Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gebrauchte Ranzen für Hartz IV-Empfänger
ALN - Robot
26.07.2006, 21:10
Märkischer Kreis.
Ab sofort können in allen Betrieben der Gebrüder Nolte Gruppe im Märkischen Kreis gebrauchte Schulranzen abgegeben werden.
In den angeschlossenen Autohäusern in Iserlohn, Hemer und Lüdenscheid werden die Tornister entgegen genommen. Sie sind bestimmt für Kinder von Hartz IV-Empfängern aus dem Märkischen Kreis. Das soziale Engagement ist Nolte-Geschäftsführerin Petra Pientka und ihrer Familie eine Herzensangelegenheit.
„Wir unterstützen seit längerem verschiedene Organisationen, darunter auch christliche Einrichtungen und Institutionen“, erklärt Pientka.
Auch die Schulranzen-Aktion ist nicht neu für die Unternehmerin.
Bereits im vergangenen Jahr wurden gebrauchte Tornister in den angeschlossenen Autohäusern entgegen genommen und dann weiter geleitet beispielsweise in Länder des Baltikums, nach Uganda und Armenien – mit großem Erfolg.
Mehr als 300 gut gebrauchte Ranzen fanden über das Missionswerk Campus für Christus dankbare Abnehmer.
Die Idee, die vorbildliche Aktion jetzt für Anspruchsberechtigte Hartz IV-Empfänger zu organisieren, hatte Egbert Hinterberg.
Er ist Fallmanager bei der ARGE Märki-scher Kreis.
Er konnte die Autohändlerin dafür gewinnen, gebrauchte Schulranzen für Bedürftige aus dem Kreisgebiet zu sammeln.
„Ich habe die Leute täglich vor meinem Schreibtisch sitzen.
Sie erzählen mir oft, das kann ich mir jetzt nicht leisten, einen neuen Ranzen für die Einschulung meines Kindes zu kaufen.“ Also kam man ins Gespräch.
Der Artikel zur Meldung hier... (http://www.nrw-on.de/sauerland.php?kat=103&id=13017)
Nun gut, lieber einen gebrauchten Schulranzen, als keinen Schulranzen.
Ob es der „Nolte-Geschäftsführerin Petra Pientka und ihrer Familie eine Herzensangelegenheit“ sei, oder ob es sich hier um eine PR-Aktion der „angeschlossenen Autohäusern in Iserlohn, Hemer und Lüdenscheid“ handelt mag dahingestellt sein.
Bei Fotos auf denen sich die Samariter jedoch gerne ablichten lassen sträuben sich mir die (nicht vorhandenen) Nackenhaare.
Bereits im vergangenen Jahr wurden gebrauchte Tornister in den angeschlossenen Autohäusern entgegen genommen und dann weiter geleitet beispielsweise in Länder des Baltikums, nach Uganda und Armenien – mit großem Erfolg.
Und dieser Satz spricht für sich.
Die Ägypter
27.07.2006, 09:24
Oh nee...
bitte nicht auch hier die Unterscheidung zwischen inländischen und ausländischen bedürftigen Kindern...
In einem bestimmten anderen Forum hat mich eine Diskussion darüber kürzlich indirekt die Vereinsmitgliedschaft dort gekostet, weil ich es gewagt hatte, dazu meine Meinung zu vertreten und das würde ich auch hier tun!
Ansonsten... Werbung ist alles (und nichts)
Hallo Kristin,
da habe ich mich wohl etwas unkonkret ausgedrückt:
Und dieser Satz spricht für sich.
Stimmt so nicht, denn man kann in so oder so auslegen.
Meine Gedanken gingen eher dahin, dass wir – was Schulranzen anbelangt – nun auch davon reden können, dass wir armenische Verhältnisse haben?!
Dieser Hieb ging gegen „unseren Sozialstaat“ und nicht gegen Bedürftige in anderen Ländern.
Liebe Grüße
StephanK
27.07.2006, 12:21
"Tu Gutes und rede darüber" ... am besten mit einer Zeitung oder einem anderen Medienunternehmen, damit Du neben den "Punkten" für Dein christliches Seelenheil noch kostenlose Werbung dazu bekommst... Na ja, auch in dieser Hinsicht werden wir immer amerikanischer...
Trotzdem finde ich es ganz gut, wenn Kinder von Alg II-Beziehern auf diesem Weg wenigstens etwas zu ihrer "Schul-Erstausstattung" dazu bekommen.
Aber es verfestigt natürlich den Status als "Bittsteller", während doch angeblich Alg II das Notwendige abdecken soll... :x
während doch angeblich Alg II das Notwendige abdecken soll...
Darum haben die Tafeln z.B. ja auch so enormen Zulauf, die ALG2ler geben das viele Geld ja lieber für Luxusgüter & Weltreisen aus ;-)
Hallo Zusammen,
- außerdem wird dann auch sofort bei der Einschulung deutlich, bei welchen Kindern es sich um die Söhne und Töchter von ALG2 Empfängern handelt.
also ich persönlich bin gegen gebrauchte Schulranzen für Kinder von Alg2 Empfängern, nicht weil ich gebrauchte Dinge nicht schätze (habe meinen alten Tornister von früher noch immer und halte ihn in Ehren, wir beide haben ja schließlich viel zusammen durchgemacht immerhin so ca 10 Jahre) sondern weil ich denke das ALG2 Kinder dann schon von Angfang an gebrandmarkt werden.
und eine Firma die versucht durch solche Aktionen publicity zu bekommen, -dazu sage ich lieber nichts.
Meine Meinung
MfG
border
Die Ägypter
27.07.2006, 13:05
Meine Gedanken gingen eher dahin, dass wir – was Schulranzen anbelangt – nun auch davon reden können, dass wir armenische Verhältnisse haben?!
Dieser Hieb ging gegen „unseren Sozialstaat“ und nicht gegen Bedürftige in anderen Ländern.
Liebe Grüße
Das weiß ich doch effge,
nur wissen es auch andere? Mein Hinweis war rein vorbeugend 8)
Den Hinweis mit dem "gebrandmarkt sein" finde ich übrigens sehr treffend - die Frage ist nur... lässt sich das dauerhaft für unsere Kinder überhaupt vermeiden?
Ich habe mich neulich bei einer Bremer Mütter-Mailingliste angemeldet - eins der ersten Themen war gleich - die Anspruchshaltung Bremer Schulen zur "Erstausstattung" und eine Bremer Mutter berichtete ganz stolz, dass sie alles gekauft hätte - so wie es die Lehrer "vorgegeben" haben... Peli*an-Tuschkasten, Ge*a-Füllfederhalter usw.
Ich könnte es nicht - wer eigentlich?
Hallo Zusammen,
also es ist ja so das die primäre Sozialisation im Elternhaus und in der Schulzeit stattfindet.
- nun meine Theorie dazu, - wie sollen sich Kinder denen schon von früher Kindheit an bewußt ist anders wie andere zu sein, "mama,papa warum habe ich einen gebrauchten Tornister und die anderen haben alle einen neuen?", und auch darauf in der Schule dann von anderen Kindern hingewiesen werden (Kinder sind grausam) fühlen?
- diese Kinder wissen dann von Anfang an "mama, papa wir sind nur zweite wahl"
- sollten die Eltern nun auch weiterhin arbeitslos bleiben, werden die Kinder in auch in Ihrer Jugend und evtl. frühen Erwachsenenzeit darauf geprägt weiterhin 2 Klasse zu sein, - sicherlich werden einige dagegen ankämpfen und auch aus diesem Kreislauf ausbrechen können, aber aufgrund fehlender Mittel und sozial verursachter Ausgrenzung werden die meisten dieses nicht schaffen.
soll heißen Deutschland schafft sich (vielleicht mit Absicht) eine "niedere" Bevölkerung, die die Bedürfnisse einiger weniger Reicher befriedigt.
- sicherlich eine streitbare Theorie, über die ich sehr viel schreiben könnte.
MfG
border
geradeaus
27.07.2006, 13:41
Versteh das jetzt nicht ganz.Es gibt doch runtergesetzte sehr günstige neue Schulranzen.
Für teils 15 Euro ,vorher 30 Euro.Ich hab so einen und der ist sogar hochwertig vom Material her.
Sind Quasi 3 Schachteln Zigaretten.
Ich rauche nicht.
Versteh aber auch als Harz 4 Empfängerin nicht,das man sich keinen neuen Schulranzen kaufen kann.
Mal auf drei Schachteln Zigaretten verzichten,wäre mir aber mein Kind wert.
Es muss ja nicht gleich ein Markenranzen sein.
Gruss
Es geht glaub ich darum,dass der regelsatz,nicht mal diese 3 schachteln zigaretten hergibt.wie gesagt,die gesamte regelsatzproblematik ist weit entfernt von der realität.deswegen entflammen auch solche diskussionen.es wäre ja alles kein thema,wenn man sich das leisten könnte bzw. wenn die arge die kosten dafür übernehmen würde,aber das macht sie ja ebend nicht und von daher muss dies alles aus dem regelsatz bestritten werden.Und das ist bei 345 euro weiss gott mehr als äusserst brenslig.
MfG
Codeman
Betroffener
27.07.2006, 14:37
@border,
das ist keine streitbare Theorie - das ist reale neoliberalkapitalistische Planung, die auch ausgeübt wird.
Die Ägypter
27.07.2006, 15:26
Versteh das jetzt nicht ganz.Es gibt doch runtergesetzte sehr günstige neue Schulranzen.
Für teils 15 Euro ,vorher 30 Euro.Ich hab so einen und der ist sogar hochwertig vom Material her.
Sind Quasi 3 Schachteln Zigaretten.
Nun kann ein gebrauchter Schulranzen durchaus eine höhere Qualität aufweisen, als ein 15-30 Euro-Tornister - und die Argumentation mit den Zigaretten hinkt bedingt...
Soviel kann man letztlich nicht "entziehen", um sich alles andere leisten zu können... es hört ja nicht beim Schulranzen auf... das geht weiter mit Kleidung - dann wollen die Kinder Zelten gehen, brauchen Fahrräder, Playstation, PC, Spiele, Zahnspange etc pp. usw. usf.
Selbst wenn man findig in E*ay ist, ist es im Endeffekt nicht machbar. :cry:
Versteh das jetzt nicht ganz.Es gibt doch runtergesetzte sehr günstige neue Schulranzen.
Für teils 15 Euro ,vorher 30 Euro.Ich hab so einen und der ist sogar hochwertig vom Material her.
Sind Quasi 3 Schachteln Zigaretten.
Ich rauche nicht.
Versteh aber auch als Harz 4 Empfängerin nicht,das man sich keinen neuen Schulranzen kaufen kann.
Mal auf drei Schachteln Zigaretten verzichten,wäre mir aber mein Kind wert.
Es muss ja nicht gleich ein Markenranzen sein.
Gruss
Ich denke als erstes geht es hier weniger um den gebrauchten Schulranzen sondern eher darum das Menschen die der Lobby des Besseren angehören sich mit der Armut anderer versuchen zu schmücken.
Das hier die Armut zu einem PR und Werbemittel verwendet wird. Und ich frage mich warum der Sponsor dieser gebrauchten Ranzen nicht gleich auf diesen aufgenäht wird.
Ein weiterer Hinweis... und es ist mir an dieser Stelle vollkommen egal ob dies zu einem Rauswurf aus dem Forum führt... ist folgender; Menschen in sowieso gebrandmarkten Regionen nehmen und nahmen unsere Hilfen von gebrauchten Gütern bisher immer sehr gerne an und man freute sich dort über diese Hilfen, weil man gelinde gesagt einen Schulranzen dort nie gesehen hat, oder noch nie etwas von Aspirin (Verfallsdatum überschritten) gehört hat. Aber auch hier steht klar im Vordergrund, die Werbetrommel rühren.
Nun kenne ich aber auf der anderen Seite noch eine Zeit in der es üblich gewesen war, das Kleidung der Geschwister aufgetragen wurden und ander Sachen weiter gereicht wurden, weil das Geld knapp gewesen ist. Dort begeben wir uns wieder hin oder wir merken nicht einmal mehr, dass wir uns in dieser Zeit bereits wieder finden.
Nun wissen wir alle, dass es keinerlei Förderungen und Übernahmen von Kosten für Schule und dergeleichen gewährt werden. Und nach und nach werden die Betroffenen wach und merken, es geht finanziell so einfach nicht mehr. Sie können dem Trend der Kinder und Jugendlichen nicht mehr standhalten und sind denen finanzielle schon seit langem nicht mehr gewachsen. Wir selber haben uns und unsere Kinder in diese Lage gebracht, weil wir als Erwachsene nicht mal in der Lage gewesen sind uns gegen die Ungerechtigkeiten von Anfang an zu wehren. Und ich möchte wahrlich nicht wissen wieviele Menschen in diesem Lande bereits unter diesen Bedingungen leben und leben müssen.
Also wenn man nur raucht und scheinbar nichts mehr isst dann kann ich verstehen wenn man zu sich selber sagt ich verzichte auf drei Schachtelm Zigaretten (West 17 Stck. 3,60) und kaufe meinem Kind einen neuen Schulranzen. Ich allerdings frage mich wie kann man sich die Schachtel Zigaretten überhaupt noch leisten. Meine letzte Schachtel Zigaretten habe ich glaube ich vor einem Jahr mal gekauft seitdem drehe ich den billigsten Tabak.
StephanK
29.07.2006, 07:50
@TommyHB: Warum, zum Kuckuck, sollte dieser Beitrag zum Rauswurf aus dem Forum führen? Du bist hier schon lang genug dabei, um zu wissen, dass es hier ein recht weit gespanntes Meinungsspektrum gibt und dass das vom Administrator und der Moderation auch so toleriert wird (und - was mich selbst betrifft - auch gerne gesehen wird). Die Grenze der Toleranz ist nur bei Beschimpfungen oder beleidigenden Äußerungen überschritten. Nur dann schreiten wir ein.
Nun kenne ich aber auf der anderen Seite noch eine Zeit in der es üblich gewesen war, das Kleidung der Geschwister aufgetragen wurden und ander Sachen weiter gereicht wurden, weil das Geld knapp gewesen ist. Dort begeben wir uns wieder hin oder wir merken nicht einmal mehr, dass wir uns in dieser Zeit bereits wieder finden.Du scheinst auch schon etwas über 30 zu sein :D - ich kenne diese Zeiten auch.
Nun will bestimmt niemand in die 60er oder 50er Jahre zurück. Aber der "Konsumterror" der 90er und 00er Jahre ist ja wohl auch nicht das Gelbe vom Ei.
Die Diskussion ist deswegen so schwierig, weil wir eine gesellschaftliche Entwicklung haben, die dazu führt, dass es mehr Reiche und mehr Arme (und folglich weniger "Mittelklasse") gibt. Die "Reichen" stellen ihre Wohlhabenheit ungeniert zur Schau und propagieren, dass Neid motiviert (Stichwort "Leistungs- und Aufstiegswillen"). Arme, die wenig nachdenken, übernehmen diese Wohlhabenheit ohne viel Überlegung als anzustrebendes Ziel.
Gleichzeitig sagen viele Leute, die viel nachdenken, dass unbegrenzter und ständig wachsender Konsum diesem Planeten nicht bekommt, weder in ökonomisch-ökologischer noch in sozialer Hinsicht - und sie haben viele gute Argumente dafür, dass eine "neue Bescheidenheit" angesagt ist.
Um das alte Bild mit den Kuchenstücken aufzugreifen: Der zu verteilende Kuchen wird kleiner, aber trotzdem gibt es ein paar, die sich ganz große Stücke von diesem Kuchen abschneiden, so dass für viele nur noch winzige Stückchen oder gar Krümel überbleiben.
Den Krümelessern muss ich deswegen zwei gegensätzliche Botschaften 'rüberbringen, nämlich einerseits: ja, Euch steht mehr zu, also geniert Euch nicht, danach zu greifen - und andererseits: richtig dicke Kuchenstücke werden das trotzdem nicht werden, sondern nur ziemlich schmale. Das ist sehr schwierig.
Wer deswegen seinem Kind erklärt, dass das gerade angesagte Schulranzen-Design oder die angesagte überteuerte Jeans- oder Sportschuh-Marke nicht sein müssen, kommt in eine schwierige Lage: Er oder sie sagt etwas sehr vernünftiges, mutet seinem oder ihrem Kind aber gleichzeitig zu, sich gegen den Konsumterror innerhalb der Altersgenossen zu wehren, oder besser gesagt gegen jene Mentalität, die man früher mit der Formel "haste was, biste was" umschrieben hat. Das ist für Kinder recht schwierig und oft schmerzhaft, denn Kinder wollen "dabei sein" und "mithalten könen". Dennoch denke ich, dass es Kindern nicht schadet, wenn sie lernen, sich gegen Erwartungen ihrer Altersgenossen auch abzugrenzen und dass eine modische Verpackung absolut nichts über den Inhalt aussagt. Das klingt vielleicht recht altväterlich und konservativ, aber ich halte es für richtig.
Damit ist natürlich nicht gesagt, dass unzureichende Leistungen für Kinder und Jugendliche o.k. wären, keineswegs. Aber wenn man über das "soziokulturelle Existenzminimum" nachdenkt, kann man soziale Fehlentwicklungen nicht einfach ausblenden oder sagen, dass auch Arme an diesen Fehlentwicklung sollen teilhaben können, weil sie nun mal verbreitet sind.
@StephanK
Ja es stimmt, das ich bereits 45 Jahre alt bin und ich soetwas erleben durfte. Vielelicht hinkt das Beispiel ein wenig ... weil es zu der heutigen Zeit einfach nicht passt, denn damals gab es wirklich sehr wenig und mit dem wenigen musste man auskommen. Es war also normal will ich mal so sagen oder man spürte es nicht so wie heute.
Nur hatte mich dieses Beispiel Schulranzen spontan an damals erinnert.
Diese wie du schreibst "Haste was.. Biste was..." Mentalität gibt es die nicht schon bei den Kindern und Jugendlichen sehr lange. Immer das neuste Handy... die neusten Jeans... die neusten Schuhe, wer es nicht hat ist eben nichts und gerät in die Schiene "zweite.... oder dritte Klasse".
Nun kennen wir denke ich bereits den Modellversuch der in Bremen mit den "Schuluniformen" gestartet werden soll. Ich finde diese Idee eigentlich garnicht so verkehrt, denn so sehen sich alle Schüler am Tage für eine gewisse Zeit auf einem gleiche Level.
Für mich kommt auch noch eines dazu. Ich merke es gerade sehr deutlich in der Nachbarschaft. Die Eltern selber leben es den Kindern vor. Sie leisten sich Dinge, die eigebntlich garnicht in den finanziellen Rahmen passen und wann die Tochter schreit und meckert sie will genau diese neue Hose haben geben die Eltern schnell nach und sie wird gekauft. So stelle ich es mir alltäglich vor. Der Mann ist arbeitslos geworden, davor war alles in Ordnung und nun beginnen die Probleme, Probleme denen die Eltern nicht mehr gewachsen sind... wie bringe ich es dem Kinde bei. Um sich dem Kinde gegenüber aber nicht als "arm" outen zu müssen, wird so getan als wäre die Welt noch in Ordnung und versucht das ganze so gut wie möglich zu händeln. Das geht aber nur eine gewisse Zeit gut, denke ich.
Wenn mir bewusst ist, dass ich eben nicht das Große Stück Kuchen habe sondern nur die Krümel, dann kann ich meines Erachtens nicht aus dem Krümel ein Stück Kuchen machen und so tun als wäre alles in Ordnung. Ich will damit sagen, wenn ich genau weiß, diese Anschaffung passt im Moment nicht, dann lasse ich es, oder ich hole mir das Stück Kuchen in dem mir meine Bank den Dispo erhöht oder den Kreditrahmen. Damit habe ich aber leider immer nur noch den Krümel vom Kuchen.
Und solange wir bereit sind, Konsumterror zu unterstützen, in dem wir nämlich abnehmen was uns geboten wird, solange wird sich auch hier nichts ändern.
Wer deswegen seinem Kind erklärt, dass das gerade angesagte Schulranzen-Design oder die angesagte überteuerte Jeans- oder Sportschuh-Marke nicht sein müssen, kommt in eine schwierige Lage
Stimmt und die Lage wird ja auch gerne von der Werbung aufgegriffen!
Mal so: „Wie uncool“
weil man dem Kind nicht die nötige Vorsorgeleistung auf das Sparbuch pappen kann oder auch so: Ich kenn da ein Mädchen aus meiner Klasse. Und der Vater von der, der hat ein eigenes Haus, wo jeder sein eigenes Zimmer hat.
Das sind doch Spießer.
Und Bernd hat eine Wohnung auf dem Dach, von wo aus man die ganze Stadt sehen kann.
Auch Spießer.
Papa, wenn ich groß bin, dann will ich auch mal Spießer werden.
Nur werden diese Kinder wegen schlechter Ernährung nicht so groß.
Und ob man tatsächlich ein „Leben in Bescheidenheit“ als Wert vermitteln kann, wenn es ab dem 20. jeden Monat nur noch nackte Nudel gibt ist für mich sehr fraglich. Eine kostenlose Ganztagsbetreuung an den Schulen, mit Uniform, Schulküche und Aufgabenbetreuung würde vielleicht den Ranzen überflüssig machen. Da könnte man noch weiter gehen und ein gewisses kostenloses Angebot von Klassenfahrten oder kulturellen Veranstaltungen mit aufnehmen, das allen „uniformierten“ Schülern dann offensteht. Wenn man wollte, natürlich!
8)
StephanK
29.07.2006, 12:26
Und ob man tatsächlich ein „Leben in Bescheidenheit“ als Wert vermitteln kann, wenn es ab dem 20. jeden Monat nur noch nackte Nudel gibt ist für mich sehr fraglich.Zum einen: Bescheidenheit ist - jedenfalls für mich - kein "Wert an sich" und ich möchte auch gerne noch am Ultimo Austern schlürfen (rein theoretisch, praktisch find' ich die Dinger langweilig). Ich sehe Bescheidenheit eher als Realismus, der erkennt, dass das Leben eine ununterbrochene Ketten von Superlativen weder ist noch sein kann (übrigens auch nicht für Reiche!).
Zum anderen: Auch wenn die Spielräume sehr eng sind, gibt es immer noch Prioritäten, und wir vergessen oft, dass es dazu einen Gegenbegriff gibt, nämlich Posterioritäten, also Dinge, die man hinanstellt, weil sie eben doch nicht so wichtig sind. Diese Erkenntnis, dass etwas doch nicht so wichtig ist, muss man selbst gewinnen, aber bei Kindern und Jugendlichen braucht es dazu auch einen gewissen erzieherischen Einfluss.
Damit meine ich keine Erziehung zur Askese, durch die Armut überhöht oder überdeckt werden kann, aber schon, dass Eltern ihren Kindern vermitteln, dass Zufriedenheit und Selbstbewusstsein nicht aus dem Besitz hipper Klamotten und des neuesten handy-Modells fließen.
Eine kostenlose Ganztagsbetreuung an den Schulen, mit Uniform, Schulküche und Aufgabenbetreuung würde vielleicht den Ranzen überflüssig machen. Da könnte man noch weiter gehen und ein gewisses kostenloses Angebot von Klassenfahrten oder kulturellen Veranstaltungen mit aufnehmen, das allen „uniformierten“ Schülern dann offensteht. Wenn man wollte, natürlich!Das kann schon sein... nicht umsonst kommt die Diskussion um Schuluniformen immer mal wieder auf. Wenn man die Institution betrachtet, in der traditionell Uniformen getragen werden, kann man wohl schon sagen, dass diese "Gleichmacherei" auch ihre positiven Seiten hat. Nun bin ich weder Pädagoge noch Entwicklungspsychologe und kann schlecht einschätzen, wie sich das mit dem notwendigen Prozess der Individuation Jugendlicher verträgt, aber ich denke doch, dass die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass sie dadurch nicht wirklich be- oder gar verhindert wird.
Die anderen von stupido angesprochenen Vorschläge stoßen auf "typisch deutsche" Probleme:
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes waren aus der damaligen, vom Faschismus geprägten Erfahrung heraus recht skeptisch gegen jedes "Zuviel" an staatlicher Erziehung und ließen sich von der Vorstellung leiten, dass die Eltern immer noch am besten wüssen, was gut für ihre Kinder sei. Das ist nicht unverständlich, und in der alten Bundesrepublik hat sich dieser Gedanke gut gehalten, nicht zuletzt wegen des Kontrast-Beispiels des DDR-Erziehungswesens. Deswegen gibt es hier kaum eine Tradition von Ganztagsschulen, und erst seit ein paar Jahren ist das Thema Ganztagsbetreuung überhaupt diskutierbar.
Weil Schulen hier schon sehr lange ganz überwiegend von den Kommunen betrieben werden gibt es auch keine verbreitete Tradition des privaten Sponsorings öffentlicher Schulen (anders übrigens bei Privatschulen), bzw. sie steckt noch sehr in den Anfängen. Es ist auch ein heikles Thema, weil es kaum Sponsoring ohne Werbung gibt, und Werbung in Schulen setzt sich sehr leicht dem Vorwurf aus, auf eine leicht beeinflussbare Gruppe von Kunden (oder potentiellen Muliplikatoren) zu zielen. Aber wäre es unanständig, diejenigen Eltern, die es sich leisten können, um Spenden für konkrete Projekte an der Schule ihrer Kinder zu bitten? Ich denke nicht.
Da wir allerdings auch immer deutlicher ausgeprägte "arme" und "reiche" Stadtviertel haben, würde jedenfalls in größeren Städten der Effekt eintreten, dass manche Schulen kaum Spenden einwerben könnten und andere mit manchen "Extras" aufwarten. Eine wirkliche Lösung liegt darin also wohl auch nicht.
Hallo Zusammen,
Da wir allerdings auch immer deutlicher ausgeprägte "arme" und "reiche" Stadtviertel haben, würde jedenfalls in größeren Städten der Effekt eintreten, dass manche Schulen kaum Spenden einwerben könnten und andere mit manchen "Extras" aufwarten. Eine wirkliche Lösung liegt darin also wohl auch nicht.
- was dann zwangsläufig auch zur Folge hätte daß es an den "reichen" und damit sehr gut ausgestatteten Schulen ein höheres Bildungsniveau erreicht werden kann wie an der "armen" schlecht ausgestatten. (- also eigentlich so wie es jetzt schon ist)
- wen wird da der zukünftige Chef da wohl eher einstellen werden?
MfG
border
StephanK
29.07.2006, 15:45
- was dann zwangsläufig auch zur Folge hätte daß es an den "reichen" und damit sehr gut ausgestatteten Schulen ein höheres Bildungsniveau erreicht werden kann wie an der "armen" schlecht ausgestatten. (- also eigentlich so wie es jetzt schon ist)
- wen wird da der zukünftige Chef da wohl eher einstellen werdenDas wäre eine weitere unerwünschte Folge, die ich gar nicht so im Blick hatte. Danke für diese wichtige Ergänzung, aus der sich dann eigentlich die Schlussfolgerung ergibt, dass das kein Weg sein kann, sondern - von der speziellen Förderung besonderer Begabungen mal abgesehen - dass Staat und Kommunen darauf zu achten haben, dass alle Schulen ein einigermaßen einheitliches Niveau gewährleisten und dafür die finanziellen Mittel bereitstellen müssen.
Wenn ich mir allerdings die verlotternden Schulen in meiner nächsten Umgebung anschaue, sehe ich sehr leicht, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen.
Bescheidenheit ist - jedenfalls für mich - kein "Wert an sich"
Sagen wir es so: Bescheidenheit gewinnt an Wert, je tiefer du sackst. Ob du nun Prioritäten oder Posterioritäten bei nackten Nudeln setzt ist dabei glaube ich wurscht. Jedenfalls gibt’s keinen Ketchup dazu. Austern mal erst recht nicht. :wink:
Sponsoring usw. für öffentliche Schulen möchte ich mir gar nicht erst groß ausmalen. Dann kann sich nur der interessierte reiche Schüler die Lösungen anschauen, während die anderen Schüler einen Splitscreen sehen. Allerdings sind die Erfahrungen mit „Schulkleidung“, Uniformen sind wohl tatsächlich hierzulande nicht so beliebt, aber ganz gut und verbessert die Akzeptanz der Schule als Ort des Lernens.
Zum Thema Bescheidenheit möchte ich eine kleine Anekdote erzählen:
Voriges Wochenende hatten wir Gäste und es gab ein, wie ich glaube, leckeres Abendessen.
Einer der Gäste knallte sich dermaßen den Teller voll, dass der Rest echte Not hatte auch nur halbwegs den Teller voll zu bekommen.
Zurück zum Thema Schulranzen.
Auch im ehemaligen Berlusconi-Land gibt es immer noch die Schuluniform. Leider gibt es die mittlerweile in drei Varianten: Standard, gehobener Standard und Luxus. Da ist im Laufe der Jahrzehnte etwas aus dem Ruder gelaufen, denn selbst anhand der Schuluniform kann man die „soziale Herkunft“ der Kinder erkennen.
Nichts desto trotz halte ich die Idee der Schuluniform für bundesdeutsche Schüler/innen durchaus für Sinn bringend. Die Argumente dafür wurden trefflich in den vorangegangenen Beiträgen geschildert.
Und wenn es dann wirklich mal „uniform“ werden sollte, dann muss auch dafür Sorge getragen werden, dass jede Schule, gleich in welchem Stadtteil, die gleichen Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Unterricht hat.
Meint der, dem man vorige Woche das leckere Essen aus der Schüssel geschlabbert hat. ;-)
@Effge
Ich bin ja nicht so ein Freßneider, aber trotzdem neugierig, was in der Schüssel war!
:-)
Die Ägypter
30.07.2006, 06:09
Bei dem Thema Schuluniformen überseht ihr leider, dass Kinder auch wachsen und daher ständig mindestens 2 Garnituren in passender Größe zur Verfügung gehalten werden müssen und das nicht gerade zu K*K oder T*kko-Preisen.... Schlicht unmöglich unter ALG II!!!
Und was die Verhinderung etwaigen Konsumterrors über Einheitsbekleidung angeht... der geht dann eben nach Unterrichtsschluss weiter, wenn die Schuluniform der Alltagskleidung weicht (welche die Eltern ja zusätzlich auch noch anschaffen müssen!)....
StephanK
30.07.2006, 09:57
Ääh... ich hab' mich noch nie mit den Einzelheiten bei Schul-Uniformen beschäftigt, bin aber ganz unreflektiert davon ausgegangen, dass es dabei nicht anders zugehen kann als bei den Uniformen jener Leute, die unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen (?) - und diese grünbraun-gescheckten schlecht sitzenden outfits werden auch von der Organisation gestellt, die sie verlangt. Anders könnte man das bei Schulen auch nicht machen, denke ich, denn dass Kinder wachsen weiss sogar ich :wink:
Dein Hinweis, dass der Konsumterror bei der "zivilen" Alltagskleidung weitergeht, ist natürlich leider richtig. Ich könnte nicht mal ausschließen, dass er sich durch's Uniform-Tragen in der Schule sogar noch verstärkt, weil das Bedürfnis nach sich-unterscheiden sich dann ganz und gar auf die Freizeitkleidung konzentriert.
Beim zweiten Nachdenken ist die Idee also vielleicht doch nicht so gut - vor allem, wenn es solche unsinnigen Differenzierungen gibt, wie sie effge aus Bella Italia berichtet.
Ich bin ja nicht so ein Freßneider, aber trotzdem neugierig, was in der Schüssel war!
Es war ausgerechnet eines meiner Leibgerichte: selbst zubereitete Lasagne al forno. :evil:
Das mit dem Ich bin ja nicht so ein Freßneider ziehe ich zurück! :-)
StephanK
30.07.2006, 11:44
Hey, Ihr Gourmets, hier ist nicht die Plauderecke, sondern das Forum Aktuelle Politik! (Mildestmögliche Form eines Ordnungsrufes... :engel: )
Wenn Schuluniformen (und nicht wie in Italien in drei verschiedenen Ausführungen) den Schüler/innen kostenlos zur Verfügung gestellt würden, glaube ich, dass einige gravierende Probleme an bundesdeutschen Schulen behoben wären.
Über die anderen Probleme will ich mich jetzt hier nicht auslassen (z.B. der Thread über Handys an Schulen), denn dann könnten wird diesen Thread in Schulpolitik umbenennen.
Und die Lasagne war richtig gut. ;-)
Tja, an der Finanzierung haperts schon ein wenig. Ich habe mir mal die Geschichte der Hamburger Sinsdorf Schule durchgelesen, die seit dem Jahr 2000 Schulkleidung eingeführt hat. Die gemachten Erfahrungen sind wohl durchweg gut, außer denen mit der Politik. Aber auch da scheint sich auf kommunaler Ebene etwas zu bewegen.
Jan, zu der Zeit mittlerer Bruder von 7 Geschwistern, fühlte sich gleich sehr wohl in Schulkleidung. Er erzählte uns von Ausgrenzungen an der Grundschule, wo er als "ALDI-Kind" bezeichnet worden war. Jan: "Ich finde Schulkleidung gut. Da sind alle gleich und keiner wird ausgegrenzt."
Quelle (http://www.schule-sinstorf.de/)
Das glaub ich dir! :wink:
Hallo effge,
auch wenn Stephan schon zur Ordnung gerufen hat möchte ich hierzu:
Meint der, dem man vorige Woche das leckere Essen aus der Schüssel geschlabbert hat
sagen daß Menschen die sich unmäßig viel auf den Teller nehmen bei uns
Buffetfräsen genannt werden, wehe auf einer Hochzeit oder zu sonstigen Anlässen ist so jemand vor einem an der Reihe.
MfG
border
vBulletin® v3.8.7, Copyright ©2000-2012, vBulletin Solutions, Inc.