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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Krankenversicherung gekündigt, was tun ?


acecom
31.07.2006, 12:55
Hallo,
ich nachfolgenden möchte ich mal den Fall meines Vaters schildern und wäre froh, wenn mir jemand ein paar Tips geben würde.

Mein Vater und meine Wenigkeit haben vor Jahren ein Haus erworben, nachdem er unter anderem aus gesundheitlichen Gründen seine Arbeit niedergelegt hat, musste dann irgendwann der Antrag auf ALG II gestellt werden. Die schlussendliche Berechnung seitens der ARGE hat ergeben,
dass die durch meinen Vater und meiner Mutter gebildete Bedarfsgemeinschaft über Einkünfte verfügt, die 6 € über dem Bedarf liegt.
Am Samstag haben wir dann einen Brief von der AOK erhalten, indem mitgeteilt wurde, dass mein Vater von der Krankenversicherung abgemeldet worden ist. Nun war ich heute morgen bei der zuständigen Sachbearbeiterin, die wie immer sehr plump und nicht besonders nett war. Sie teilte mir mit, dass mein Vater, der übrigens im Mai nächsten Jahres in Rente geht, doch ja sein Vermögen veräussern könnte, um seine Krankenversicherung zu bezahlen.

Daraufhin meinte ich, dass das Haus 1. nur zu 50 % meinem Vater gehört, 2. ich auch nicht die Möglichkeit habe, seine 50 % ihm auszuzahlen. Da habe ich gefragt, wo die Verhältnismässigkeit ist, da es hier lediglich um die Fortzahlung der Krankenkassenbeiträge geht. Und das im Falle von Einkünften, die gerade mal 6€ über dem Bedarf liegen.
Wie soll es möglich sein, damit eine Krankenversicherung zu bezahlen ?
Sie hat mich, wie unzählige male zuvor zunächst damit abgewimmelt, dass sie den Fall nochmal prüfen würde und ich mich in 2 Tagen bei ihr melden soll.

Was kann ich in diesem Fall tun? ich bin schon ziemlich am Ende mit meinem Latein und stehe kurz davor, die ganze Bande zu verklagen.
Momentan trage ich im Prinzip im Alleingang die ganzen Kosten des Hauses und finanziell geht es immer weiter den Bach hinunter, da mein Vater momentan im Prinzip wirklich minimalste Einkünfte in Form einer berufsgenossenschaftlichen Rente hat.

Für eure Ratschläge danke ich im Voraus.

acecom
31.07.2006, 13:57
Nachtrag:

Ein Ablehnungsbescheid für ALG II ist zuvor eingegangen, mir war jedoch zuvor nicht bewusst, dass dies gleichzeitig die Kündigung der Krankenversicherung zur Folge hat.

StephanK
31.07.2006, 14:15
:welcome: acecom,
im Fall Deiner Eltern bringt dieses SGB II-Fortentwicklungsgesetz mal was Positives - ab 1.8.: Die Bundesagentur übernimmt auf Antrag im erforderlichen Umfang die Aufwendungen für die angemessene Kranken- und Pflegeversicherung, soweit Personen allein durch diese Aufwendungen hilfebedürftig würden. (§ 26 SGB III, neuer Absatz 3)Das ist eine Vorschrift, die genau für solche Grenzfälle gemacht wurde.
Also mit Einkommensnachweisen und der Alg II-Ablehnung zur Bundesagentur für Arbeit gehen und einen Antrag stellen. Seit darauf gefasst, dass die vielleicht davon überrascht sein werden und erst mal etwas rotieren, aber das geht!

Heike34
31.07.2006, 14:35
Hallo,

einen ähnlichen Fall hatten wir auch mal. Mein Lebensgefährte war selbstständig und aufgrund seines unregelmäßigen einkommens, bekam ich ALG II und war somit krankenversichert.

Dann mußte mein Lebensgefährte aufgrund von Unterschlagung eines Angestellten Insolvenz anmelden. Danach bekam er ALG I. Somit bekam er etwa 10€ mehr, als uns gemeinsam "zustand". Also war ich auch nicht mehr krankenversichert, was wir aber damals nicht wußten.

Ich bekam zu diesem Zeitpunkt einen Bandscheibenvorfall und mußte operiert werden. Einen Tag, bevor ich ins Krankenhaus sollte, kam ein Schreiben meiner Krankenkasse, daß ich nicht mehr versichert sei.

Nachdem mir die Kasse erklärt hatte, daß es seine Richtigkeit hatte, rief ich bei der Sozialagentur an (woanders heißen sie Arge). Dort sagte mir der Sachbearbeiter auch, daß das "nun mal so wäre". Ich fragte ihn, wie ich denn die OP und die bereits gemachten Untersuchungen bezahlen solle (Kernspin, Nerven durchmessen...). Dies war ihm jedoch egal.

Da ich mich nicht bewegen konnte, ist mein Lebensgefährte zur Sozialagentur gefahren. Dort angekommen, wollte man ihn wieder wegschicken, da er keinen Termin hatte (obwohl es eilig war, da zur Klärung weniger als 20 Std. übrig waren!). Er ließ sich nicht abwimmeln und machte dort so viel Theater, daß er zu einem Sachbearbeiter gelassen wurde. Diesem sagte er dann, daß er nicht eher wieder gehen würde, bis er es schriftlich hätte, daß ich rückwirkend wieder bei der Kasse angemeldet würde. Außerdem verlangte er ein Schreiben, in dem die Sozialagentur sich verpflichtete, meine Kraneknkassenbeiträge bis zum Ablauf seines ALG I zu übernehmen.

Nach viel Stress bekam er diese Schreiben, die sofort zur Kasse gefaxt wurden und somit war meine OP gerettet.

Fazit:
Bei solch kleinen Beträgen (6€) kann die Arge die Kasse übernehmen. Sie machen dies jedoch ungern von sich aus. Es wird also ein Kampf werden :fighten:

Liebe Grüße
Heike

PS:
Habt Ihr mal gefragt, wie Dein Vater ein Haus verkaufen soll, daß ihm nicht komplett gehört? Und weiß die Arge, wie lange es dauert, überhaupt ein Haus zu veräußern? Soll Dein Vater bis dahin (wenn er es denn verkaufen könnte) ohne Kasse leben?

SID1
31.07.2006, 18:05
PS:
Habt Ihr mal gefragt, wie Dein Vater ein Haus verkaufen soll, daß ihm nicht komplett gehört? Und weiß die Arge, wie lange es dauert, überhaupt ein Haus zu veräußern? Soll Dein Vater bis dahin (wenn er es denn verkaufen könnte) ohne Kasse leben?
Da gibt es was ganz gemeines.
nach dem Motto wenn ein ganzes nicht geteilt werden kann muß das ganze verkauft werden und das geld kann geteilt werden.
so habe ich meinen anteil an einem miteigentum verloren.

Frage:acecom.
ist deine mutter krankenversichert?
wenn ja dann verlangt eine familienversicherung.
die krankenkassen (auch AOK)verschweigen gerne solche sachen.
nach dem motto wir wurden ja nicht gefragt.

Heike34
01.08.2006, 13:05
Da gibt es was ganz gemeines.
nach dem Motto wenn ein ganzes nicht geteilt werden kann muß das ganze verkauft werden und das geld kann geteilt werden.

Kann man als Nicht-ALG II-Empfänger gezwungen werden, einem Verkauf zuzustimmen, damit der ALG II-Empfänger "flüssig" wird? Ich hoffe mal, nicht.- Allerdings wundert mich in dem Zusammenhang mit ALG II nichts mehr :evil:

Und was glaubt denn die Arge, wie lange so ein Hausverkauf dauert? Das zieht sich doch über Monaaaaate hin. Und danach muß dann Miete gezahlt werden, die ja auch nicht immer so günstig ist.- Und normalerweise überschneiden sich Miete und Verkauf auch noch ein paar Monate. Wovon soll er denn dann leben? Die neue Miete läuft schon und das Haus ist noch nicht verkauft...

Liebe Grüße
Heike

acecom
01.08.2006, 15:44
Hallo zusammen,

Vielen Dank zunächst einmal für eure wertvollen Tips. Ich habe morgen zunächst einmal einen telefonischen Termin bei der "ach so netten" Sachbearbeiterin und werde dank eurer Hilfe ihr einige Argumente darlegen können. Das Ergebnis des Gespräches und den weiteren Werdegang der ganzen Angelegenheit werde ich hier niederschreiben, damit ähnlich betroffene einen Leitfaden erhalten.

@Heike

Als ich die Dame gefragt habe, wie denn meine Mutter zum Arzt gehen soll, meinte sie , dass nach ihrer Überprüfung die ARGE eventuell die Krankenkassenbeiträge in Form eines Darlehens übernehmen könnte,
dies jedoch im Mai, wenn mein Vater in Rente geht, wieder abbezahlt werden müsste.

@SID
Meine Mutter ist Hausfrau, von daher kommt eine Familienversicherung nicht in Betracht.


P.S.: Ich könnt mir "sonstwohin" beissen, dass ich nicht schon wesentlich früher auf dieses Forum gestossen bin, da wäre mir wohl einiges an Ärger erspart gebliegen, den Antrag auf ALG II habe ich am 15.12.2005 gestellt und seitdem war ich sicherlich schon mindestens 25 mal bei diesen Herrschaften und schlage mich mit denen herum, da es meinem Vater aufgrund seiner gesundheitlichen Lage nicht möglich ist.

Heike34
02.08.2006, 07:39
Hallo,

mich wundert in diesem Land leider nichts mehr. :sad:

Halte uns mal auf dem Laufenden, was bei dem Gespräch rausgekommen ist.

Liebe Grüße
Heike