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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Handys dürfen schon lange nicht mehr klingeln


ALN - Robot
20.07.2006, 19:08
Das vom Bayerischen Landtag neu erlassene Handynutzungsverbot an Schulen ist ein heiß umstrittenes Thema in diesem Sommer. Manche halten es für sinnvoll, andere wiederum für das Gegenteil. Wir wollten...

Der Artikel zur Meldung hier... (http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/rss/meldung.shtml?rubrik=mz&id=70543)

Upsala
20.07.2006, 20:37
Und Andere gehen als schlechtes Beispiel voran. Wie z.B. der bayerische Minister Goppel! Nachdem die CSU-Mehrheit am Mittwoch gerade ein Handyverbot an bayerischen Schulen verabschiedet hatte, fiel der Minister durch ein Telefongespräch während der Plenardebatte auf. :patsch: Quelle (http://www.netzeitung.de/vermischtes/425487.html)

StephanK
21.07.2006, 07:44
Auch wenn Euer Ministerpräsident oft eine dozierende Art hat: Meinst Du wirklich, man müsse den Debatten im Maximilianeum mit der gleichen Aufmerksamkeit folgen wie dem Schulunterricht? :wink:

Upsala
21.07.2006, 09:56
Ich denke ein bißchen Aufmerksamkeit in den Debatten ist angebracht. :wink: Der neue Bildungsbericht lässt Bayern «alt» aussehen: In keinem anderen Bundesland drehen Schüler so viele Ehrenrunden wie im Freistaat. Das liegt sicher nicht nur an den Handys die an den Schulen in Betrieb sind, sondern mehr an den „unaufmerksamen“ Ministern, die nicht nur den traditionellen Trachtenvereinen durch Mittelstreichungen den Garaus machen wollen.
Er (SPD-Bildungssprecher Hans-Ulrich Pfaffmann) forderte CSU und Staatsregierung auf: "Wollen Sie sich endlich einmal um die Familien kümmern, die eben nicht so hohe Familieneinkommen haben, oder haben deren Kinder kein Recht auf eine gute Zukunftsperspektive? Wollen Sie endlich auch einmal für die Politik machen? Je höher die Arbeitslosigkeit in einer Region, umso mehr Kinder besuchen die Hauptschule. Wollen Sie denn nicht auch einmal wirtschafts- und strukturschwachen Regionen helfen, indem Sie die Familien, die arbeitslos sind, besser unterstützen? Es gibt in der Schule keine Zeiten mehr für Üben und Vertiefen für genau die Kinder, die keine Nachhilfe bezahlen können. Wissen Sie eigentlich, dass heutzutage aktuell über 20 % aller Grundschüler Nachhilfe erhalten?"
Nachzulesen bei der
BayernSPD (http://www.bayernspd-landtag.de/aktuell/presse_anzeigen.cfm?mehr=6656)

Tommi NRW
21.07.2006, 10:50
Gut, dass es zu meiner Schulzeit noch keine Handys gab :-) .
Heute dröhnt das gesamte Jamba-Angebot durch den Unterricht, während der Lehrer seinen Schützlingen etwas fürs Leben beibringen soll.
Ich halte es für selbstverständlich, dass Handys während des Unterrichts ausgeschaltet werden müssen. Im Notfall sind die Schüler per Sekretariat zu erreichen, wie früher auch.

Als ich in einer Weiterbildung war, ergab sich auch das Handyproblem. Die Ansage, dass es für Notfälle gestattet sei, brachte nichts.
Mit einem Mal war jeder Anruf ein Notfall.
Zu meiner Linken brummte laufend der Vibrationsalarm, zu meiner Rechten dudelten diverse Digitalsounds ab, die den vorgetragenen Unterricht übertönten. Da wurde der Termin für die Autoreparatur festgelegt und danach die Einkaufsliste entgegengenommen...usw...usw.
Der Bildungsträger musste unter Androhung von Ausschluss das Abschalten der Handys erzwingen. Wer dringend telefonieren müsse, sollte den Raum verlassen, damit nicht 35 Leute betroffen sind. In Notfällen informierte die Verwaltung den Teilnehmer sofort. Die Mehrheit war froh über diese Entscheidung.

Wenn ich mir vorstelle, wie es in einem Klassenzimmer stört, wenn erst die "bösen Tassen" losmaulen, sich danach der "angetrunkene Weihnachtselch" mit dem "lustigen Küken" ein Duett liefert, während der "Frosch" einen SMS-Eingang meldet, ist Unterricht nicht mehr möglich. Dann können wir die Schüler gleich zu Hause lassen. Unsere Pisastudie werden wir mit Handyklängen auch nicht aufpolieren.

Allerdings sollten Erwachsene mit besserem Beispiel vorangehen. In der oben Angesprochenen Weiterbildung waren ausschliesslich Erwachsene Teilnehmer, denen es z.T. an erforderlicher Disziplin fehlte. Auch beschäftigungslose Lehrer waren Teilnehmer der Massnahme, die nicht vom Handy lassen konnten. Den Kindern disziplinloser Erwachsener, wird es schwer beizubringen sein, den Schulunterricht nicht per Handy zu stören.

Manch ein Arbeitgeber erteilt seinen Mitarbeitern ebenfalls Handyverbot, weil es durch das Handy neben Arbeitszeitverlust und Unaufmerksamkeit auch zu Arbeitsunfällen kommt.

Ich persönlich kenne einen Fall aus der Gastronomie, wo man einem Lehrling nach mehreren Abmahnungen gekündigt hat, weil er seine Arbeit permanent durch SMSen grob vernachlässigt hat. Bis heute hat er keine neue Lehrstelle oder Arbeit gefunden.
So wäre es nicht schlecht, wenn man Schülern diese Unart im Vorfeld abgewöhnt, bevor sie im Berufsdleben mit Vorgesetzten und Kollegen zusammenrasseln.

Gruß Tommi

efge
21.07.2006, 11:41
Hallo Tommi aus NRW,

als es Mode wurde mit einem Handy laut telefonierend durch die Innenstädte zu schunkeln, glaubte ich zunächst, dass dort Menschen Selbstgespräche führten. ;-) Irgendwann verging mir auch der Spaß ins Kino zu gehen (abgesehen von den Megatüten voll mit Popcorn) weil es kein Genuss mehr war.

Wahrscheinlich jaulen selbst im Kölner Dom die Handys?! Vielleicht schicken wir mal unseren StephanK zum lauschen und anschließendem berichten dorthin. ;-)

Deinem Beitrag ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Mit Deinem Hinweis auf Disziplin hast Du den Finger in die Wunde gelegt, denn da läuft ordentlich etwas aus dem Ruder.

Betroffener
21.07.2006, 13:40
Den Ausführungen kann man sich nur anschliessen.

Eingeschaltete Handies haben an diversen Orten nichts verloren.
Und das hat mit "persönlicher Freiheit" in keiner Weise was zu tun.

Allenfalls für Mitarbeiter in Bereitschaftsdiensten, die den Vibratoralarm nutzen sehe ich eine Notwendigkeit - wobei dann wieder die Frage ist, ob die dann während des Bereitschaftsdienstes sich z.B. im Theater, Konzert oder Kino tummeln müssen.

In Schulen und Weiterbildungen haben Handies nach meiner Auffassung während der Unterrichtszeiten jedoch absolut nichts verloren.

efge
21.07.2006, 22:40
Im Notfall sind die Schüler per Sekretariat zu erreichen, wie früher auch.
Und genau da grüble ich, was sich seit Mitte der 90er an Notfällen in der BRD aufgetan hat, die heute nur noch per Handy zu regeln sind.

Sind es Massenhypnosen, Springfluten, Erdbeben, Vulkanausbrüche oder gar Erdrutsche in der Lüneburger Heide? Oder Quallenalarm im Harz?
Vielleicht besteht der Notfall auch nur darin, dass Kommunikation nicht mehr als Kommunikation betrieben wird? Hhm…

Wenn die Kassen der Mobilfunkbetreiber klingeln, dann kann ich die Art der einseitigen Kommunikation schon gut verstehen, egal ob mit lautem Getöse oder Vibration. Irgendwie rappelt es.

Betroffener
21.07.2006, 22:52
Bequemlichkeit, die Angst etwas zu versäumen, Ausgeschlossen zu sein, kein Spielgerät zu haben als Statussymbol verbunden mit dem heute offensichtlich vorhandenen Zwang absolute Nichtigkeiten als SMS oder verbal über Stunden breitgetreten als die absolute Wichtigkeit auszutauschen.
Und das täglich mehrfach neu.
Die Eltern bezahlens ja...

Alles irgendwie krank - finde ich.

Upsala
21.07.2006, 23:01
Sind es Massenhypnosen, Springfluten, Erdbeben, Vulkanausbrüche oder gar Erdrutsche in der Lüneburger Heide? Oder Quallenalarm im Harz? Du solltest Versicherungspolicen verkaufen. :engel:

Die junge Familie unter uns hat ein 6 Monate altes Baby. Neulich mußte ich sprachlos beobachten wie die Mutter mit dem vor den Bauch geschnallten Kind im Garten etwa 45 Minuten mit dem Handy am Ohr auf und abging. Dann kam sie, immer noch handyfonierend auf die Terrasse, übergab das Kind dem mit dem Schnurlostelefon sprechenden Vater. War wohl zu schwer auf die Dauer.
Ich glaub das Kind wird schon im Kindergarten Entzugserscheinungen haben, neben Kommunikationsproblemen.

StephanK
22.07.2006, 07:01
Wahrscheinlich jaulen selbst im Kölner Dom die Handys?! Vielleicht schicken wir mal unseren StephanK zum lauschen und anschließendem berichten dorthin.Ich bin dort zu selten, um es beurteilen zu können. :wink: In einer anderen Kirche der Stadt hat mich schon ein Plakat am Eingang zum Schmunzeln gebracht: "Gott ruft Dich - aber nicht per Handy! Also schalt' es aus!"
Bequemlichkeit, die Angst etwas zu versäumen, Ausgeschlossen zu sein, kein Spielgerät zu haben als Statussymbol verbunden mit dem heute offensichtlich vorhandenen Zwang absolute Nichtigkeiten als SMS oder verbal über Stunden breitgetreten als die absolute Wichtigkeit auszutauschen.Das sehe ich ganz ähnlich und lebe ganz gut ohne so ein Ding (und die damit verbundenen Kosten :-) . Aber die weite Verbreitung führt insofern zu einer Veränderung des Lebensstils, als mittlerweise als selbstverständlich erwartet wird, man verfüge über so ein Plapperphon. Motto: "Dann treffen wir uns zwischen acht und neun in der Stadt und klären den Treffpunkt kurzfristig per Handy ab." Wenn ich dann sage(n muss): "Tut mir leid, das geht nicht so ungefähr, weil ich kein Handy besitze, also sagen wir doch um neun in der Gaststätte XYZ" ernte ich gelegentlich ungläubiges Staunen. Aber das meiste funktioniert trotzdem...
Allenfalls für Mitarbeiter in Bereitschaftsdiensten, die den Vibratoralarm nutzen sehe ich eine Notwendigkeit - wobei dann wieder die Frage ist, ob die dann während des Bereitschaftsdienstes sich z.B. im Theater, Konzert oder Kino tummeln müssen.Als Arztgatte kenne ich diese Problematik ganz gut. Je nach Häufigkeit solcher Hintergrunddienste kann es schon eine ziemliche Einschränkung bedeuten, wenn man dann auf jegliche öffentliche Veranstaltung verzichten muss. Aber man kann so viel Vernunft aufbringen und sich überlegen, wo es ggf. zu sehr stören würde, wenn man herausgerufen wird und wo nicht...

efge
22.07.2006, 11:04
Aus beruflichen Gründen wurde ich Mitte der 1990er Jahre von meinem Arbeitgeber mit einem Handy beglückt, war jedoch nicht besonders glücklich darüber. Wenn’s dann klingelte und ich in der Stadt unterwegs war, habe ich mich etwas verschämt in einen Hauseingang gedrückt und dort telefoniert.

Jahre später, nachdem Hinz & Kunz mit den kleinen Nervschachteln ausgestattet waren, war es kaum möglich zeitlich verbindliche Verabredungen herbeizuführen. Jeder Depp entschuldigte sich kurz vorher per SMS oder Anruf. Hatte ich das Ding ausgeschaltet – weil ich nun nicht ständig als öffentliche Freiluft-Telefonzelle benutzt werden wollte – kam ständig der Vorwurf „Wenn du schon ein Handy hast, warum schaltest du es dann aus!!?“.

Im Jahre 2001 habe ich mich dann (ohne finanzielle Not) dieser Fessel entledigt. :-)

Betroffener
22.07.2006, 12:27
Ja,

ich hatte Anfang der 90iger so ein 8 Watt "Porty" im Auto eingebaut, das rund 7 Jahre hervorragend funktioniert hat - auch im Ausland. Nur damit herumspazieren war nicht wegen Größe und Gewicht. Und die ersten "Handies" hingen einem ja auch wie Blei in der Tasche.

Und in den Anfangszeiten von E-Plus - das war überwiegend deshalb so preiswert, weil man notfalls doch eine öffentliche Telefonzelle suchen musste :-) mangels Empfang, hatte Mensch immer eine gute Ausrede.

Aber dieser "Überall und immer" Erreichbarkeitswahn geht mir absolut auf den Senkel - da geht einem ausserberuflich sehr viel persönliche Freiheit verloren.

Ich habe meist ein Handy dabei - aber nicht damit ich unbedingt erreichbar bin, sondern damit ich notfalls bei Pannen oder sonstigem Ungemach Hilfe rufen kann.

Seit Beginn meiner Funktelefonzeit habe ich wohl erst 5 SMS verschickt :-)