Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Langzeitarbeitslose auf amtlichen Briefumschlägen bloßgestel
ALN - Robot
24.07.2006, 03:08
Mehrere tausend Wiesbadener ALG-II-Empfänger haben in den letzten Wochen und Monaten Schreiben vom Wiesbadener Amt für soziale Arbeit erhalten, bei denen schon auf dem Umschlag sichtbar wurde, in welcher Notlage sich die Empfänger befinden.
»Amt für soziale Arbeit, 51.500202 RAG II, Grundsicherung für Arbeitssuchende« lautete etwa der Aufdruck
– oder »Amt für soziale Arbeit, Leistungen zum Lebensunterhalt«.
Einige Empfänger sahen sich damit diskriminiert und protestierten öffentlich. Sie sehen sich mit diesem Aufdruck als Dauerarbeitslose bloßgestellt.
Denn damit könnten Briefzusteller, Nachbarn, Mitarbeiter der Poststelle im Rathaus oder auch Briefsortierer der Deutschen Post persönliche Daten über Menschen erfahren, die sie eigentlich nichts angehen,
so ein Betroffener gegenüber jW, der dieses Gebaren als »öffentliches Outing« brandmarkte.
Der Artikel zur Meldung hier... (http://www.jungewelt.de/2006/07-22/042.php)
StephanK
24.07.2006, 06:47
Auch wenn ich Datenschutz für eine sehr wichtige Aufgabe halte wird in diesem Fall meiner Meinung nach der Bogen überspannt.
Wenn ich Post von meiner ARGE erhalte, steht als Absender "ARGE Köln" darauf - wer oder was auch sonst? Und weil so gut wie alle Briefe der ARGE an "Hilfebedürftige" geschickt werden dürften, kann unsere Briefträgerin sich natürlich was dabei denken.
Das kann sie ebenso, wenn ich einen Brief von einem Inkassounternehmen bekomme.
Eine solche Absenderangabe ist auch sinnvoll, wenn Leute umziehen und ein Brief unanbringlich ist. Nur dann kann er nämlich zurückgeschickt werden.
Warum sollte sich jemand dafür schämen, dass er Post vom Alg II-Träger bekommt? Niemand muss sich dafür schämen, dass er eine Sozialleistung bekommt - und gerade von der jw hätte ich erwartet, dass sie einer solchen "Verschämte-Armut-Haltung" deutlich entgegentritt... :mymind:
InquisitorII
25.07.2006, 17:58
Jeder Langzeitarbeitlose muss ein Abzeichen tragen "HartzIV" und darunter klein "Sozialbetrüger".
Wer einem LZ-Arbeitslosen eine Wohnung vermietet oder mit ihm Geschäfte macht oder ihn einstellt, der muss mit ernsten Sanktionen rechnen.
Wer mit einem LZ zusammenwohnt wird zur Rechenschaft gezogen - notfalls der gesamte Wohnblock.
In den Medien ist immer wieder von diesen Sozialbetrügern die Rede und wie sie es alles schaffen und das Amt hintergehen...
Warum schreibe ich solchen Müll?
Also: Als Betroffener ist es mir mittlerweile schon nicht mehr ganz egal.
Tatsächlich werde ich von Leuten als Invalide behandelt: "Willst du dich denn nicht mal bewerben ?"
Die Qualität meiner Dienstleistungen (in geringem Umfang) wird infrage gestellt: "Der ist ja auch arbeitlos". Ein LZ-Arbeitloser kriegt keinen Job mehr, denn mit dem ist was faul.
Natürlich sind das sehr einfach gestrickte Menschen von denen sowas ausgeht. Allerdings regieren beim Anblick einer Behinderung (Arbeitslosigkeit) normalerweise die Instinkte, auch bei guter Intelligenz und Bildungsniveau.
auja das kenne ich auch.anstatt zuhause zu sitzen könntest du auch mal auf das arbeitsamt gehen.nimm doch mal so eine "dummschwätzer" mit und zeig ihm was dort abgeht.
mein schwiegervater war auch so jemand bewerbe dich doch endlich mal.er hat meine absagen zum lesen bekommen.
ich war vor meiner arbeitslosigkeit nachtauslieferfahrer.ein netter nachbar hat mit vorliebe seinen bekannten meine adresse gegeben ohne zu wissen was ich eigentlich gemacht habe.nach dem 5. anruf fragte ich den anrufer wer ihm die adresse gegeben hatte.am selben tag bin ich nach dem laden mit meinem LKW nochmal nach hause gefahren beim nachbarn geklingelt (war so um 0,30) um im zu sagen er solle mal aus den fenster schauen und nicht dauern an unbekannte meine tel.nummer geben.
StephanK
27.07.2006, 08:24
Tatsächlich werde ich von Leuten als Invalide behandelt: "Willst du dich denn nicht mal bewerben ?"Natürlich kenne ich solche von keiner Kenntnis getrübten Aussagen auch, und Du hast wohl auch recht mit der Aussagen, dass die Reaktion mancher Leute fast schon "instinkthaft" ist, was wohl aussagt, dass Vorurteile stark verfestigt sind.
Aber gerade bei solchen stark verfestigten Vorurteilen hilft keine defensive Haltung, keine "Verteidigungsstellung", denn es liegt im Wesen von Vorurteilen, dass die mit ihnen behafteten Menschen sich eher noch darin bestätigt fühlen, wenn man auf gleicher Ebene mit ihnen zu argumentieren versucht.
SIDs Beispiel einer offensiven Reaktion finde ich gut: Man muss auch mal "zurückschlagen" und unerwartet reagieren!
vBulletin® v3.8.7, Copyright ©2000-2012, vBulletin Solutions, Inc.