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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stellenangebot annehmen oder ablehnen


Horst1
26.05.2008, 18:37
Guten Tag,

meine Frau (56 Jahre) befindet sich derzeit in einer 3monatigen EGV-Maßnahme. Heute hat sie von dem "Bildungsträger" oder wie sich diese auch nennen mögen ein Stellenangebot als Hilfskraft (nicht in ihrem erlernten Beruf) in Vollzeit (40 Stunden pro Woche) erhalten bei einem laut meiner Meinung niedrigen Bruttolohn.

Muss jede vorgeschlagene Arbeit angenommen bzw. diese auch sofort angenommen werden oder gibt es hier auch Bestimmungen, Ausnahmeregelungen usw.?

Ich darf dazu bemerken, dass meine Frau seit vielen Jahren eine geringfügige Beschäftigung (400,-- € pro Monat), welche auf Jahre sicher ist, hat und dass der Nettoverdienst bei der angebotenen Stelle ca. 700,-- € betragen würde, also ca. 300,-- € mehr als bei der jetzigen Beschäftigung. Unabhängig von der jetzigen Situation könnte man von dieser Arbeit auch nicht leben. Unter Berücksichtigung der Einkommensanrechnung bzw. Einkommensbereinigung wären wir dennoch leider weiterhin auf die ARGE angewiesen.

Auch bei der augenblicklichen Tätigkeit muss meine Frau die vereinbarte Kündigungsfrist einhalten, oder kann diese seitens der ARGE annulliert werden? Was ist aber, sollte meiner Frau während der Probezeit oder auch später gekündigt werden? Alter Job weg - neue Stelle weg - alles noch schlechter als vorher.

Gerne hätte ich mit 60 Jahren noch eine Arbeitsstelle, dann wäre dieses Problem natürlich gelöst. Aber wie ich schon in einem Beitrag erwähnte, ist mir die ARGE bzw. das Arbeitsamt bei einer Stellenvermittlung nicht mehr behilflich, da ich bereits 60 bin und dadurch laut ARGE bei der ARGE nicht mehr als stellensuchend bzw. arbeitslos registriert bin. Eine 58er-Regelung oder ähnliches habe ich nicht unterschrieben. Chancen also nur durch Eigenbemühungen - und die Chanen sinken immer weiter.

Ich habe auch das Gefühl, dass diese sogenannten "Träger" auf "Teufel komm raus" Stellen gleich welcher Art vermitteln wollen, um sich eine Daseinsberechtigung zu schaffen bzw. diese zu stärken ohne Rücksichtnahme auf die Arbeitslosen. Vielleicht verdienen sie dadurch auch noch an den Arbeitslosen und fördern indirekt oder direkt noch dazu den Niedriglohnsektor.

Im voraus vielen Dank für Antworten oder Hinweise.

Grüße von Horst1

Codeman
26.05.2008, 19:23
Hallo Horst,

Muss jede vorgeschlagene Arbeit angenommen bzw. diese auch sofort angenommen werden oder gibt es hier auch Bestimmungen, Ausnahmeregelungen usw.?

Leider ist im ALG II Bezug so ziemlich alles zumutbar,was die Bedürftigkeit senkt.In diesem Fall halt dieser Hilfsjob.Sie sollte sich aber darauf bewerben,erstmal deswegen um keine Nachteile zu erfahren,wie Sperrzeiten bzw. Absenkungen des ALG II und zweitens ist es ja noch gar nicht sicher ob sie genommen wird.

Auch bei der augenblicklichen Tätigkeit muss meine Frau die vereinbarte Kündigungsfrist einhalten, oder kann diese seitens der ARGE annulliert werden? Was ist aber, sollte meiner Frau während der Probezeit oder auch später gekündigt werden? Alter Job weg - neue Stelle weg - alles noch schlechter als vorher.

Horst hier sprichst du etwas an,was auch mir Bauchschmerzen bereitet.Hier wird halt nicht von seitens der ARGE langfristig gedacht,sondern ebend nur kurzfristig mit dem Ziel der Leistungsreduzierung.Das dadurch die sache ggf. sogar verschlechtert wird,scheint gar nicht in der ARGE anzukommen.Bei manchen wird dort nur von 12 bis Mittags gedacht.
Bzgl. Kündigungsfrist.Ja diese muss eingehalten werden,da hat die ARGE gar nix dran zu werkeln.

MfG
Codeman

Betroffener
27.05.2008, 13:50
Ich habe auch das Gefühl, dass diese sogenannten "Träger" auf "Teufel komm raus" Stellen gleich welcher Art vermitteln wollen, um sich eine Daseinsberechtigung zu schaffen bzw. diese zu stärken ohne Rücksichtnahme auf die Arbeitslosen. Vielleicht verdienen sie dadurch auch noch an den Arbeitslosen und fördern indirekt oder direkt noch dazu den Niedriglohnsektor.

Sieh es mal so:

Monatlich werden sinkende Arbeitslosenlosen verkündet, aber die Anzahl der Leistungsempfänger wird ständig größer und liegt im Bereich ALG I / ALG II deutlich über 6,5 Millionen (Ohne die Sozialhilfeempfänger, das sind weiter 1,9 Millionen).

Dann musste die Bundesregierung vor kurzem auch noch öffentlich einräumen, dass die Statistik knapp 50 % der erfassten Arbeitslosen gar nicht ausweist:

HiB.Meldung vom 26.03.08: Knapp die Hälfte aller Leistungsbezieher nicht als arbeitslos registriert (http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2008/2008_088/02.html)
Sueddeutsche: Geschönte Arbeitslosenzahlen Seit Kohl wurde getrickst ... vom 26.05.2008 (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/230/176695/)
SWR-Video vom 26.05.08: Willkürliche Schikanen: Wie Behörden HartzIV-Empfänger um ihre Ansprüche bringen (http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=3507774/pv=video/gp1=3549058/nid=233454/1tcscxa/index.html)

Wie man sieht steckt da also durchaus Systematik dahinter, wenn interne Anweisungen aussagen, dass durchschnittlich 8% der Ausgaben eingespart werden sollen, bzw. lokal wie in dem Video angeführt gut 43% aller Anträge einfach abgelehnt werden sollen.

Denn die Schere zwischen 3,5 Mio ausgewiesenen Arbeitslosen und den realen tatsächlich vorhandenen mindestens 7 Mio immer größer (kostet auch immer mehr) und fällt auch in den Medien immer deutlicher auf (obwohl die sich seit Jahren sehr vornehm diesbezüglich zurückhalten - warum auch immer).

Siehe auch hier bei unabhängigen Statistikauswertern:
jjahnke.net: Arbeitsmarktbericht vom April: Das Lügenbuch der Nation (http://www.jjahnke.net/arbeitapr08.html)
Arbeitsmarktbericht April 2008 bewertet bei Egon W. Kreutzer (http://www.egon-w-kreutzer.de/Arbeitsmarktberichte/April08.html)

In diesen Zusammenhang kommen dann auch die mehr als nur schrägen Ideen eines Hilmar Schreiner vom IZA (Institut für die Zukunft der Arbeit - eine echte Arbeitgeberinstitution, wo auch das DIW mitwirkt - Prof. Zimmerman ist bei beiden Chef). Immerhin steht bereits das Bundeswirtschaftsministerium mit Glös und Otremba (beides erzkonzervative Socken) bereits dahinter - was schlimmes ahnen läßt. Das sind auch die Hintergründe der "Vollbeschäftigung", von denen einige Politiker derzeit fabulieren.

Bmwi: Chancen für mehr Beschäftigung: Bürgerarbeit im BMWi-Modell für eine existenzsichernde Beschäftigung (http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/pressemitteilungen,did=241254.html)

Das hier über die Hintertür Zwangsarbeit eingeführt wird vergleichbar dem RAD (Reichsarbeitsdienst) und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit massenhaft vorhandene Arbeitsplätze dadurch wegfallen und weiter aktives Lohndumping auf Steuerzahlers Kosten betrieben werden soll, steht dabei außer Frage und ist mit Sicherheit Hintergrund der Aktion(en), die die neoliberalen Kreise über INSM, DIW, DIHK und IZA seit mindestens 2006 betreiben - nur wird das natürlich im Schönsprech positiv formuliert.