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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Juli Arbeitslosenzahl sinkt - Experten sehen Sensation


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01.08.2006, 10:46
Hallo Allerseits,

habe heute einen Artikel in der HAZ gelesen den ich Euch nicht vorenthalten will, aber macht Euch selbst ein Bild:

Juli-Arbeitslosenzahl sinkt – Experten sehen „Sensation“

Deutschlands Arbeitsmarkt entwickelt sich deutlich besser als erwartet

Von Bernd Knebel
Berlin. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich im vergangenen Monat unerwartet stark verbessert. Dies verlautete am Montagabend vorab aus Kreisen der Bundesagentur für Arbeit, die am heutigen Dienstag die offiziellen Juli-Daten vorstellen wird.
Erstmals seit Jahrzehnten, so hieß es aus Expertenkreisen, sei jetzt in einem Juli die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Juni zurückgegangen. Üblich ist normalerweise – selbst in konjunkturell günstigen Zeiten – ein leichter Anstieg von Juni auf Juli wegen der Betriebsferien und dem Ende von Schul- und Ausbildungszeiten.
Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung vorab erfuhr, waren in diesem Jahr im Juli 4,385 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet – rund 12 000 weniger als im Juni. Bereinigt um saisonale Einflüsse ging die Arbeitslosenzahl sogar um 80 000 zurück. Im Juli 2005 waren noch 4,772 Millionen Menschen ohne Arbeit gewesen.
Arbeitsmarktexperten sprachen von „einer sensationellen Entwicklung“. Noch in den vergangenen Tagen hatten die meisten Wirtschaftsinstitute für Juli eine Zunahme der Zahl der Arbeitslosen zwischen 50 000 und 100 000 vermutet.
Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Arbeitsagentur verbesserte gestern seine Prognose für das Gesamtjahr deutlich. Im Jahresdurchschnitt werde die Arbeitslosenzahl mit 4,56 Millionen um 300 000 niedriger als im Vorjahr liegen. In früheren Schätzungen hatte das IAB lediglich mit einem Rückgang von zunächst 40 000 und dann von 200 000 gerechnet.
Stets nahm in der Vergangenheit in einem Juli die Zahl der registrierten Arbeitslosen zu, weil am Quartalsende im Juni Entlassungen anstanden, Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt drängten und neue Einstellungen vielfach erst nach den Ferien vorgenommen wurden. Dem Anstieg der Arbeitslosigkeit im Sommer folgt im Herbst in der Regel eine Abnahme, bevor sie in den Wintermonaten wieder steigt und im Frühjahr erneut abnimmt.
In seiner gestern vorgelegten „aktuellen Projektion“ geht das IAB von einer „besseren wirtschaftlichen Entwicklung aus, als noch vor einem halben Jahr erwartet worden war“. Die vom Export, den Investitionen und zunehmend von der Binnennachfrage getragene Konjunktur belebe den Arbeitsmarkt, schreibt das Institut. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nehme wieder zu und werde 2006 mit 26,29 Millionen um rund 10 000 über dem Jahresdurchschnitt 2005 liegen. Insgesamt werde die Zahl der Erwerbstätigen bei 38,84 Millionen liegen – 60 000 mehr als im Vorjahr. Im Juni waren sogar mehr als 39 Millionen Menschen beschäftigt – 260 000 mehr als noch im Februar.



Jetzt konnte ich es mir nicht verkneifen der HAZ einen Leserbrief hierzu zu schicken, den ihr hier lesen könnt:

Heiße Luft statt Sensation

Statt die Bevölkerung Deutschlands ständig mit neuen sagen wir mal mal vorsichtig schöngerechneten Statistiken zu erfreuen, sollte die Politik lieber dafür sorgen das es in Deutschland wirklich wieder Arbeit mit existenzsichernden Löhnen gibt die nicht staatlich bezuschußt werden, oder bei denen es sich nicht um Ein-Euro-Jobs handelt.
Leider handelt es sich bei Ein-Euro-Jobs wie bei den Mini Jobs nicht um sozialversicherungspflichtige Arbeit im eigentlichen Sinne.
- im Gegenteil Ein-Euro-Jobs vernichten nun schon viele ehemals sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und dieser Trend steigt. Und die vielfach gepriesenen Mini Jobs sichern keine Existenzen sondern um hiermit überleben zu können muß aufstockendes Alg2 beantragt werden.
Fazit daraus, - wieder einmal nur viel heiße Luft um beim Bürger den Eindruck zu erwecken es gehe aufwärts.



- wollen die uns für dumm verkaufen?

MfG

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efge
01.08.2006, 11:28
Moin Border,

ich finde es gut, dass Du Dich weiterhin einmischst und solche Zeitungsmeldungen kommentierst :!:

Was mich an dem Artikel in der HAZ (auch im ALN-Robot tauchen diesen „Sensationen“ auf) fasziniert sind die zitierten „Experten“. Was sind das für „Experten“? Zoologen, Ethnologen oder gar Vogelkundler?

Eine Sensation wäre es, wenn die Arbeitslosenzahlen unter 1,5 Mio sinken würde, die Arbeitslosenstatistik eine echte Statistik wäre und nicht immer wieder „Experten“ und Politiker Monat für Monat über geschönte Zahlen schwadronieren würden.

Trish
01.08.2006, 11:38
Eine Sensation sieht wahrhaft anders aus...
Was die "Zahl" angeht, mal heißt es Arbeitslosenzahl, mal Erwerbslosenzahl, ich persönlich würde dies unterscheiden.
Arbeitslos ist man, wenn man keine Arbeit hat (wie der Name schon sagt)
Erwerbslos hingegen, wenn man von geleisteter Arbeit nicht leben kann, das Geld also nicht reicht, man nicht ausreichend "Erwerb" hat. Dies beinhaltet dann auch die Arbeitslosenzahl...
Eine "echte" Erwerbslosenstatistik wäre wirklich mal eine richtige Sensation!

geradeaus
01.08.2006, 11:55
Schon eigenartig,das 1 Euro Jobber aus der Arbeitslosenstatistik fallen,wo es doch kein reguläres Arbeitsverhältniss ist?!
Die Arbeitslosenzahl ist eben gerade wegen der 1 Euro Jobber zurückgegangen.
Die ja weiterhin erwerbslos sind.
Also reine Probaganda und Augenwischerei .

DrByte
01.08.2006, 12:54
Die Arbeitslosenzahl ist eben gerade wegen der 1 Euro Jobber zurückgegangen.

Bitte nicht die zahlreichen Trainingsmaßnahmen vergessen. Denn die erscheinen in der geschönten Lügen-Arbeitslosenstatistik auch nicht. Aber die Hartz-Parteien-Wählerschaft werden trotzdem beeindruckt sein.

AMüller
03.08.2006, 19:31
Die Arbeitslosenzahl ist eben gerade wegen der 1 Euro Jobber zurückgegangen.

Bitte nicht die zahlreichen Trainingsmaßnahmen vergessen. Denn die erscheinen in der geschönten Lügen-Arbeitslosenstatistik auch nicht. Aber die Hartz-Parteien-Wählerschaft werden trotzdem beeindruckt sein.

Keine Macht den Hartz-Parteien!

Wirklich unverschämt... Ich finde es immer noch verwunderlich wie viele Leute mit geschlossenen Augen durch´s Leben gehen und an diese Statistiken glauben. Deutschland sollte endlich einmal aufwachen und auf die Straße gehen damit sich etwas ändert und auch der Politik einmal gewaltig auf die Füße getreten wird.

TommyHB
06.08.2006, 12:52
Derartige Statistiken dienen doch in meinen Augen einzig und alleine dafür, damit man der noch arbeitenden Bevölkerung weis machen kann, dass die verkorksten Hartz Reformen doch nun greifen.
Und auf der anderen Seite könnten diese Statistken für die Arbeits- und Erwerbslosen neue Einschnitte in den Leistungen begründen, weil ja die Hartz Reformen greifen aber dank dieser Statistiken noch nicht weit genug.
Desweiteren denke ich stehen im September Wahlen vor der Tür und dann ist es durchaus eine Sensation für die Parteien, dass gerade im Juli die Arbeitslosenzahlen sinken.

Im übrigen glaubt ein Großteil der Bevölkerung einfach nur das was man ihm vorsetzt und es wäre zu anstrengend sich mal über gewisse Dinge Gedanken zu machen. Es ist einfacher und leichter sich seine Meinung aus der Blödzeitung zu holen als mal ordentliche und sachliche Lektüre zu lesen. Man müsste sein Hirn anstrengen.

StephanK
06.08.2006, 13:20
Im Zusammenhang mit "sich selbst ein Bild machen" kann ich übrigens die Monatsberichte der Bundesagentur für Arbeit empfehlen. Auch seriöse Zeitungen veröffentlichen nämlich immer nur sehr kurze Zusammenfassungen oder "nackte" Arbeitsmarktzahlen (Dauerthemen sind nämlich nicht so spannend für die Medien...).
Natürlich sind es Berichte aus der Sicht der Arbeitsagentur und auf der Basis der statistischen Tricks ... ääh: Vorgaben, die der Gesetzgeber in die entsprechenden Regelungen eingebaut hat, und die Arbeitsagentur gibt sich natürlich Mühe, ihre eigenen Anstrengungen herauszuheben. Man muss also auch etwas zwischen den Zeilen lesen, so dass die Lektüre trocken und anstrengend ist - aber trotzdem lohnend.
Der jeweils aktuelle Monatsbericht ist als PDF-Datei verfübar bei
http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/000000/html/start/monat/aktuell.pdf

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06.08.2006, 13:50
Hallo Stephan,

das ist da ja sehr ausführlich und auch schön dargestellt, - da könnte man wenn man es wollte auch viele andere Schlüsse, oder aber auch negative Schlagzeilen die eines Zeitungsberichtes würdig wären ablesen.

- ja, ja die Trickser

MfG

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Betroffener
06.08.2006, 15:59
Negative Berichte passen jetzt nicht ins Bild - also wird positiv interpretiert und formuliert, damit Regierung und die Wahlkandidaten besser dastehen können - und sich die Wunschkandidaten von Bertelsmann &Co., INSM und Konsorten besser profilieren können.

Sicher hat der Herr Clever (Arbeitgeberverband) der BA bei der "Schönformulierung" auch noch etwas geholfen.

Es ist immer wieder interessant, wie man mit etwas Text und Aufteilung von Zahlen eine ganz andere Stimmung erzeugen kann.

Hier ein schönes Beispiel von den NachDenkSeiten:
22.07.2006
Microsoft manipuliert Umfrage unter Kleinunternehmern zu Mindestlöhnen
Der Monopolist Microsoft bringt auf allen möglichen Wegen seine Produkte an den Mann. Dazu spielt er sich auch als Informationsdienst für Kleinunternehmer auf und ermittelt monatlich gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen TechConsult das in Deutschland einzigartige Trendbarometer für kleine Unternehmen. Im neuesten Trendbarometer lautet die Überschrift: „Kleinunternehmen sehen gesetzliche Mindestlöhne kritisch“. 43 Prozent der Befragten lehnten diese grundsätzlich ab. Dagegen sind 12 Prozent generell für gesetzliche Mindestlöhne. Weitere 7 Prozent befürworten diese, sofern sie einheitlich und branchenübergreifend sind. 33 Prozent sind der Meinung, dass branchenspezifische gesetzliche Mindestlöhne auf dem Niveau der untersten Tariflöhne sinnvoll sein könnten. Macht also zusammen 52 Prozent, die unter den genannten Bedingungen für Mindestlöhne sind. Das ist also eine Mehrheit. (WL)

Wer lesen und rechnen kann, scheint klar im Vorteil ...

k_e_r_s_t_i_n
12.08.2006, 19:10
wie sagte mein bwl-dozent während meiner ausbildung so schön...traue nie einer statistik, die du nicht selber manipuliert hast... :twisted:

gollum
13.08.2006, 01:04
So sehr ich jedes Engagement gegen diesen menschenverachtenden Umgang mit Arbeitslosen schätze, sicher auch in Form von Leserbriefen:

Ich glaub ja nicht, dass die Redakteure den Leserbrief überhaupt verstanden haben. Erst recht nicht die Leser, das Thema ist viel zu komplex und den meisten fehlen ja die Hintergrundinformationen. Wurde der Brief denn gedruckt?

Mir fällt einfach immer wieder in Gesprächen mit Menschen, die noch nicht von HartzIV betroffen sind, auf, wie wenig die wissen, und der Zusammenhang zwischen 1 Euro-Job und Statistik ist für die meisten einfach ein Gedankensprung, der sie glatt überfordert.

Ich glaube, die Arbeitslosenstatisik wird sich in den nächsten Monaten noch ganz erstaunlich im Sinne der Fälscher verbessern, weil ich so oft inzwischen höre und lese, dass Menschen die Schikanen des SGBII und deren oft illegale Umsetzung nicht mehr ertragen und aufgeben. Hauptsache irgendeine unterbezahlte Arbeit wird gefunden, egal wieviel, egal wie lang. Hauptsache raus aus AlgII. Alles im Sinn des Erfinders. Und dann wundert sich diese scheinheilige Regierung wieder und freut sich.

Betroffener
13.08.2006, 01:49
@gollum,

es gibt diverse Medien, die gottlob Lesermeinungen veröffentlichen.
Nun kommt das aber:

Vielfach wird massiv zensiert (ARD Tagesschau, Focus, alle Springer- und Bertelsmann-Medien), in anderen erst sehr zeitverzögert veröffentlicht (wo dann oft die Meinung nicht mehr passt).
Bei einigen erfährt man gar nichts, schreibt also sozusagen für den Mülleimer. Bei anderen erhält man wenigsten eine nichtssagende Mail, dass aus irgendwelchen Gründen die "Regeln" verletzt wurden. Mit diesen Mails vom Focus könnte ich mir mein Zimmer tapezieren

Recht gute Erfahrungen habe ich mit der Financial Times Deutschland (obwohl 50% Bertelsmann - und auch, weil es da einen ehemaligen BW-Offizier Rimpler gibt mit etwas abseitigen Meinungsbildern) und Die ZEIT gemacht, die zwar auch "sortieren", aber fast alles veröffentlichen und noch bessere bei Heise Online und Telepolis, wo erst veröffentlicht und zum Eigenschutz ggf. mal wirklich deftiges entfernt wird - allerdings betreffen letztere schon andere Leserkreise als bei "normalen Zeitungen üblich.

Ich habe mir seit einiger Zeit angewöhnt, wo es die Möglichkeit gibt, auf schräge, sinnentstellende Meldungen und Kommentare sowohl im redaktionellen wie auch im Leserbriefbereich eine möglichst sachliche, korrigierende "Duftmarke" zu setzen - was leider viel zu wenige tun - teilweise aus Faulheit, aus Artikulierungsproblemen, aus fortgeschrittener Resignation und anderen Gründen heraus.

Denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass nicht nur bei Hartz IV - sondern auch bei vielen anderen - Themen aus der Bevölkerung deutliche Kontrapunkte gesetzt werden müssen - die schlußendlich sowohl in den von den Verlagen beherrschten Redaktionen als auch bei den Politikern für ein Umdenken sorgen könnten, das trotz bestimmter Interessenlagen bestimmte Dinge nicht (so) einfach machbar sind.

Leider scheinen ja Briefe und Emails des Souveräns an die von ihm gewählten Volksvertreter und sonstige Regierende (ohne ein Verbands- oder Lobby-Logo drauf) mehrheitlich Richtung Papierkorb entsorgt zu werden.