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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anspruch auf Fernseher bei ALG I / II? Besserer Vorschlag


Survivor
04.08.2006, 19:30
Also ich bin da nicht mehr ganz firm. Es gab doch mal eine Zeit lang diese Diskussion, ob denn Sozialhilfeempfänger einen Anspruch auf einen Fernseher haben. Wie ist das heutzutage geregelt? Also da in ALG II ja mittlerweile praktisch alle Ansprüche enthalten sind (ha ha), können sich ALG II Empfänger ja wohl sowieso keinen mehr leisten. Aber wie ist das bei
ALG I oder wenn man schon einen Fernseher hat?

Ich habe mir nämlich vorhin Gedanken gemacht, nachdem ich den Thread mit der "Oliver Geissen-Show" gelesen habe.
Und jetzt komme ich zum eigentlichen Vorschlag. Warum sich eigentlich noch einen Fernseher antun? Ich meine, die Politiker hatten schon einen ganz speziellen Grund, weshalb sie teilweise darauf bestanden, dass jeder "Arme" einen Fernseher hat. Es gibt nämlich kein Medium über das sich besser Propaganda betreiben lässt. Und da die Programme größtenteils gleichgeschaltet sind, bzw. sowieso nur 2 großen Gesellschaften/Gruppen/Firmen gehören geht der Plan doch perfekt auf.
Brot und Spiele sagt da mein Bruder immer.
Das funktionierte schon im alten Rom. Gib den Leuten nur gerade so genug zu fressen und Unterhaltung, dann werden sie nicht aufmüpfig. Sie werden faul und träge. Sie sind nicht mehr willens zu revoltieren.
Umso mehr Probleme es in Rom und dem riesigen Reich damals gab, ums o mehr Gladiatorenkämpfe gab es, umso mehr Wagenrennen etc....
Und da ja viele Politiker auch "Studierte" sind wissen sie das natürlich auch. Also wie die nächste Wiederwahl am besten sichern?
Na klar, wir verblöden die Leute so lange mit dämlichen Talk-Shows, die ordentlich Meinung machen, bis die Leute sich in Grund und Boden schämen und schon selbst zerfleischen. Zumindest die "Armen" und der Mittelstand.
Dann senden wir noch schön ein paar Wahlkampfspots, in denen versprochen wird, dass genau das was die Politker an Mist gebaut haben wieder beseitigt wird und fertig ist die Laube.
Schon die nächste Wahl gesichert. Und in der Zeitung mit den großen vier
Buchstaben wird das noch mal schön als "Großer Sieg für die Frauen in der Politik" gefeiert.
Aber zurück zum Thema. Welche Sendungen laufen denn so vormittags. Hauptsächlich Sachsendungen oder Talkshows, jetzt mal von den Kindersendungen abgesehen. In den Sachsendungen geht es z.B.häufig darum, dass Familie XYZ ja nun seit 2 Jahren Hartz IV bezieht und damit hinten und vorne nicht auskommt. Dann wird gezeigt, wie sich die Familie sehr offensichtlich ohne etwas bei der zuständigen ARGE anzugeben, etwas nebenbei verdient. Dann wird gezeigt, wie sich diese Familie dafür irgend etwas sehr teures oder in den Augen dieser selbsternannten "Moralhüter" der Sendeanstalt Unnötiges anschafft.
Dann kommt noch das obligatorische Interview mit dem Vater, der so etwas aussagt wie " Ja, also wenn ich mir nicht etwas zuverdienen würde kämen wir nicht aus mit dem Geld. Mit dem zusätzlichen Geld können wir jetzt ganz gut leben".
Ja klar. Was soll er auch sonst im Fernsehen sagen. Wahrscheinlich wurde das ganze dann noch ungünstig zusammengeschnitten, so dass das Bild des ALG II Missbrauchers wieder perfekt ist.
Der Vater sagt dies natürlich auch, damit er nicht schlecht dasteht. Wer möchte sich schon im Fernsehen dazu bekennen, dass er nicht mal genug Geld bekommt um seine Kinder zu ernähren. Die Schande, die Schande...
So, nun zu den Talkshows. Hier sind offensichtlich von der Sendeanstalt bezahlte Menschen zu jeder Tages-und Nachzeit dazu bereit, für entsprechende Kohle alles! auszusagen. Egal wie banal, egal wie dumm. Stumpf ist Trumpf. Meistens werden auch nicht wirklich "schlaue" menschen ausgewählt, die halt nicht mal die Konsequenzen und die eigene Rufschädigung erkennen, die sie da betreiben. Und das alles zur Mittagszeit. Wer schaut zu der Zeit zu? richtig. Arbeitslose.
Und die werden damit total abgestumpft. Ihnen wird eingeredet, dass diese subjektive dort erlebte Realität, der "Meinung auf der Straße" entspricht. Selbst wenn man beim Fernsehen nicht richtig zuschaut, und selbst aussagt, "man brauche den Fernseher nebenbei zur Ablenkung"
Irgendetwas bleibt immer hängen. Und wenn es nur die Beschimpfung als Asozialer ist, die wieder einmal, wie auf Zuruf, aus dem Publikum erschallt.
Allein, gäbe es nicht die Spezies der Talk-Show Studiozuschauer, man müsste sie erfinden. Fast immer extrem angepasse Menschen die "ihr Leben lang gearbeitet haben" und immer ihre Beiträge bezahlt und nun gar nicht verstehen können, dass es Menschen gibt die laut ihrer Meinung "von dem Hartz IV Geld gut leben".
Tja, angeschissen. Sowohl der Hartz IV Empfänger als auch die Studiozuschauerin. Es ist eben rein gar nichts wert wenn du "dein ganzes Leben lang gearbeitet hast". Da scheißen die Manager und Bosse drauf und lachen sich noch ins Fäustchen, dass du bis zur Kündigung so ein strebsamer Arbeiter warst und auch immer schön deine Überstunden gemacht hast. So macht man das halt in Deutschland. Aber hauptsache die Arbeitslosen machen sich dafür selbst und gegenseitig verantwortlich.
Aber ich schweife ab.
Nun zurück zum eigentlichen.
Ich hatte sehr lange Zeit Fernsehen. Bei meinen Eltern. Nun habe ich aus freier Entscheidung keinen Fernseher mehr.
Es gibt praktisch keine wirklich guten Sendungen mehr. Das meiste ist pure Propaganda oder fällt unter den Aspekt "Brot und Spiele".
Siehe Dieter Bohlen und Co.
Sollte wider Erwarten doch mal ein guter Film oder eine Dokumentation laufen, dann entweder zeitgleich oder in der späten Nach. Na ja klar, zur besten SEndezeit braucht man die Sendezeit ja auch für Propaganda oder Brot und Spiele. Ihr wisst was ich meine.
Ich lebe jedenfalls sehr gut ohne Fernseher und kann wirklich nicht behaupten, dass ich ihn vermisse. Ich hatte es mir schrecklich und furchtbar ohne Fernseher früher vorgestellt. Leute ohne Fernseher habe ich verlacht. Aber probiert es wirklich mal aus.
Zur Unterhaltung braucht man den Fernsehr auch nicht. Maqn kann sich schließlich auch nicht mal richtig aussuchen, wie man unterhalten werden möchte beim Fernsehen. Da bin ich wirklich froh, dass es jetzt das Internet gibt. Ich kann frei wählen zwischen Millionen von Seiten. Ich kann Informationen über (fast) alles und jeden zu jeden Tages-und Nachtzeit bekommen. Ich kann sogar Radio oder wenn ich Lust hab auch ausländische Fernsehsender empfangen über das Internet.
Ich kann Leute kennen lernen und bin so nicht vom sozialen Leben ganz ausgegrenzt. Und ich kann selbst aktiv werden. All das kann ich mit dem Fernseher nicht.
Nun also die Idee.
Warum nicht einfach ein freier Internetzugang für alle ALG Empfänger? Oder vielleicht, wenn man keinen Computer hat (und das sind immer noch viele Menschen) ein Zeitungsabo?
Es gibt da einige Zeitungen, die immer noch sehr gut die aktuelle Lage wider geben und nicht einfach jede "Forderung" der Politiker kritiklos abdrucken.
Neues Deutschland zum Beispiel, oder die Junge Welt. Kann ich beide Empfehlen. Kosten auch nicht die Welt (apropos die Welt, die kann ich nicht so empfehlen)
Oder wenn diese Zeitungen nicht verfügbar sind tut es auch eine Frankfurter Rundschau.
Hatte ich schon alle im Probeabo. Konnte mir aber leider kein "richtiges" Abo leisten.
Also meine Forderung:
1.Schluß mit der Gleichmacherei des ALG II. in 345 Euro sind NIE und NIMMER alle Kosten enthalten, die ein Mensch zum Leben in der BRD braucht!
2. Zuschuss für ein Abo einer frei wählbaren Tageszeitung oder einen Internetanschluss für jeden Arbeitslosen, ohne Ausnahme!
3. Am besten auch ein Computer oder zumindest Zugang zu einem PRIVAT nutzbarem Computer mit persönlichem Konto UND Internet für jeden Arbeitslosen. Es kann nicht angehen, dass jeder immer ins Arbeitsamt oder zum Copyshop rennen muss, wenn er mal eine Bewerbung schreiben will.

So Ingo, und nun kommst du (frei nach Dittsche)

StephanK
11.08.2006, 09:19
Ich teile Deine Sichtweise weitgehend, auch wenn es in unserem Haushalt einen Fernseher gibt - schließlich kann man den auch gezielt, kritisch und dementsprechend selten einschalten.
Zu Deinen Forderungen habe ich aber Kritikpunkte:

Zu 1.: Natürlich ist der Regelsatz zu niedrig und muss dringend erhöht werden. Die "Gleichmacherei" sehe ich aber als das kleinere Übel im Vergleich zur alten Sozialhilfe, bei der man jedes Extra hat separat beantragen und begründen müssen. Das ist/war/wäre mehr Gängelung als der jetzige Zwang, sich aus den paar Kröten auch noch etwas für Anschaffungen anzusparen. Wenn man die Praxis bei den vom individuellen Bedarf abhängigen Anteilen beim Alg II anschaut (Kosten der Unterkunft, Sonderbedarfe z.B. für nötige Diät) ist es genau die gleiche kleinlich-engherzige Centfuchserei wie in der alten Sozialhilfe. Ich denke, noch mehr davon willst Du nicht wirklich...

Zu 2.: Hmmm... Klar: das Geld dafür sollte jede/r aufbringen können. Aber was bedeutet eine solche Zweckbindung? Auf den Punkt gebracht: Gängelung für einen "edlen" Zweck. Wenn der Regelsatz eine vernünftige Höhe hat, muss da auch ein Zeitungsabo drin sein. Dass es Menschen geben wird, die dieses Geld lieber für drei Flaschen Doppelkorn oder einen Abend in einer Spielhalle verwenden, muss man meiner Meinung nach hinnehmen. Das Recht auf Selbstbestimmung ist immer auch das Recht auf Unsinn. Alles andere ist ein Stück "Erziehungsdiktatur". Es ist eine Frage der persönlichen Einstellung, was man unerfreulicher oder schlimmer findet: die Einschränkung der Freiheit durch Erziehungdiktatur oder den - aus eigener Sicht - Fehlgebrauch von Freiheit durch Selbstbeschränkung auf Stumpfsinn. Ich finde das erstere schlimmer und nehme deswegen das zweite grummelnd hin.

Zu 3.: Das wäre nicht schlecht, und wenn man sich anschaut, wie viele funktionsfähige, aber nicht mehr topaktuelle PCs jedes Jahr von Unternehmen und Verwaltungen ausgemustert werden, müsste das auch organisierbar sein. Aber wie mit den online-Kosten umgehen?