Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Söder gegen Urlaub für Hartzempfänger
Tommi NRW
25.08.2006, 19:39
Heute gegen 19.00 Uhr flimmerte Markus Söder (CSU) in "RTL Aktuell" über die Mattscheibe.
Seine neueste Forderung ist der Wegfall des Urlaubsanspruches für Langzeitarbeitslose.
Es könne nicht sein, so Söder, dass ein Langzeitarbeitsloser im Urlaub ist, während er von der ARGE ein Arbeitsangebot bekommen könnte.
RTL blendete dazu den mittlerweile bekannten Bericht über die ALG-2-Türkeiurlauberin ein, die sich angebl. 3 Monate im Jahr im Urlaub befindet.
Herr Klaus Uwe Benneter (SPD) äusserte sich dazu, dass Söder sich wieder einmal an Langzeitarbeitslosen profilieren wolle.
Weiterhin nannte Benneter, "Söder als Synonym für dummes Geschwätz".
"Herr Benneter, diese Aussage macht sie symphatisch", sprach ich in den Bildschirm.
Ich spare mir erstmal weitere Ausführungen zu diesem Thema.
Gruß Tommi
Vierjährige könnten trefflich auf Söder reimen: „Nur Söder ist…“ Aber lassen wir das Reimen. ;-)
Hier scheint eher Wut und Ablenkung ob der eigenen Unfähigkeit bei Herrn Söder und seinen Kolleginnen und Kollegen zum Ausbruch zu kommen.
Indem Sozialhilfeempfänger/innen und ehemalige Arbeitslosenhife-Empfänger/innen unter den Begriff „ALG II“ zusammengefasst worden sind (und dies noch im Bundesrat durch die Mehrheit von CDU/CSU verschlimmbessert wurde) wird die Gesamtsituation des „Standorts Deutschland“ deutlicher denn je.
Nun schreien die Schlimmverbesserer den berühmten Ausruf: „Haltet den Dieb!“, wohl wissend, dass sich die Politik, der sie anhängen, zum Büttel der wirtschaftlichen Interessensverbände gemacht hat.
Da passt auch gut die Diskussion um den Überschuss der BA von bis zu über 9 Milliarden Euro ins Konzept: Diese Zwangsversicherung der Beschäftigten soll entweder zur Entlastung des maroden Bundeshaushaltes genutzt werden (den offensichtlich die Beschäftigten zu verantworten haben) oder zur Absenkung der ALO-Versicherung (die zunächst den Arbeit“gebern“ zugute käme). Das dieses Geld den Versicherten gehört, die dies eingezahlt haben, auf die Idee verfällt keiner mehr. Leider auch nicht die Beschäftigten, die diesen Batzen erwirtschaftet haben. Lediglich einige Kommentatoren in Presse und Radio greifen dies kritisch auf.
Eigentlich erschauerlich. *Grübel*
Betroffener
26.08.2006, 00:56
Nicht vergessen sollte Mensch dabei auch, wem diese Sender gehören, in denen immer am meisten Hetz-Propaganda gemacht wird:
Die Bertelsmannstifung ist hier das Stichwort. Die Bertelsmannstiftung arbeitet in vielen Bereichen mit der INSM zusammen - beide nutzen das IW und sich selbst gegenseitig, wo es am Besten und unverfänglichsten paßt.
Wikipedia hat da viel interessantes zum Nachlesen (ebenso wie auf den NachdenkSeiten viel zum "Kraken Bertelsmannstiftung" zu finden ist).
Denn was so an Pressemedien, Verlagen und Sendern so alles dazu gehört, ist schon eine kräftige Meinungsmach(t)maschinerie - die auch bestimmte Politiker gerne nutzen.
Bertelsmann (http://de.wikipedia.org/wiki/Bertelsmann)
Kritisches zur Macht eine Medienimperiums (http://www.steffen-roski.de/)
Bertelsmann - kritische Links (http://www.wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Bertelsmann-kritische_Informationen_und_Materialien)
Wo Bertelsmann überall seine Finger drin und seine neoliberalen Ideologien anbringt kann man kaum glauben. Wie mit dem eigenen Personal umgegangen wird schon eher:
Anspruch sucht Wirklichkeit (http://www.zeit.de/2006/34/Bertelsmann)
Hart, aber gerecht: Bertelsmann soll für seine Mitarbeiter ein besonderes Unternehmen sein. Doch nun erleben Tausende nur noch eins: Härte.
Hier geht es um die gleichen Mitarbeiter:
»Wir sind fair« (http://www.zeit.de/2006/34/Interview?page=all)
RTL-Chefin Anke Schäferkordt über die Arbeitsbedingungen in ihrem Sender, Entlassungen und die Frage, was im Fernsehen üblich ist.
Man/frau sollte und darf keine Parallelen zum sog. 3. R*e*i*c*h ziehen, da dies eine Verhöhnung der Opfer jener Zeit gleich kommt.
Man/frau soll und muss jedoch die Vergangenheit/Geschichte kennen, um Gegenwart und Zukunft beurteilen und einschätzen zu können.
Nehmen wir mal den „wohl angesehenen“ Geheimrat Dr. Alfred Hugenberg als Beispiel. In der Weimarer Republik war er der Medien-Zar jener Zeit und publizistischer Steigbügelhalter eines österreichischen Gefreiten.
Hinzu kamen u.a. der Unternehmer Hugo Stinnes als Besitzer der „Deutsche Allgemeine Zeitung“, der „Industrie- und Handelszeitung“, der „Frankfurter Nachrichten“ und etliches mehr. Selbst die IG-Farben unterhielten Anteile an der „Frankfurter Zeitung“. Diese Auflistung ließe sich noch weiter führen.
So toll die Ideen der Besatzungsmächte nach Ende des 2. Weltkrieges waren, um die Medienkonzentration zu verhindern, so toll war die Adenauer-Ära, um dies wieder ins „rechte“ Lot zu rücken.
Einzig allein ein sozialdemokratischer Bundeskanzler, namens Willy Brandt, hat es Anfang der 1970er gewagt gegen eine Kampagne der „BLÖD“-Zeitung während eines Bundestagswahlkampfes, eine Gegenkampagne zu starten. Mit Erfolg: Er hat die damalige Bundesstagswahl gewonnen.
Heute jedoch bedienen sich selbst Sozialdemokraten jener Zeitung oder dienen ihr sogar. Selbst der heutige Fraktionsvorsitzende der Linkspartei/PDS, Oskar Lafontaine durfte bis zu seinem „Sündenfall“ die Politik von Schröder/Fischer im Gruselblatt kommentieren.
Markus Söder [...] Seine neueste Forderung [...]
So "neu" ist die nicht:
:arrow: http://www.zeit.de/news/artikel/2006/08/03/69769.xml
Offensichtlich hat Herr S. ein Problem, überhaupt irgendwo >>wahrgenommen<< zu werden, ansonsten würde er sich nicht alle drei Wochen wiederholen müssen.
S.'s subtile Äußerungen dienen doch nur dazu, den Eindruck zu erwecken, ALG-II-Bezieher bekämen ein üppiges "Urlaubsgeld" um sich mindestens sechs Wochen in der Karibik von den Strapazen der Arbeitslosigkeit zu erholen; dabei entgingen ihnen mehrere Dutzend äußerst lukrative und dringend zu besetzende Arbeitsstellen und das Alles auch noch ohne darauf folgende Sanktionen. Der Neid soll geschürt werden ... mehr nicht.
In irgendeinem anderen Thread habe ich schonmal versucht, den Unterschied zwischen "Urlaub" und einer "Abwesenheit vom Wohnort" klar werden zu lassen. Familiäre Bindungen, Weihnachtsfeiertage, usw. sollen hierbei gänzlich ignoriert werden und nach Möglichkeit steuern wir noch eine Ausgangssperre für Arbeitslose an. Wachsende Zahlen an >>Telefonkontrollen" sind scheinbar noch nicht ausreichend genug und die öffentliche Defamierung kann gewiss noch ausgebaut werden.
Er wäre nicht der Erste, der sich durch unüberlegt getätigte Äußerungen wegen Volksverhetzung zu "verantworten" hätte.
Schönen Tag noch ... :lol:
Betroffener
27.08.2006, 13:35
Die Rheinische Post meint dazu richtigigerweise:
Rheinische Post: Arbeitslosen-Rechte (http://www.presseportal.de/story_rss.htx?nr=865447)
Finde ich lesenswert.
Tommi NRW
02.09.2006, 11:55
Das ist sehr lesenswert, Betroffener.
Besonders diese Passage sagt sehr schön aus, gegen wen eigendlich zu hetzen wäre:
Dabei steckt ein Mensch
ohne Arbeit in einer Situation, die in erster Linie dieser Staat
durch seine über Jahrzehnte verfehlte Sozial- und Finanzpolitik zu
verantworten hat.
Ein Politiker, der das nicht begriffen hat oder es bewusst übersieht und Arbeitslose dennoch mit sinnlosen Sanktion belegen will, sollte schleunigst von seiner Partei abgesägt werden.
Gruß Tommi
Seebarsch
02.09.2006, 12:00
:nostoiber:
:2dafuer:
schneemandy
04.09.2006, 16:38
Irgendwie weiß ich gar nicht so recht, warum die sie so große Gedanken machen, ob ein ALGII-ler Urlaub macht oder nicht. Die meisten Langzeitarbeitslosen haben doch so oder so nicht die finanziellen Mittel dazu. Sollte aber mal einer zu 1-2 Wochen Ferien eingeladen werden, wollen die einem das doch wohl nicht verbieten :twisted: Auch wir sind doch wohl zur Erholung berechtigt?
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