, die kein Arbeitsplatz raubt. Wenn ich eine Friedensinitiative gründe und mit anderen Menschen trainiere, wie man innerlich friedlich wird, dann ist das auch freiwillig, ehrenamtlich, raubt kein Arbeitsplatz und man sehe es als mein Beitrag für die Sozialleistung, sofern es keine bezahlte Arbeit für mich gibt. Und wer das nicht will, der soll das nicht machen.
Das Problem ist, dass man unter „Arbeit“ immer eine Geldeinnahme versteht. Wer kein Geld verdient, ist faul, so die Ansicht der meisten Leute. Jede Hausfrau, jede Mutter, macht „nur“ die Hausarbeit und zieht „nur“ die Kinder groß. Eigentlich ist jede Tätigkeit „Arbeit“. Man verwechselt „Arbeit“ mit „Einnahme“. Jede Art von Arbeit muss aber sein. Für unser Leben und Überleben. Es muss aber unbedingt ein anderes System her, denn so wie es jetzt ist, funktioniert es nur in einer sehr unzufriedenstellenden Form.
StephanK
06.04.2008, 12:20
Diese Diskussion ist zwar ein wenig schleppend geworden, aber meiner Meinung nach trotzdem wert, fortgesetzt zu werden. Daher meine Erkenntnis: 1. Die Löhne müssen sich in Europa zwecks Wettbewerbsfähigkeit angleichen (Lohndumping durch EEJobs),"sich" (!) angleichen tun die Löhne zum guten Teil, denn sie hängen mit der Produktivität zusammen. Das lässt sich recht gut in den neuen EU-Mitgliedstaaten in Mitteleuropa beobachten wie z.B. Tschechien oder der Slowakei: Veraltete Industrieanlagen werden modernisiert, die Produktivität wächst und mit ihnen die Löhne (jedenfalls in dem Maß, wie die Investitionskosten für die Anlagenmodernisierung es erlauben). Gleichzeitig wächst die Arbeitslosigkeit, denn die gesteigerte Produktivität bedeutet nicht ohne weiteres, dass die Absatzmöglichkeiten in gleichem Maße wachsen. D.h. um ein bisschen mehr Güter zu produzieren braucht man nicht mehr oder sogar eher weniger Leute.
Innereuropäisch gibt es zwar schon auch die Frage der Wettbewerbsfähigkeit, aber die Unterschiede sind nicht sehr groß (wofür z.B. europaweite Standards auf vielen Gebieten sorgen). Zumindest für große Unternehmen sind Vergleichsmaßstab eher die Produktionskosten in China oder in Indien.
Eine europäische Angleichung allein beseitigt das Problem also nicht - was allerdings nicht gegen (differenzierte) Mindestlöhne spricht.
Gerne darfst du für eine Sozialleistung eine Gegenleistung bringen, aber bitte freiwillig und ehrenamtlich, wenn damit keine Arbeitsplätze gefährdet werden. (...)
Das Problem ist, dass man unter „Arbeit“ immer eine Geldeinnahme versteht. Wer kein Geld verdient, ist faul, so die Ansicht der meisten Leute. Jede Hausfrau, jede Mutter, macht „nur“ die Hausarbeit und zieht „nur“ die Kinder groß. Eigentlich ist jede Tätigkeit „Arbeit“. Man verwechselt „Arbeit“ mit „Einnahme“. Jede Art von Arbeit muss aber sein.Damit sprichst Du ein Problem an, das groß ist, weil es dabei nicht nur um wirtschafts-, sondern auch um gesellschaftspolitische Grundsätze und Überzeugungen geht.
Ich glaube eigentlich nicht, dass Arbeit und (Geld-) Einnahme verwechselt werden, sondern dass die Grenzlinie zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit sich verschoben hat. Vor 30 oder 35 Jahren war es noch relativ selbstverständlich, dass ein (typischerweise männlicher) Arbeitnehmer auch mit einer relativ einfachen Tätigkeit so viel verdiente, dass er einen Partner und ein oder zwei Kinder davon miternähren konnte. Das war allgemein so akzeptiert. Volkswirtschaftlich gesprochen bedeutet das, dass die sog. reproduktive Arbeit (Hauswirtschaft, Erziehung, Pflege) von der produktiven Arbeit mitfinanziert wurde. (Nur für kinderreiche Familien gab's schon seit den 50er Jahren Extra-Zuwendungen.)
Dieser Konsens ist zerbrochen. Heutige Löhne sind fast nur noch am Bedarf des einzelnen Lohnabhängigen ausgerichtet. Nur noch relativ hohe Löhne reichen aus, eine ganze Familie zu finanzieren, ohne dass der/die Partner/in auch arbeiten muss, um das nötige Geld heranzuschaffen (wobei natürlich auch vom individuellen Anspruchsniveau abhängt, was "nötig" ist). Familienbezogene Lohnbestandteile gibt es nur im öffentlichen Dienst, für alle anderen wird die finanzielle Belastung durch eine Familie nur steuerlich berücksichtigt, was gerade in den unteren Lohnbereichen wenig oder gar nichts bewirkt.
Die logische Folge war, dass es immer schwieriger wurde, unbezahlte Arbeit im Haushalt, in der Familie, in der Pflege von Angehörigen zu leisten. Der Staat reagiert darauf in der Weise, dass er diese Arbeit nun teilweise direkt oder indirekt bezahlt über Erziehungsgeld, Pflegegeld, die Berücksichtigung solcher Zeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung usw. Allerdings ist diese Bezahlung nie wirklich angemessen und das ist auch so politisch gewollt. Die Begründung dafür ist, dass man befürchtet, die "rein menschliche" Motivation solcher Tätigkeiten (also z.B. Solidarität innerhalb der Familie) und damit auch ihre Qualität würde leiden, wenn die Menschen sie nur noch leisteten, weil sie dafür eine finanzielle Gegenleistung erhalten. Ob und wie plausibel diese Befürchtung ist lässt sich m.E. nur sehr schwer einschätzen, aber sie ist jedenfalls ein wichtiger Gesichtspunkt bei den politischen Entscheidungen über Leistungen wie die oben genannten.
Vermutlich bin ich mit Rotkäppchen einer Meinung wenn ich feststelle, dass es in dieser Gesellschaft eine Menge Arbeit gibt, die eigentlich getan werden müsste, die aber trotzdem liegen bleibt. Überwiegend ist das Arbeit, deren Produkte nicht auf dem Markt verkäuflich sind und überwiegend ist es Arbeit am Menschen oder mit Menschen: Dazu gehört der ganze Bereich von Pflege, Betreuung, Erziehung im weitesten Sinne, aber auch Teile des Umwelt- und Naturschutzes und der Pflege und Erhaltung von Kulturgütern. Ein Teil dieser Arbeit wird von staatlichen oder staatlich finanzierten Einrichtungen geleistet (die Frage, wie gut oder schlecht lasse ich bewusst außen vor). Die Steuergelder dafür (die weitgehend aus der bezahlten Lohnarbeit stammen) sind aber knapp, und auch das ist politisch so gewollt, denn niemand zahlt gern hohe Einkommen- oder Umsatzsteuer.
Es ist eine schwierige Frage, wie man diese nicht marktgängige, aber nachgefragte und notwendige Arbeit finanzieren könnte ohne unerwünschte Wirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Bisher wurden nur sehr zaghaft und in eng begrenzten Einzelbereiche Anreize geschaffen (z.B. für das freiwillige soziale Jahr). Der Gesetzgeber fürchtet sich vor den Kostenfolgen, aber anscheinend noch mehr davor, dass der Anreiz für regulär bezahlte Erwerbsarbeit schwinden könnte. (Ich halte die zweite Befürchtung für unbegründet, kann das jetzt aber nicht ausführen, weil ich kein Buch schreiben will...)
Ein Vorschlag dazu ist das bedingungslose Grundeinkommen. Dieses würde es mehr Menschen ermöglichen, sich z.B. auf eine Teilzeit-Erwerbsarbeit zu beschränken und den Rest ihrer Zeit den genannten Aufgaben zu widmen ohne dafür Geld verlangen zu müssen. In dieser Hinsicht scheint mir die Grundeinkommens-Idee auch sehr attraktiv. Über ihre anderen Voraussetzungen und Implikationen und die damit verbundenen Probleme ist damit allerdings nichts ausgesagt.
Waldemar41
10.04.2008, 15:43
Interessant, dass hier endlich ein Mal der gängige Fehler der Gesellschaft angesprochen wird Arbeit mit der Einnahme von Geld zu vergleichen. Ich denke es können sich nur die wenigsten den stressigen Tag einer Hausfrau & Mutter vorstellen. Aber bezahlt wird sie dafür leider gar nicht obwohl sie es selbstverständlich verdienen würde.
es ist schade, dass die diskussion, die sich um arbeitslose akademiker drehte abgedrift ist und plötzlich der wert des ehrenamtes oder die ein euro jobs besprochen wurden. warum kann man in deutschland eigentlich nicht in die vhs oder in den verein gehen und sagen:"ja, ich bin auch einer vom heer der arbeitslosen und ich bin nicht selbst dran schuld, habe ein studium gemacht und bin nie anstellig geworden außer freie verträge o.ä....na und?!) man muss sich definitiv verstecken und kann sich wie ein straftäter in dieser "malocher"-gesellschaft fühlen, wenn man keine festanstellung hat. dafür haben gerd schröder, f. müntefering und co. gesorgt mit ihrer agenda und dem loblied auf die arbeit. nein, es muss kein gegenwert erbracht werden für die transferleistung. und wenn einer doch der meinung ist, gut- aber nicht indem die (oft leider auch kirchliche) gmbhs kohle für die arbeitslosen beziehen und wenn- dann auch nur freiwillige jobber.
-ich muss nicht für 1 euro arbeiten, während andere tarifverträge haben
-ich muss mich nicht verstecken, sondern möchte ebenso akzptiert werden gerade auch in öffentlichen einrichtungen
-ich möchte nicht, dass mütter abeitslose gegen ein euro jobber oder "nichtstuer" ausspielen leider ist man heute als (arbeitslose) mutter eher akzeptiert als als arbeitsloser!!!
-ich möchte, dass die medien ihren kreuzzug gegen die götzenverherrlichung aufgeben (paris hilton, magermodels oder brad pitts mentalitäten,...) die dann als einzige masstäbe vergöttert werden
-das arbeitslose endlich netzwerke in den kommunen bilden und nicht nur kaffeetrinken o. rauchen und zur tafel gehen
-das nicht permanent noch mehr und mehr qualifikationen erwartet werden, um den besten mitarbeiter zu bekommen. die menschen sind nun einmal nicht alle gleich zur --perfektion-- fähig (lieber mal eine frisöse mit hauptschulabschluss nehmen als mit abitur)
-das arbeit nicht das wichtigste im leben ist ("wer soll die kartoffel ernten, wer hat das shampoo gemacht", solche dummschwätzerein muss ich hier nicht kommentieren):confused: genau solche leute sind es, die mit dem finger auf mich zeigen
in der geschichte haben sich immer dümmere den schlauen unterworfen. solange die dummen sich nicht wehren, werden sie ausgebeutet! :-P
Hallo cefi91,
ziemlich hart, daß du schon so lange keine arbeit hast.
Ich drück dir Daumen, daß du schnell einen Job bekommst!
Mit den Arbeitsämter habe ich leider die Erfahrung gemacht, daß diese sich nur selbst
verwalten und viel unproduktives machen.
Natürlich interessieren sich die Sachbearbeiter im durchschnitt relativ wenig für den Arbeitssuchenden.Man könnt da beim Arbeitsamt viele Stellen streichen.
Alles Gute für deine Stellensuche!
LG WEGHARTZ
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